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„Köln ist ein mutiges Publikum“Neues Talk-Format gibt Einblicke in Bühnen-Historie

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Bei „Hinter den Schlagzeilen“ berichten Reporter über ihre Arbeit. Intendant Kay Voges erzählt, was er sich für die Spielzeit vorgenommen hat.

Zwischen großer Freude und großem Frust bewegte sich der Auftakt zur neuen Talk-Reihe „Hinter den Schlagzeilen“ von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnischer Rundschau“ gewissermaßen zwangsläufig. Im Kleinen Haus des Schauspiels ging es um die Bühnen: um Begeisterung über die Rückkehr einerseits und Verzögerungen und Kostensteigerungen andererseits. Kaum ein anderes Thema in Köln dürfte derartig viele Schlagzeilen produziert haben wie die Baustelle auf dem Offenbachplatz. Zur Premiere des Talk-Formats machten Matthias Hendorf, Chefreporter, und Christian Hümmeler, stellvertretender Chefredakteur, vor 140 Leserinnen und Lesern ihre journalistische Arbeit sichtbar und erlebbar.

Woher Reporter ihre Informationen bekommen, fragten die Moderatorinnen, die stellvertretende Chefredakteurin Sarah Brasack und die Kultur-Ressortleiterin Anne Burgmer ihre Kollegen. „Es gab von Zeit zu Zeit Berichte von der Baustelle mit einem Ampelsystem – da gab es schon relativ viele Rotphasen“, sagte Hendorf. Die seien aber nur „begrenzt aussagekräftig“ gewesen. „Wir haben uns immer gefragt: Wie läuft es jetzt wirklich auf der Baustelle?“, sagte Hendorf. Und: „Manchmal lag etwas im Briefkasten, so wie man sich das in den Filmen vorstellt. Bestimmte interne Dokumente, da musste man dann abklären, ob die stimmen. Und sie stimmten.“

So arbeitet ein Reporter

Zu einer, wie Christian Hümmeler sagte, „legendären Pressekonferenz“ kam es vor elf Jahren nach Anfragen von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Kölnischen Rundschau“. Die Stadtspitze bestätigte erstmals die massiven Probleme auf der Baustelle. Und die damalige Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach sagte den Satz, der laut Hendorf das Bühnendebakel prägen sollte: „Ich habe hier nicht den Oberverantwortungshut auf.“ In den Anfangsjahren, so Hendorf, sei das Projekt so angelegt gewesen, dass sich niemand für sein Gelingen vollends zuständig fühlte.

Zur Premiere der Veranstaltungsreihe „Hinter den Kulissen“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“ saß unter anderem Schauspielintendant Kay Voges (Mikro) auf dem Podium.

Zur Premiere der Veranstaltungsreihe „Hinter den Kulissen“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“ saßen unter anderem Schauspielintendant Kay Voges (Mikro) und Chefdramaturg Alexander Kerlin auf dem Podium.

Hümmeler stellte gleichwohl fest: „Köln hat eine Oper und ein Schauspiel. Und das ist ein Grund zur Freude.“ Hätte Köln damals nicht angefangen, wäre es heute genauso wie in Düsseldorf oder Bonn: Die Stadt würde die Häuser nicht mehr sanieren. „Wir hatten Glück, es war noch vieles da. Es war verborgen hinter weißer Farbe. Hinter Rigipswänden. So ist das wieder ein Originalbau aus den 50er, einer, der ganz toll zu Köln passt.“

14 Jahre nach Schließung der Bühnen am Offenbachplatz sind das Schauspiel aus dem Depot in Mülheim und die Oper aus dem Staatenhaus in Deutz in diesem Sommer wieder zurück in die Stadtmitte gezogen. Die Redaktion begleitete den größten Umzug Kölns mit einer eigenen Serie. Auf der Bühne am Dienstag berichteten Nadine Bolz, Technische Direktorin des Kölner Schauspiels, und Brigitte Pichler, Leiterin der Requisite, noch einmal von ihren Erfahrungen aus der Zeit des Übergangs.

