Das echt bayerische Volksfest verzichtet in Köln bewusst auf Karnevals- und Mallorca-Musik. Es gibt auch kein Kölsch.
Oktoberfest im TanzbrunnenRoyal Wiesn feiert Premiere – Party auch ohne Kölsch
Köln kann nur Karneval? Von wegen! Köln kann auch Oktoberfest. Und wie! Die Premiere der Royal Wiesn am Freitagabend (9. Oktober) im Tanzbrunnen hat gezeigt, dass das bayerische Volksfest auch am Rhein funktioniert.
Das karierte Hemd von Stefan Löcher war klitschnass. Der Lanxess-Arena-Chef hatte direkt vor der Bühne gefeiert und war von der Band Gerry & Gary, die in München in der Käfer-Wiesn-Schänke auftritt, restlos begeistert. „Solch eine Stimmung habe ich lange nicht erlebt“, sagte der Mann, der immer die Top-Stars der Musikbranche zu Gast hat.
Royal Wiesn in Köln: Oktoberfest bis zum 18. Oktober im Tanzbrunnen
Eskalation pur war angesagt, als die siebenköpfige Band einen Wiesn-Hit nach dem anderen spielte. „Wir lieben euch jetzt schon“, rief Frontmann Gary Hohlweg nach einer Stunde in die Menge. Dass Köln so abgehen kann, damit hatte die Gruppe nicht gerechnet.
Die Verantwortlichen waren im Vorfeld extrem angespannt. „Ich habe noch nie so viele schlaflose Nächte bei einem Projekt gehabt“, gestand Mitorganisator Lukas Wachten.
„Wir wollen das Methadonprogramm für die sein, die es nicht nach München schaffen. Deshalb wollen wir so nah wie möglich ans Original.“ Deshalb gab es keine Karnevals- und Ballermann-Musik und kein Kölsch.

Der offizielle Anstich wurde zur feuchten Angelegenheit. Torsten May (M.) hatte Probleme mit dem Hahn. Schirmherr Prinz Luitpold von Bayern (l.) versuchte zu helfen. Mitorganisator Lukas Wachten nahm’s mit Humor.
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Mit seinen Mitstreitern Stefan Wolter, Alexander Schebalkin und Stefan Gottschalk hatte Wachten ein Ambiente geschaffen, das dem Anspruch mehr als gerecht wurde. Im Tanzbrunnen sorgten ein paar Kirmesbuden, Schmankerlstände und das 33 Meter hohe Riesenrad schon bei der Ankunft für Oktoberfest-Ambiente.
3000 Feiernde bei der Premiere der Royal Wiesn
Das Herzstück ist jedoch das Zelt. Rund 3000 Menschen waren am Auftaktabend dabei. Sie erlebten, wie zunächst die Kapelle „Rheinisch Böhmische“ zum Aufwärmen spielte. Beim Service hakte es noch an der einen oder anderen Stelle. Dafür lief das König-Ludwig-Hell aus dem Maßkrug (14,50 Euro) perfekt.
Box-Olympiasieger Torsten May (57) war auserkoren worden, das offizielle Anzapfen zu übernehmen. Der Mann, der sich mit seinem linken Leberhaken 1992 in Barcelona zur Goldmedaille gekämpft hatte, sollte doch wohl mit einem 30-Liter-Fass klarkommen. Doch der Hahn und die Gummidichtung wollten nicht so recht mitspielen.

Polizeipräsident Johannes Hermanns (r.) und Lanxess-Arena-Chef Stefan Löcher begutachten die Zapfkünste von Koelncongress-Gastrochef Sven Häffner (l.).
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Der Traum, wie Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause mit zwei Schlägen anzustechen, platzte schnell. Im Gegenteil. Das Bier schoss aus dem Fass und sorgte schnell für einen kleinen See auf der Bühne. Schirmherr Luitpold (75), Prinz von Bayern, half mit. Auch Lukas Wachten setzte zu ein paar Schlägen an. Nach geschätzt 50 Versuchen saß der Hahn endlich und das erlösende „O'zapft is!“ ertönte.
Danach konnte die wilde Party starten. Im Innenraum wurde so wild gefeiert, dass sogar einige Bänke zu Bruch gingen. Das Risiko, das die vier Organisatoren auf sich genommen haben, scheint belohnt zu werden. 15.000 Reservierungen gibt es bereits. Kosten von rund einer halben Million – allein das Zelt kostet 200.000 Euro – müssen erst einmal wieder verdient werden.

Fecht-Queen Britta Heidemann zeigte, dass sie auch sechs Maßkrüge stemmen kann.
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Umso unverständlicher, dass die Macher im Vorfeld teilweise hart attackiert und beschimpft wurden. „Uns wurde vorgeworfen, dass es ein Unding sei, in einer städtischen Location in Köln eine Veranstaltung ohne Kölsch zu machen. Wir seien schuld am Untergang der Kölschbrauer“, sagte Wachten. Dabei feierten extrem viele Karnevalisten zur Eröffnung mit und waren restlos begeistert.
Dirk Wissmann war mit den Roten Funken jüngst beim Oktoberfest in München. „Das hier steht der Stimmung dem Original in nichts nach“, sagte er. Unkelbach-Gastronom Alexander Manek war ebenfalls fasziniert: „Ich kann nur sagen, wer nicht hier ist, ist selbst schuld. Mega geil. Die Band ist unbezahlbar, es herrscht supergeile Stimmung.“
Viele Kölner Prominente bei der Royal Wiesn
Rabaue-Frontmann Alexander Barth dirigierte die Blaskapelle, Playmate Tanja Brockmann versuchte sich beim „Hau den Lukas“, Björn Griesemann (Blaue Funken) nahm mit Wissmann und „Totti“ Schmidt von der Prinzen-Garde im Riesenrad Platz. Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann stemmte sechs randvolle Maßkrüge. Die Musiker Kevin Wittwer und Hannes Feder (Cat Ballou) und Peter „Funny“ van den Brock (Rabaue) genossen den freien Abend.

Dirk Wissmann (Rote Funken), Björn Griesemann (Blaue Funken) und „Totti“ Schmidt (Prinzen-Garde, v.l.) nahmen im Riesenrad Platz.
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Auf der VIP-Empore wurden unter anderem gesichtet: Polizeipräsident Johannes Hermanns, Festkomitee-Präsident Lutz Schade, Ehrengarde-Präsident Hans-Georg Haumann, Sportstätten-Chef Lutz Wingerath, CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau, Joachim Zöller (Die Grosse von 1823), Marcus Becker (KG Rodenkirchen), FC-Vizepräsident Ulf Sobeck und Zoo-Chef Christopher Landsberg.
Bis zum 18. Oktober wird jetzt im Tanzbrunnen Oktoberfest gefeiert. Und bereits jetzt werden Reservierungen für die Wiederholung vom 8. bis 17. Oktober 2027 angenommen. In Zukunft planen die Macher, das XXL-Zelt länger stehen zu lassen. „Vielleicht schaffen wir es, eine neue Location zu etablieren, während andere Säle schließen“, sagte Wachten. „Hier ist vieles möglich, von Comedy über Weihnachten bis Karneval.“
Doch vorher heißt es erst mal noch dutzende Male: „Ein Prosit der Gemütlichkeit.“ Oder wie es Prinz Luitpold sagte: „Eine Maß schadet nie. Wir haben in unserer Familie den Nachweis über die vergangenen 500 Jahre. Da haben wir im Schnitt ein bis zwei Maß Bier täglich getrunken und wir sind weiterhin ein kulturell brauchbares Land geblieben.“
