Mehr als 50 Jahre engagiert sich der Kölner Heinz-Dieter Richmann für seine Heimat Brück. Die Liste an Projekten ist in all den Jahren beeindruckend lang geworden.
Ehrenamtspreis für Heinz-Dieter Richmann„Klagen kann jeder. Wer Veränderung will, muss anfangen und anpacken“

Heinz-Dieter Richmann auf dem Brücker Marktplatz, dem Zentrum des Veedels
Copyright: Arton Krasniqi
Sein ehrenamtliches Engagement vergleicht Heinz-Dieter Richmann gerne mit der Renovierung eines Hauses. Das Haus ist in diesem Bild seine Heimat Brück. Dort ist er aufgewachsen, in den Kindergarten und zur Schule gegangen. Den Großteil seines Lebens hat er sich dafür eingesetzt, dieses Haus für alle Bewohner lebenswerter zu gestalten. „Irgendwann fängt man an. Am Anfang macht man die Türen und Fenster, dann die Heizung, irgendwann ist das ganze Haus smart und dann kommt oben noch eine Solaranlage drauf“, sagt der 69-Jährige. Seit mehr als 50 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für den Stadtteil im Rechtsrheinischen, seit 42 Jahren in der Bürgergemeinschaft, 16 Jahre davon als erster Vorsitzender. Für diesen Einsatz verleiht die Stadt ihm im September den Ehrenamtspreis „Köln Engagiert“.
Mit 17 Jahren trat Richmann der Freiwilligen Feuerwehr in Brück bei. 40 Jahre lang übernahm er dabei Verantwortung als Einsatzleiter und Ausbilder. Über Umwege landete der studierte Nachrichtentechniker auch bei der Kölner Berufsfeuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr war der Start in ein Leben voller Ehrenämter. Weil er sich dort so engagiert einbrachte, klopfte schnell auch die Bürgergemeinschaft Brück an und fragte, ob er sich nicht auch dort einbringen wollte. Er wollte.
Ehrenamt in Brück ist Teamarbeit
Die Liste der Projekte, an denen Heinz-Dieter Richmann in den vergangenen Jahrzehnten beteiligt war, ist lang. Sehr lang. Doch vorweg – und das ist Heinz-Dieter Richmann bei allem, was er nicht ohne Stolz von seinem Engagement erzählt, ganz besonders wichtig: „Ich bin kein Einzelkämpfer. Jeder im Vorstand hat wichtige Aufgaben. Ein Verein funktioniert nur, wenn viele Leute bereit sind, etwas zu tun.“ Den Preis nehme er daher im September stellvertretend für die Bürgergemeinschaft entgegen.
Die Bürgergemeinschaft organisiert Dorffeste, mit deren Einnahmen unter anderem schon neue Spielplätze finanziert wurden. Sie hat einen Grillplatz initiiert, betreibt und unterhält vier Geschwindigkeitswarnanlagen, hat Konzepte zur Verbesserung der Parkraumsituation entwickelt, Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche geschaffen, Aufräumaktionen organisiert, einen öffentlichen Bücherschrank auf dem Marktplatz und eine Birnbaum-Allee eingerichtet, Brücker Kindern die Teilnahme an Karnevalszügen ermöglicht oder 70 Bänke im Stadtteil aufgestellt – inklusive einer interaktiven Online-Karte, in der alle Standorte verzeichnet sind.

Der Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr in Brück war für Heinz-Dieter Richmann der Startschuss für ein Leben voller Ehrenämter.
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Besonders am Herzen liegt Richmann allerdings das wohl langfristigste Projekt: der Erhalt des Brücker Wildparks. Als in den 90er Jahren aus finanziellen Gründen die Schließung drohte, organisierte die Bürgergemeinschaft eine Großspendenaktion, rettete das Wildgehege mit großem Aufwand und hilft der Stadt als Eigentümerin bis heute bei der Erhaltung. „Da bin ich sehr stolz drauf“, sagt Richmann.
Anpacken statt klagen
Viele der Dinge, die er und seine Mitstreiter in Brück bewegen, fallen eigentlich in den Aufgabenbereich der Stadtverwaltung. Doch was wessen Aufgabe ist, darüber will Richmann gar nicht lange diskutieren. Die Situation ist, wie sie ist. Wenn Missstände im städtischen Bürokratie-Apparat hängenbleiben oder schlicht das Geld in den bekanntermaßen knappen Kassen fehlt, dann stopft die Brücker Gemeinschaft diese Lücken ganz einfach selbst. „Klagen und schreien können alle“, sagt Richmann. „Aber wenn man Veränderung will, muss man selbst anfangen und anpacken.“ Dass die Bereitschaft dafür auch außerhalb des Vereins vorhanden ist, stelle er immer wieder fest. „Die Leute wollen helfen. Man muss sie nur ansprechen und ihnen Aufgaben anbieten.“ Auch die großzügigen Spenden von Brücker Unternehmen und Privatpersonen machen viele Projekte überhaupt erst möglich.

Die Bürgergemeinschaft Brück betreibt die Futterautomaten am Wildgehege Brück.
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Wenn es irgendwo etwas zu streichen gibt, springt der frühere Malermeister ein, wenn im Brunnen am Marktplatz die Technik streikt, dann ist der Ingenieur zur Stelle. Auch Finanzexperten und Rechtsanwälte bringen sich im Vorstand ein. Durch das Fachwissen hat sich die Arbeit in der Bürgergemeinschaft immer weiter professionalisiert. Stück für Stück entstanden Gruppen, die sich um bestimmte Themengebiete kümmern.
Ehrenamt schafft in Brück auch Gemeinschaft
Das Ehrenamt bereichert nicht nur in Brück auch diejenigen, die es ausführen. „Die Aufgaben geben mir Halt. Man sieht, dass man gemeinsam etwas schaffen und Erfolge feiern kann“, sagt Richmann. Dazu schaffe Ehrenamt Gemeinschaft. „Wenn jemand persönliche Probleme hat, wird er aufgefangen und von der Gemeinschaft getragen.“

Auch um die Geschwindigkeits-Warnanlagen kümmert sich die Bürgergemeinschaft.
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An Projekten wird es Heinz-Dieter Richmann und allen Ehrenamtlern in Brück auch in Zukunft ganz sicher nicht mangeln. Allein der Blick auf das Protokoll der letzten Bürgergemeinschaftssitzung ist beeindruckend: neue Brunnensteine, Spielzeugkisten für die Spielplätze, die Umstellung der Futterautomaten am Wildgehege auf Kartenzahlung oder die Sanierung des Bouleplatzes und der Beete am Marktplatz. Um im Bild der Haus-Renovierung zu bleiben: Richtig abgeschlossen ist so ein Projekt nie. „Wenn das eine erledigt ist, dann kommt die nächste Aufgabe von ganz allein“, sagt Heinz-Dieter Richmann. Nach einer Last klingt das bei ihm nicht. Eher nach Vorfreude auf die nächsten Herausforderungen.