Rat entscheidet am 21. MärzStadtkonservator sieht historische Variante der Hohenzollernbrücke kritisch

Lesezeit 3 Minuten
Visualisierung der geplanten Erweiterung der Hohenzollernbrücke. Hier: Die neue Brücke für den Fuß- und Radverkehr in der historischen Form der Eisenbahnbrücke.

Für die Erweiterung der Hohenzollernbrücke will unter anderem die FDP den Wiederaufbau eines vierten Bogens, die Verwaltung bevorzugt die schlanke Bogenkonstruktion.

Die von der Stadtverwaltung vorgelegte Vorzugsvariante mit einer schlanken Bogenkonstruktion nannte Thomas Werner „klar nachvollziehbar“. Über die konkrete Ausgestaltung müsse man sich im weiteren Prozess abstimmen.

In der Debatte um die geplante Erweiterung der Hohenzollernbrücke für den Fuß- und Radverkehr hat Stadtkonservator Thomas Werner sich indirekt dagegen ausgesprochen, die neue Brücke in Form der vorhandenen Eisenbahnbrücke zu bauen. Ein Nachbau der historischen Brücke sei „keine denkmalpflegerische Forderung“, betonte Werner in einer gemeinsamen Sondersitzung des Verkehrsausschusses und der Bezirksvertretung Innenstadt.

Eine solche Brückenform sei optisch „kontraproduktiv“. Von ihr aus hätte man „einen völlig durchsiebten Blick“ auf den Dom und den Rhein, sagte Werner. Die von der Stadtverwaltung vorgelegte Vorzugsvariante mit einer schlanken Bogenkonstruktion nannte er „klar nachvollziehbar“. Über die konkrete Ausgestaltung müsse man sich im weiteren Prozess abstimmen. Alle seien sich einig, dass eine Brückenerweiterung nötig sei, so der Stadtkonservator. „Der Denkmalschutz steht für eine Brückenerweiterung. Er kann und will sie nicht verhindern, er geht sie mit.“

Für die Hohenzollernbrücke als Bauwerk im Bundesbesitz ist die Bezirksregierung die zuständige Denkmalschutzbehörde, der Stadtkonservator ist in Bezug auf den Stadtraum verantwortlich. Hierbei stehen vor allem zwei Fragen im Mittelpunkt der Debatte, die auch die gestrige Sitzung beherrschten: Wie soll die Anbindung des wachsenden Radverkehrs an die Brücke auf der linksrheinischen Seite aussehen? Und welche Grenzen werden bei einer möglichen Umgestaltung rund um den Heinrich-Böll-Platz durch das Urheberrecht der Architekten Busmann und Haberer gesetzt?

„Permanente Konflikte“ drohen

So wollte etwa Teresa De Bellis (CDU) von der Verwaltung wissen, wie es hinter der Brücke weitergehen solle, wenn dort täglich zehntausende Radfahrer über Plätze fahren, die laut den Architekten am liebsten unverändert bleiben sollen. „Wo bleiben die Fußgänger?“

Regina Börschel (SPD) sagte, die Führung des Radverkehrs in Richtung Dombauhütte müsse man zwangsläufig mitplanen, hier drohten „permanente Konflikte“. Günter Leitner (CDU) meinte, die heutige Radverkehrsführung sei rechtswidrig. „Uns fehlt ein plausibles Konzept.“ Es brauche klare Antworten. Der sachkundige Einwohner Bernd Fahlenbock bemängelte, die vorhandene Rampe hinunter zum Rhein sei mitnichten barrierefrei.

Verkehrsdezernent Ascan Egerer räumte ein, das Gesamtkonzept müsse funktionieren, „sonst hat das ja wenig Wert“. Sonja Rode, Leiterin des Amtes für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau, sagte, man sei im Gespräch mit den Urheberrechtsinhabern und versuche, „das Optimale herauszuholen“. Es gebe die Idee, an der Engstelle am Heinrich-Böll-Platz die Rundbeete aufzulösen und die Mauern zwischen den Lüftungstürmen zu entfernen, um dort die Platzfläche aufzuweiten. Das seien aber nur erste Ansätze.

Was den Bau einer möglichen neuen Rampe von der Brücke zum Rheinufer betrifft, erklärte Rode, dazu habe es erste Ideen sowie Gespräche mit dem Stadtkonservator und den Urheberrechtsinhabern gegeben. „Beide lehnen das komplett ab“. Eine 90-prozentige Förderung des 62,5 Millionen Euro teuren Projekts sei möglich, so Rode. Dafür brauche man ein Verkehrsgutachten, das den Bedarf für die Brücke nachweisen müsse und auch eine Empfehlung geben werde, wie der Fuß- und Radverkehr auf der Brücke geführt werden sollen – baulich getrennt oder gemischt.

Lukas Lorenz (SPD) forderte, die Frage der Radverkehrsanbindung erst zu lösen und dann die Brücke weiterzuplanen. Rode riet davon ab: Das koste zu viel Zeit. Egerer betonte, die Planung werde Jahre dauern. Man müsse aufpassen, dass ihr Bau zeitlich im Takt mit dem Ausbau der Radverkehrsnetze bleibe. Am 21. März entscheidet der Rat über die Fortsetzung der Planung.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren