Bei den Beschuldigten handelt es sich um die Schwiegermutter und Ehefrau der mutmaßlichen „Zielperson“.
Mutter und Tochter angeklagtSollte ein Kölner Geschäftsmann auf Mallorca sterben?

Mutter und Tochter beim Prozessauftakt mit ihren Anwälten Nicolas A. Frühsorger, Dominik Weiß und Abdou A. Gabbar (v. l.) im Kölner Landgericht
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Es klingt wie das Drehbuch eines schlechten Krimis, was seit Dienstag vor dem Kölner Landgericht verhandelt wird: Mutter (62) und Tochter (36) sollen den gemeinsamen Plan geschmiedet haben, sich ihres in Ungnade gefallenen Schwiegersohnes und Ehemannes „zu entledigen“ – so formulierte es Staatsanwalt Kevin Klein beim Prozessauftakt in Saal 7 des Justizgebäudes. Laut Anklage sollen die beiden Frauen für einen Auftragsmord einen Pizzabäcker um Hilfe gebeten haben. Die „Zielperson“, ein Kölner Geschäftsmann, habe sich zu dem Zeitpunkt auf der Ferieninsel Mallorca aufgehalten.
Köln: Mutter und Tochter gemeinsam auf der Anklagebank
Schwarzer Hosenanzug mit weißer Bluse, die braunen Haare zum Zopf nach hinten gebunden, der Gesichtsausdruck starr, so setzte sich die 36-jährige Angeklagte zwischen ihre Verteidiger Abdou A. Gabbar und Dominik Weiß auf die Anklagebank. Eine Wachtmeisterin hatten die Angeklagte in den Saal geführt, sie sitzt seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft. So auch ihre Mutter, die nach Betreten des Saals und beim Anblick der Tochter die Contenance verlor und in Tränen ausbrach. Anwalt Nicolas A. Frühsorger reichte seiner Mandantin ein Taschentuch und sprach beruhigend auf die 62-Jährige ein.
Andauernde Trennungs- und Sorgerechtsstreitigkeiten, so heißt es in der Anklageschrift, sollen im vergangenen September zu dem gemeinsamen Mordplan von Mutter und Tochter geführt haben. Im Zentrum des Streits stand laut den Ermittlern der fünfjährige Sohn der 36-jährigen Beschuldigten und ihres Ex-Partners. Der Kölner Firmeninhaber hatte sich zu diesem Zeitpunkt in seinem Ferienhaus auf Mallorca aufgehalten – und auch die Schwiegermutter residierte damals auf der spanischen Insel. Die 36-jährige Angeklagte hingegen verblieb mit ihrem kleinen Sohn in ihrem Zuhause in Frechen.
In enger Absprache mit der Tochter soll die 62-jährige Angeklagte dann den italienischen Koch in der Gemeinde Llucmajor im Süden der Insel angesprochen und ihm von den Mordplänen berichtet haben. Ob er „jemanden kenne“, der den Schwiegersohn gegen ein Entgelt töten könne, soll die Frau laut Anklage gefragt haben. Zum Schein sei der Mann darauf eingegangen und habe direkt 1000 Euro in bar als Anzahlung kassiert. Daraufhin habe die 62-jährige Angeklagte dem Koch Fotos von ihrem Schwiegersohn und dessen Wohnsitz auf Mallorca übersandt, heißt es in der Anklageschrift.
Kölner Geschäftsmann erstattet Anzeige nach Rückreise aus Mallorca
Zwei Tage später sei sie abermals in dem Restaurant aufgetaucht und habe dem Mann die restlichen vereinbarten 4000 Euro bezahlt und laut Anklage versichert, dass ihre Tochter und sie sich den Tod des Kölners wünschen. Die 62-Jährige habe es eilig gehabt, vor dem Hintergrund der baldigen Abreise des Schwiegersohnes zurück nach Deutschland. Der Koch habe aber zu keinem Zeitpunkt vorgehabt, sich an einem Mordkomplott zu beteiligen, heißt es in der Anklage. Kurz nach dem zweiten Besuch habe er vielmehr den Mann, der ihm als Gast aus dem Lokal bekannt war, kontaktiert und informiert.
Der Geschäftsmann reiste daraufhin nach Köln zurück und erstattete Anzeige bei der Polizei. Im Nachgang kam es zur Verhaftung seiner Ex-Frau in Deutschland und der Auslieferung der Schwiegermutter aus Spanien. Äußern wollten sich die beiden Angeklagten zum Prozessauftakt nicht. Verteidiger Gabbar sagte der Vorsitzenden Richterin, erste Angaben im Ermittlungsverfahren hätten schließlich auch „nichts gebracht“. Grundsätzlich wolle man aber zu der Sache aussagen. Auch der Anwalt der 62-Jährigen kündigte eine Einlassung seiner Mandantin für einen späteren Zeitpunkt an.
Köln: Audio- und Videoaufnahmen gelten als Beweismittel im Prozess
Richterin Sibylle Grassmann muss mit ihrer Schwurgerichtskammer nun die Frage klären, von wem die Initiative zu einem möglichen Auftragsmord ausging oder ob zunächst womöglich nur eine Abreibung für den Geschäftsmann im Raum stand. Die Ehefrau bestreitet dem Vernehmen nach einen Mordplan. Als Beweismittel gelten Audio- und Videoaufnahmen, die der italienische Koch auf Mallorca angefertigt haben soll. Laut verschiedenen Medienberichten soll die 62-jährige Angeklagte darauf geäußert haben, ihren Schwiegersohn in einem Invalidensessel oder tot sehen zu wollen.
Laut spanischen Medien soll die Schwiegermutter bei einer ersten Vernehmung auf der Insel ausgesagt haben, dem Pizzabäcker tatsächlich Geld gegeben zu haben. Damit habe sie ihm aber eine Krebstherapie finanzieren wollen. Eine spanische Zeitung zitiert den italienischen Koch hingegen so: Man habe ihm 5000 Euro dafür bezahlt, einen Mann zu töten, einen befreundeten Unternehmer. Danach habe man ihm weitere 50.000 Euro versprochen. Der Pizzabäcker soll als Zeuge in Köln aussagen. Ein Urteil in dem undurchsichtig erscheinenden Fall soll frühestens im August fallen.