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Ein Kölner EngelSchwester Christina kümmert sich um die Obdachlosen

4 min

Etwas Licht und Wärme spendet Schwester Christina den Menschen, die unter harten Bedingungen leben.

Köln – Es braucht gar nicht viel. Nur einen Bruch im Lebensplan: der Job weg, der Partner geht. Oder dieses immer schneller werdende Leben ist einfach vorbeigezogen, hat einen zurückgelassen. Allein. Auf der Straße. Das bisschen Wärme, das der Mensch braucht, kommt dann oft nur noch aus einer Flasche Schnaps. Und der Nebel im Kopf, der mit jedem Schluck dichter wird, legt sich wohltuend über die Vorbeieilenden und ihre Blicke. Ganz selten mal, dass sich eine Hand aus der Masse, durch den Dunst, entgegen streckt.

So wie die von Schwester Christina. Seit 2019 arbeitet die Franziskanerin in der Obdachlosenanlaufstelle Gubbio an der Kirche St. Marien in der Südstadt. Zwei Tage in der Woche. An dreien zieht sie über die Straßen. Hauptbahnhof, Schildergasse, Neumarkt. Um ihre Hand zu reichen.

Zwei Mal die Woche geöffnet

Nein, die Tische und Stühle erinnern nicht an die Hochglanzbilder aus den Prospekten der Möbelhäuser. Nicht Trend, Pragmatismus bestimmt des Interieur des Gubbio. Und doch: Wie einladend muss es auf jemanden wirken, der statt auf einem Stuhl in einem Hauswinkel sitzt. „So 20 bis 40 Menschen ohne festen Wohnsitz kommen, wenn wir dienstag- und mittwochnachmittags öffnen“, sagt Schwester Christina. „Wenn ,Die Tafel’ mit dabei ist, sind es eher mehr.“ Vor zwei Jahren hat sie von Bruder Markus und Schwester Franziska übernommen. Bruder Markus wurde in die Führung des Franziskanerordens berufen. Schwester Franziska verstarb unerwartet.

Ob sie lange überlegen musste, als ihr die Übernahme angetragen wurde? „Nein, ich wollte immer mit Bedürftigen arbeiten. Und wir Franziskanerinnen sind ja nun mal für die ärmsten der Armen da.“ Schwer gefallen sei ihr der Start auch nicht: „Ich konnte auf die bisherige Arbeit aufbauen und ich habe versucht, den Standard zu halten“, sagt die Nachfolgerin. Schwester Christina mag das rheinländische Temperament, sagt sie. Was nicht heißt, dass die gebürtige Mecklenburg-Vorpommerin es sich angeeignet hätte. Klare Kante statt ausufernder Worte. Das Herz in der Hand statt auf der Zunge. So ist es auch besser für ihre Arbeit.

Probleme und Seelenheil

In diesem Sinne bringt die Franziskanerin die Probleme ihrer Schützlinge ohne Umschweife auf den Punkt. „Drei S: Sucht, Soziales, Seele.“ Kuchen und Kaffee im Gubbio können den Rausch abfedern. Lebensmittelspenden lindern ein bisschen die Not. Aber kann die Kirche den Menschen, die alles verloren, die kaum noch Hoffnung haben, Seelenheil geben? „Die Heilige Schrift ist auf der Straße Thema.

Viele kennen Passagen des Evangeliums, fragen mich nach einer Bibel, nach einem Rosenkranz, reden mit mir über Gott“, berichtet Schwester Christina. „Der Glaube ist ihr letzter Halt. Klar hadern auch einige mit Gott, sind auf ihn sauer, schimpfen auf ihn. Und dann fließen auch mal Tränen. Ich sage dann immer: Mach das ruhig, schimpfe ruhig mit Gott, rede mit ihm.“ Und nicht selten enden solche Gespräche mit einer kleinen und doch ganz großen Bitte an die Ordensschwester: „Bete für mich.“

Viel Elend und Hilflosigkeit

Beten, vielmehr Möglichkeiten hat Schwester Christina oft nicht, wenn sie sich auf den Weg zu den Obdachlosen am Neumarkt oder Hauptbahnhof macht. „Alkoholexzesse, Leberzirrhosen, offene Wunden, Kot und Urin“, erzählt sie vom absoluten Tiefpunkt auf den Straßen Kölns. Manchen kennt sie mit Namen. Was nicht heißt, dass sie wirklich Kontakt herstellen kann. „Ach ja, der D.“, berichtet sie von einem jungen Drogenabhängigen, der völlig verwahrlost und von Psychosen gegeißelt durch die Straßen irrt. „Mir ist es nur ein-, zweimal gelungen, ihn anzusprechen.“

Was macht dieses Elend und die Hilflosigkeit mit ihr? „Ja, manchmal verspüre ich Ohnmacht“, räumt Schwester Christina ein. Dann helfe ihr die Gemeinschaft der Mitschwestern, eine Tasse Kaffee, das Gespräch mit ihnen. Ob sie es in solchen Momenten auch mal bereue, ins Gubbio eingestiegen zu sein? „Nein, nie. Es ist das Beste was ich je gemacht habe.“

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Und ihre Arbeit wird einfach nicht weniger. „Die Not auf der Straße wird mehr. Das größte Problem sind der Wohnungsmangel und die hohen Mieten“, mahnt die Franziskanerin. Wie kann sie unterstützt werden bei ihrer Aufgabe: Denen zu helfen, für die das Leben zu groß und der Wohnungsmarkt zu klein geworden sind? Klar, Geld geht immer. Allerdings steht es nicht oben auf der Prioritätenliste der Ordensschwester. „Es fehlt eher an Menschen, die nicht vorbei gehen, die auch mal hinschauen, die ein bisschen Aufmerksamkeit schenken – und einfach mal ein Lächeln.“