Abo

„Burger-Dialog“ in Köln-KalkEko Fresh und Politiker diskutieren in McDonald’s-Filiale über Chancengerechtigkeit

3 min

Zwischen PR-Aktion und Politikdebatte: Beim „Burger-Dialog“ versucht McDonald's soziale Ungleichheit an der Ladentheke zu verhandeln. Wie das funktioniert hat. 

In der McDonald’s-Filiale an der Istanbuler Straße in Kalk ist am Donnerstagabend vieles anders als sonst: die Bühne direkt neben der Bestelltheke, der Andrang, die Technik. Kameras stehen bereit, zwischen den Tischen wirkt manche Besuchergruppe eher wie Teil eines professionell organisierten Settings als wie zufällige Laufkundschaft. Dazwischen sitzen aber auch Menschen, die tatsächlich einfach hier essen und zuhören – vor allem, weil Eko Fresh da ist, der Rapper, der nicht weit von hier groß geworden ist. Es ist der Rahmen für den nächsten „Burger-Dialog“, ein Format, das McDonald’s Deutschland selbst als Gespräch über gesellschaftliche Fragen beschreibt.

Das Thema ist „sozialer Aufstieg“ – und die Frage, ob in Deutschland noch Leistung entscheidet oder doch Herkunft. McDonald’s unterfüttert den Abend mit Zahlen: In einer repräsentativen Yougov-Umfrage unter 16- bis 29-Jährigen im Auftrag des Unternehmens glauben 43 Prozent, ihre Generation habe schlechtere Aufstiegschancen als die ihrer Eltern. 42 Prozent nennen den familiären Hintergrund als wichtigsten Faktor für Aufstieg, nur 25 Prozent verweisen vor allem auf die eigene Leistung.

Gut inszeniert, aber an der Oberfläche

Auf der Bühne stehen neben Eko Fresh der CDU-Politiker Paul Ziemiak, der SPD-Fraktionschef im NRW-Landtag Jochen Ott und der Grünen-Landesvorsitzende Tim Achtermeyer.

Eko Fresh, der als „Stimme der vielfältigen Gesellschaft“ angekündigt wird, versucht zunächst, Kalk nicht als reine Problemkulisse stehen zu lassen. „Ich kann nur das Beste über die Leute hier aus Kalk sagen“, sagt er, spricht von den „besten Menschen, herzlichsten Menschen“ – und erst dann von den Chancen, „die hier eben nicht alle im gleichen Maß haben“. Es gebe Situationen im Leben, in denen Menschen das Gefühl hätten, nicht dazuzugehören, nicht an Besitz und Stabilität heranzukommen. In Kalk häufiger als in Lindenthal. „Und je stärker das wird, desto mehr sind Leute anfällig für irgendwelche extremen Ansichten“, sagt Eko Fresh. Er betont zugleich: Er selbst sei mit seiner Erfolgsgeschichte „die Ausnahme“ – aus seiner Geschichte dürfe man keine einfache Botschaft machen nach dem Motto: Wenn einer es schafft, können es alle. „Nein, man muss jedem Einzelnen helfen.“

Wie stark die Unterschiede zwischen den Stadtteilen in Köln sind – und wie die Probleme mit Perspektivlosigkeit und Kriminalität auch in Kalk aussehen –, hat diese Redaktion zuletzt in der Serie „Abgehängt in Köln – wenn die Postleitzahl entscheidet“ ausführlich dargestellt. Doch wie schafft man es, die Kluft zwischen ungleichen Startchancen zu schließen? Gerade in Zeiten klammer Kassen, in denen der Sozialstaat wie selten zuvor auf dem Prüfstand steht?

In einem Punkt sind sich alle einig: Es hängt oft davon ab, ob jemand an einen glaubt. Ott sagt, selbst „die Pfeife in Lindenthal“ habe „trotzdem eine bessere Chance als die Pfeife aus Höhenberg, Kalk“. Er fordert besser ausgestattete Schulen und Kitas, kostenloses oder günstiges Essen, mehr Förderung – besonders in Stadtteilen mit besonderen Herausforderungen. Achtermeyer beschreibt das System als „grundstrukturell ungerecht“ und wirbt für Solidarität: nicht nach unten treten, sondern „unterhaken“. Ziemiak nennt Beispiele dafür, wie man Einzelnen auch jetzt schon helfen könne.

Nur bleibt an diesem Abend offen, was daraus politisch folgt. Die Debatte bleibt an der Oberfläche. Das hat – bei allem Idealismus, der im Konzept des „Burger-Dialogs“ stecken mag – auch damit zu tun, dass es darum geht, McDonald’s als Arbeitgeber und Aufsteiger-Marke ins Licht zu rücken. Das jedenfalls haben die vielen Kameras in der Filiale in Kalk gut hinbekommen.