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Neue StolpersteineSechs Gedenksteine erinnern an die Familie Attermann in der Kölner Innenstadt

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Die Schüler und Schülerinnen der 8d übernahmen Patenschaften für zwei der sechs Stolpersteine für die Familie Attermann und hatten für die Verlegung eine Feier vorbereitet. Zu dieser kam auch Amit Landau (2. von links), ein Angehöriger der Familie, aus Tel Aviv.

Die Schüler und Schülerinnen der 8d übernahmen Patenschaften für zwei der sechs Stolpersteine für die Familie Attermann und hatten für die Verlegung eine Feier vorbereitet. Zu dieser kam auch Amit Landau (2. von links), ein Angehöriger der Familie, aus Tel Aviv.

In der Thieboldsgasse sind sechs neue Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an die jüdische Familie Attermann, die NS-Verfolgung zerriss.

Chaim Heinrich Attermann und seine Partnerin Debora Pinkser kamen um 1910 aus Polen nach Köln. Ein Jahr später heirateten sie in ihrer neuen Heimat. Zunächst lebte die Familie in der Südstadt, in der 1911 ihr erster Sohn Sigmund Simon geboren wurde. Es folgten drei weitere Kinder: Erna Resi (Jahrgang 1914), Mila (Jahrgang 1917) und Paul (Jahrgang 1920). Mitte der 1920er Jahre zog die Familie in die Thieboldsgasse nahe dem Neumarkt.

Dort betrieben Chaim Heinrich und sein Bruder Aaron eine Metallalthandlung. Gehandelt wurde mit Metall- und Gummiabfällen sowie mit Häuten und Fellen. Die Kinder besuchten zunächst die jüdische Volksschule Morijah und später das jüdische Privatgymnasium Jawne.

Eltern ermordet in Auschwitz

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann die Verfolgung der Familie. Chaim Heinrich Attermann wurde vermutlich im Oktober 1938 im Zuge der sogenannten Polenaktion aus Deutschland ausgewiesen, Debora folgte ihm 1939. Das Ehepaar lebte anschließend zeitweise in Krakau. Das letzte bekannte Lebenszeichen stammt vom 17. November 1941 aus dem polnischen Lubicz. Von dort wurden beide nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Den vier Kindern gelang die Flucht. Sigmund Simon emigrierte 1939 in die USA, ließ sich in New York nieder, diente in der US-Armee und gründete eine Familie. Er starb 1980 in Florida. Auch Erna Resi und ihr Ehemann sowie Paul flohen 1939 in die Vereinigten Staaten. Mila hatte Deutschland bereits 1936 verlassen und war nach Palästina ausgewandert. 1955 zog sie mit ihrer Familie ebenfalls in die USA.

Seit Mitte Juni erinnern sechs Stolpersteine vor dem Haus in der Thieboldsgasse 138 an Chaim Heinrich und Debora Attermann sowie ihre vier Kinder. Die Patenschaften übernahmen unter anderem Bärbel und Wolfgang Uellenberg-van-Dawne sowie die Klasse 8d des Irmgardis-Gymnasiums in Bayenthal.

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich intensiv mit der Geschichte der Familie beschäftigt, Gedenkblätter erstellt und die Verlegungsfeier mit Musik, Beiträgen zu den Familienmitgliedern, Fürbitten und Blumen gestaltet. „Es war erschreckend zu erfahren, was die Familie durchmachen musste. Wir finden es wichtig, an ihr Schicksal zu erinnern“, sagt der 14-jährige Rafael. „Es ist wichtig, zu erinnern, damit so etwas nie wieder passiert. Das geht gut mit den Stolpersteinen, weil jeder sie sieht. So können wir der Familie auch unseren Respekt zeigen“, ergänzt sein Mitschüler Justus.

Zur Verlegung war auch Amit Landau aus Israel angereist. Erna Resi Attermann war die Schwägerin seiner Großmutter. „Es ist bewegend, dass die Familie nun in Köln sichtbar erinnert wird“, sagte er. Insgesamt wurden Mitte Juni an 23 Orten im Kölner Stadtgebiet 61 neue Stolpersteine verlegt.


Die Stolpersteine sind ein Projekt des Berliner Künstlers Gunter Demnig. Mittlerweile sind insgesamt etwa 117.000 Gedenksteine in mehr als 30 europäischen Ländern verlegt. Ein Stolperstein wird dann verlegt, wenn Einzelne oder Gruppen eine kostenpflichtige Patenschaft übernehmen. Eine Patenschaft kostet mit Verlegung in Deutschland rund 120 Euro. Wer Pate für einen Stolperstein werden möchte, kann sich an das NS-Dokumentationszentrum wenden.

www.nsdok.de, www.stolpersteine.eu