Für die Session 2026/27 beantragt die Stadt eine weitere Ausnahmegenehmigung. Die genutzte Fläche soll aber kleiner werden.
Suche nach Alternativen eingestelltStadt Köln hält für Karneval an der Uniwiese fest

Jecke gehen über die Ausweichfläche auf der Uniwiese bei der Sessionseröffnung am 11.11.2025.
Copyright: Thilo Schmülgen
Die Stadt Köln will die Uniwiese in der Karnevalssession 2026/27 erneut als Ausweichfläche für das Kwartier Latäng nutzen. Gleichzeitig hat die Verwaltung die Suche nach weiteren Standorten eingestellt – obwohl der Rat sie im Juli 2025 einstimmig aufgefordert hatte, alternative Flächen „mit Nachdruck“ zu suchen und zu prüfen. Die wegen ihrer Lage in einem Landschaftsschutzgebiet umstrittene Uniwiese war erstmals am 11. November 2022 für Feiernde geöffnet worden.
Entlastung für das Kwartier Latäng
Noch Anfang 2025 hatte die Stadt angekündigt, künftig auf die Fläche verzichten zu wollen. Zur Sessionseröffnung am 11. November 2025 und während des Straßenkarnevals 2026 griff sie dennoch erneut darauf zurück. Naturschützer sowie Vertreter aus Gastronomie und Karneval hatten in den vergangenen Jahren wiederholt gefordert, Veranstaltungen an anderen Orten zu ermöglichen, um die Zülpicher Straße und das umliegende Kwartier Latäng zu entlasten.
Inzwischen verfolgt die Stadt ihr Konzept für alternative Standorte jedoch nicht weiter. Sie begründet den Kurswechsel mit rückläufigen Besucherzahlen in der zurückliegenden Session. „Das von der Stadt Köln bislang vorangetriebene Konzept für alternative Flächen wird vor diesem Hintergrund aktuell nicht weiterbetrieben“, teilt die Stadt mit. Ein zusätzlicher Feierbereich würde nach ihrer Einschätzung mehr Sicherheitspersonal binden, ohne das Kwartier Latäng entscheidend zu entlasten.
Die Uniwiese müsse daher weiterhin als Reserve für starken Andrang zur Verfügung stehen. Bei einer drohenden Überfüllung des Kwartier Latängs sollen Besucherinnen und Besucher dorthin geleitet werden können. „Das mittel- bis langfristige Ziel bleibt, die Nutzung der Uniwiese entbehrlich zu machen. Ein kurzfristiger Verzicht auf die Fläche würde jedoch aktuell ein erhebliches Risiko bergen“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Die Stadt will zudem künftig deutlich weniger Platz beanspruchen. In den ersten Jahren sei die Ausweichfläche noch stark genutzt worden, zuletzt habe das Interesse der Feiernden jedoch spürbar nachgelassen.
Zehn Meter breiter Streifen
Zur Sessionseröffnung am 11. November 2026 soll eine Teilfläche genutzt werden, die ungefähr so groß ist wie der Bereich, der während des Straßenkarnevals 2026 zur Verfügung stand. Für den Straßenkarneval 2027 plant die Stadt, links und rechts der Zülpicher Straße jeweils etwa zehn Meter breite Streifen mit Rasenschutzabdeckungen auszulegen. Bei Bedarf soll zudem ein Zugang vom Paula-Kleinmann-Weg gesichert werden. Die Verwaltung spricht insgesamt von einer „erheblichen Verkleinerung der in Anspruch genommenen Fläche“.
Damit die im Landschaftsschutzgebiet gelegene Uniwiese erneut genutzt werden darf, hat die Stadt bei der Unteren Naturschutzbehörde bereits eine Befreiung von den geltenden Schutzvorschriften beantragt. Als Begründung nennt sie die Sicherheit der Feiernden. Die Fläche solle dazu beitragen, Besucherströme bei starkem Andrang zu entzerren, eine Überfüllung des Kwartier Latängs zu verhindern und mögliche Gefahrenlagen zu vermeiden.
Auf der Uniwiese soll nicht der Charakter einer eigenständigen Veranstaltung entstehen. Weder ein Alkoholausschank noch Musik sind vorgesehen. Darüber hinaus plant die Stadt, das bereits geltende Glasverbot erneut auf den Inneren Grüngürtel auszuweiten. „Um noch mehr Schutz für die Grünflächen, Baumbestände und Tiere innerhalb des Landschaftsschutzgebietes zu gewährleisten, wird die Erweiterung des geltenden Glasverbots auf den Inneren Grüngürtel fortgesetzt“, heißt es in dem Antrag. Damit sollen auch das Umfeld und die am Aachener Weiher lebenden Wildtiere besser geschützt werden.
Kritik von Grünen und BUND
Bei den Grünen und der Naturschutzorganisation BUND stoßen die Pläne auf deutliche Kritik. „Wir lehnen das nach wie vor ab“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Christiane Martin. Sie verweist auf den einstimmigen Ratsbeschluss vom Juli 2025. Darin wurde die Verwaltung beauftragt, „mit Nachdruck alternative Flächen zu suchen und zu prüfen“. Aus Sicht Martins kommt die Stadt diesem Auftrag nicht ausreichend nach, wenn sie die Suche einstellt und weiterhin auf die Uniwiese setzt.
Auch Helmut Röscheisen, Vorstandsmitglied des BUND Köln, zeigt sich enttäuscht. „Ich verstehe nicht, warum die Stadtverwaltung immer weiter daran festhält“, sagt er. Als möglichen Alternativstandort schlägt Röscheisen das Konrad-Adenauer-Ufer in der Nähe des Hauptbahnhofs vor. Dort hatte die Stadt während der Fußball-Europameisterschaft 2024 bereits eine Fläche für ein Public Viewing eingerichtet. Nach Ansicht des BUND sollte deshalb geprüft werden, ob der Standort auch für eine alternative Karnevalsveranstaltung infrage kommt.
Der Naturschutzbeirat hatte einer Befreiung von den Schutzvorschriften im Jahr 2025 mehrheitlich zugestimmt. Fünf Mitglieder stimmten dafür, drei dagegen, vier enthielten sich. Das positive Votum war allerdings mit Auflagen verbunden. Die Ausweichfläche „durfte nicht ansatzweise den Charakter einer Veranstaltungsfläche“ haben. Außerdem forderte der Beirat einen besseren Schutz des Aachener Weihers.
Diese Vorgaben spielen auch bei dem neuen Antrag eine zentrale Rolle. Mit der Verkleinerung der Fläche, dem Verzicht auf Musik und Alkoholausschank sowie dem erweiterten Glasverbot will die Stadt die Belastungen für das Landschaftsschutzgebiet begrenzen.
