Ein 27-Jähriger hatte sich als Polizeibeamter ausgegeben. Nun stand er vor Gericht.
„Es geht mir saumiserabel“Enkel schnappt Trickbetrüger – Kölner Rentner leidet trotzdem schwer

Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Petra Eßer beim Prozess im Landgericht
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Mit der perfiden Masche des „falschen Polizeibeamten“ hätten Trickbetrüger beinahe einen 78-jährigen Kölner dazu gebracht, den Tresor seiner Wohnung zu öffnen. Erst die Ehefrau und schließlich der Enkel sorgten dafür, dass die Täter nicht nur leer ausgingen, sondern einer von ihnen spektakulär gefasst wurde. Der 27-jährige Beschuldigte musste sich nun wegen versuchten Bandenbetrugs und Amtsanmaßung vor dem Kölner Landgericht verantworten. Mehrere Jahre muss er ins Gefängnis – auch, weil eines seiner Opfer bis heute besonders schwer unter den Folgen der Tat leidet.
Köln: Betrüger berichten von Diebstahl in Nachbarschaft
Der Senior aus Esch/Auweiler war ins Visier einer besonders hartnäckigen Bande geraten. An einem Mittwochmorgen im April hatte ein Mann angerufen und sich als „Polizeibeamter Brettschneider“ vorgestellt, heißt es in der Anklageschrift. Zwei Täter hätten in der Nachbarschaft einen Tresor bei einer alleinstehenden Frau aufgebrochen. Später seien sie festgenommen worden – dabei sei ein Polizist angeschossen worden. Auch der Tresor des Seniors sei nun nicht mehr sicher, soll der Anrufer behauptet haben. Daher käme in Kürze ein Kollege vorbei, um den Inhalt in Sicherheit zu bringen.
Gegen 11 Uhr erschien tatsächlich ein Mann an der Haustür des Seniors. Er nannte sich laut Anklageschrift „Müller“ und gab sich als Polizist aus. Der Unbekannte habe die Wohnung betreten und den Senior aufgefordert, seinen Tresor zu öffnen. Doch der Senior konnte die PIN nicht nennen. Sein Sohn, der den Code kenne, sei in den Niederlanden und nicht erreichbar. Der falsche Polizist hielt sich laut Anklageschrift etwa eine halbe Stunde in der Wohnung auf. Auch als die 75 Jahre alte Ehefrau des Rentners vom Physiotherapeuten zurückkam, blieb er laut Akten bei der Geschichte.
Köln: Stunden später klingeln die nächsten Täter
Das Ehepaar gab den Tresorcode jedoch weiterhin nicht preis – woraufhin der Trickbetrüger endlich eingesehen habe, dass er nicht an die Wertsachen gelangen werden. Er verschwand ohne Beute. Die Geschichte könnte hier zu Ende sein und sie hätte dem Ehepaar bereits genug Nerven gekostet. Doch am frühen Abend tauchten zwei weitere Männer an der Wohnanschrift der Geschädigten auf. Darunter der 27-jährige Angeklagte. Laut Anklage sollten die beiden Täter nun vollenden, was ihre Komplizen am Vormittag vermasselt hätten – der Inhalt des Tresors der Rentner galt weiterhin als Ziel.
Während der unbekannt gebliebene Mittäter eine Weste mit der Aufschrift „Polizei“ getragen habe, soll der Angeklagte nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft ein Einhandmesser griffbereit in seiner Hosentasche gehabt haben. Am Gartentor sollen sich beide als Polizeibeamte ausgegeben und den Senioren einen vermeintlichen Durchsuchungsbeschluss präsentiert haben. Sie kämen im Auftrag des Finanzamts und es gehe um eine hohe Summe Bargeld, die sichergestellt werden müsse. Die Erfahrung vom Vormittag vor Augen, schöpfte das Ehepaar natürlich sofort Verdacht.
Köln: Enkel blockiert Fluchttaxi und stellt Täter
Während die Rentnerin ihren Enkel alarmierte, flüchteten die Männer vom Tatort. Wie er gefasst werden konnte, schilderte der Enkel. Auf der Anfahrt zu den Großeltern habe er an einem Feldweg zwei Männer in schwarzer Kleidung gesehen. Nachdem ihm seine Großmutter von den zwei ähnlich gekleideten Männern erzählt habe, sei er direkt wieder ins Auto gesprungen. Auf der Straße am Feld habe mittlerweile ein Taxi gestanden. Der Zeuge: „Ich habe mich mit meinem Auto davorgestellt und so den Weg blockiert.“ Einen der Täter konnte er festsetzen, bis die echte Polizei kam.
Was der Betrugsversuch bei den Senioren ausgelöst hat, wurde in ihren Aussagen deutlich. „Das war der schlimmste Tag in meinem Leben“, sagte der 78-Jährige. Er habe dem ersten Besucher geglaubt und sei drauf und dran gewesen, den Tresor zu öffnen. „Wenn meine Frau nicht gekommen wäre, dann wäre ich drauf reingefallen“, sagte der Senior. Er habe Berichte über solche Betrugsmaschen im Fernsehen gesehen und sich gedacht, wie jemand darauf hereinfallen könne. Wenn man selbst betroffen sei, sei das etwas völlig anderes. Er sei auch am Telefon massiv unter Druck gesetzt worden.
Kölner Landgericht verhängt mehr als drei Jahre Haft
Seine Frau berichtete, sie habe ihren Mann bei ihrer Rückkehr knallrot und zitternd in der Küche vorgefunden. Ihr Mann beschrieb seinen Zustand als noch heute als „saumiserabel“. Er sei durch die Ereignisse um Jahre gealtert und habe sein liebstes Hobby aufgeben müssen: „Seit Jahrzehnten hatte ich Brieftauben; die habe ich alle verschenkt und die Verschläge abgerissen.“ Im Haus ließ das Ehepaar Kameras installieren. Wenn es klingele, schaue sie zunächst auf den Bildschirm, erklärte die Frau. Unbekannten öffne sie nicht mehr.
Über seine Verteidigerin Petra Eßer hatte der Angeklagte ein Geständnis abgegeben. Er habe sich in einer schwierigen Lebensphase mit hohen Schulden zu der Tat hinreißen lassen. Erst im Nachhinein sei ihm klar geworden, welche Folgen sein Verhalten habe. Er habe allerdings nicht gewusst, dass das Ehepaar bereits am Vormittag heimgesucht worden sei. Auch sei er tatsächlich davon ausgegangen, dass der Rentner Schwarzgeld bunkere und das Geld schnell herausgeben würde – so hätten es die Auftraggeber behauptet. Für seine Mittäterschaft muss der Mann drei Jahre und zwei Monate in Haft.