Druck auf Kölner Bühnen-Mitarbeiter war hoch

„Der Druck war schon hoch: Das muss jetzt klappen“, sagte Bolz.  Für Pichler, die schon vor 14 Jahren am Offenbachplatz gearbeitet hatte, sei die Rückkehr „sehr emotional“ gewesen: „Lang ersehnt, kaum erhofft“. Noch seien längst nicht alle Umzugskisten ausgepackt: „Wir suchen dauernd, aber wir finden auch täglich.“ Pichler bat die Kölnerinnen und Kölner um Verständnis: „Wir haben dieses Haus zwar jetzt bezogen, aber wir müssen es erst peu à peu zu unserem machen. Und es passiert immer noch die eine oder andere Panne.“ Und Bolz ergänzte: „Dieser in den vergangenen Jahren tote Ort Offenbachplatz muss auch aus meiner Sicht als Bürgerin dieser Stadt jetzt wiederbelebt werden.“

Am ersten Wochenende im neuen Zuhause stemmte das Team gleich drei Premieren, die Proben dafür fanden über den Sommer auf der Baustelle statt. Wie skurril eine der letzten war, schilderte Schauspielintendant Kay Voges bei dem Talk: „Wir versuchen, einmal ohne Fehler durch ein Stück zu kommen, da läuft plötzlich ein Sicherheitsbeauftragter über die Bühne und guckt sich an, was die Schauspieler machen, und dann kommen auch noch zehn Feuerwehrmänner mitten in die Probe! Das war wirklich stressig.“ Von Bohrer-Lärm oder Staubsauger-Geräuschkulisse ganz zu schweigen.

Nachdem es in der Woche vor der Premiere kurz aussah, als könnten Technikprobleme die Eröffnung gefährden, läuft es laut Voges am Schauspiel jetzt besser. Dass die Klimaanlage im Kleinen Haus spürbar noch nicht arbeitet, wie sie soll, gerät da eher zur Petitesse. „Ich verspreche Ihnen, wir sind jeden Tag dran“, versicherte Voges dem schwitzenden und fächelnden Publikum.

Das Beste am sanierten Kölner Schauspielhaus

Das Schönste am neuen Haus? Aus Voges’ Sicht definitiv die in der Bühne verbaute Technik. „Man kann vor Scham im Boden versinken und von den Toten auferstehen und in den Himmel fahren.“ Im großen Haus des Schauspiels brauchen die Schauspielerinnen und Schauspieler wegen der hervorragenden Akustik keine Mikrofone mehr. „Ich erwarte eine Explosion der Schauspielkunst“, sagte Chefdramaturg Alexander Kerlin, den Voges aus Wien mit nach Köln gebracht hatte. 

Danach gefragt, was die Kölnerinnen und Kölner als Zuschauende ausmacht, sagte Kerlin: „In Wien ist es so, da musst du eigentlich tot sein, damit die Leute dich mögen. Die Wiener lieben das Theater, aber sie mögen die Leute nicht so richtig, die das machen. Hier in Köln mögen sie  durchaus lebende Menschen.“ Er habe den Eindruck, dass hier respektiert werde, wie hart am Theater gearbeitet werde. Auch wenn nicht alles sofort immer ankommt.

Voges ergänzte: „Köln ist ein mutiges Publikum. Ein neugieriges, ein verstehen wollendes Publikum.“ Für seine erste Spielzeit am Offenbachplatz hat er sich etwas vorgenommen: „Ich will eine Atmosphäre schaffen, in der die Künstler angstfrei unspießiges Theater machen können.“


Nächster Abend am 23. Oktober mit Jacques Tilly

Die nächste Folge der Talk-Reihe „Hinter den Schlagzeilen“ im Kleinen Haus des Schauspiels findet am Freitag, 23. Oktober, mit Sarah Brasack und Anne Burgmer statt. Dann wird der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly über den Prozess sprechen, der in Moskau gegen ihn geführt wird. Es gibt noch wenige Karten.

Am Freitag, 20. November, gibt Ukraine-Korrespondent Vassili Golod Einblick in seine Arbeit. Der Vorverkauf startet bald. Tickets unter Ticketshop des Schauspiel Köln, Informationen unter ksta.de/redaktion.