Köln – Wann schreiben die Kliniken wieder schwarze Zahlen?
Das Ziel lautet, 2020 ein ausgeglichenes Ergebnis vorzulegen. Dafür haben wir einen klaren Plan, den wir erfolgreich umsetzen. 2016 konnten wir unser Betriebsergebnis um 11,1 Millionen Euro steigern und das Defizit stärker als erwartet um mehr als die Hälfte reduzieren. Diese positive Entwicklung zeigt, dass unsere Planung realistisch ist.
Die Kliniken haben bei der Stadt Köln ein Darlehen über 50 Millionen Euro aufgenommen. Wozu benötigen Sie das?
Im Jahr 2015 wurde die Einrichtung eines neuen Krankenhaus-Informationssystems an allen drei Standorten zwingend erforderlich. Die Implementierung einer solchen Software ist sehr komplex und ging mit unvorhersehbaren Komplikationen einher. Diese machten sich in der Abrechnung bemerkbar, es konnten keine Rechnungen gestellt werden. Um Liquiditätsengpässen vorzubeugen, hat die Stadt Köln uns ein Gesellschafterdarlehen gewährt. Die Rückzahlung wird binnen zehn Jahren erfolgen.
Wie bedienen die Kliniken ihre Verbindlichkeiten?
Um Zinsen und Tilgung zu erwirtschaften, müssen wir das Betriebsergebnis weiter steigern und die Kosten weiter reduzieren. Dabei hilft uns, dass Köln eine wachsende Stadt ist und wir eine zunehmende Nachfrage verzeichnen – 2016 legte die Zahl der Patienten um 4,1 Prozent zu. Bei allen berechtigten Fragen nach den Finanzen darf man nicht vergessen, dass die Kliniken unverzichtbare Leistungen der medizinischen Daseinsvorsorge für Köln und die Region erbringen. Eine Station für Schwerstverbrannte, wie wir sie in Merheim vorhalten, lässt sich nicht wirtschaftlich betreiben.
Was macht es so schwierig, kommunale Kliniken ohne Defizit zu betreiben?
Das Hauptproblem der kommunalen wie auch der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Deutschland ist die Finanzierung von Investitionen, für die per Gesetz die Länder verantwortlich sind. Die Mittel, die das Land NRW dafür bereitstellt, reichen bei weitem nicht aus. Das zwingt uns, eigene Betriebsmittel für Investitionen auszugeben. Früher haben wir Gewinne erzielt. Jetzt müssen wir zehn bis zwölf Millionen pro Jahr für Zinsen und Tilgung von Investitionen aufwenden. Der 2012 eröffnete Neubau des Hauses 20b am Klinikum Merheim hat 70 Mio. Euro gekostet, die wir selbst finanziert haben. Auch für neue Medizintechnik wenden wir erhebliche Summen auf. Ohne diese Belastungen hätten wir heute ein positives Ergebnis.
Rächt sich jetzt, dass in Krankenhäuser in der Vergangenheit zu wenig investiert wurde?
Der Investitionsstau besteht seit Jahren in allen Bundesländern. Wir haben bereits große Fortschritte durch den Einsatz eigener Mittel gemacht. Aber es gibt immer noch Bereiche, wo wir baulichen Nachholbedarf haben. Das betrifft nicht nur den Komfort für die Patienten, die heute einen höheren Standard erwarten. Neubauten ermöglichen es uns auch, kostengünstiger zu arbeiten, weil wir kurze Wege schaffen und viel effizienter werden, was auch den Patienten zu Gute kommt. In der Medizintechnik werden die Produktzyklen immer kürzer. Da müssen wir viel investieren. Dabei setzen wir auf intelligente Lösungen.
Wie sehen die aus?
Wir bieten beste Medizin an und werden dies auch in Zukunft tun. Früher wurden etwa in der Kardiologie oder Radiologie teure Geräte angeschafft, und wenn die technisch überholt waren, wurden große Summen für Neubeschaffungen fällig. Heute gehen wir langfristige Partnerschaften mit Geräteherstellern ein, arbeiten bei Forschung und Entwicklung zusammen. Davon profitieren beide Seiten.
Werden Sie Personal abbauen?
Wir beschäftigen rund 4500 Mitarbeiter. Was wir von den Krankenkassen zur Personalfinanzierung erhalten, reicht bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken. Langfristig werden wir – wie die gesamte Branche – mit weniger Personal auskommen müssen. Das werden wir über natürliche Fluktuation, Optimierung von Prozessen und Zusammenlegung von Bereichen regeln.
Bekommen Sie noch genug qualifiziertes Personal?
Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber und ziehen weiterhin hoch qualifizierte Fachärzte an. In der Pflege ist bundesweit ein regelrechter Kampf um Fachkräfte entbrannt. Um unseren Bedarf zu decken, setzen wir auf eigene Aus- und Weiterbildungsangebote sowie flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliche Altersvorsorge, Jobticket, drei Kitas und so weiter.