Ein Katzenbaby wird mit Klebstoff überzogen in einem Karton gefunden. Das Tierheim Köln-Dellbrück sucht nach Antworten.
Kitten im KartonKölner Tierheim rätselt über Fundkatze – sie war voller Klebstoff

Dieses Katzenbaby wurde über und über mit Klebstoff verschmiert aufgefunden.
Copyright: Tierheim Dellbrück
Als Olivia im Tierheim Dellbrück ankommt, kann sie sich kaum bewegen. Über und über ist die kleine Katze mit Klebstoff überzogen. Es dauert Tage, bis der Kleber vollständig entfernt ist. Jetzt werden Zeuginnen und Zeugen gesucht.
Die etwa zehn Wochen alte Katze habe ein Finder am Montag (13. Juli) in Höhenhaus entdeckt, berichtet Tierheim-Sprecherin Sylvia Hemmerling unserer Redaktion – in einem Pappkarton mit Luftlöchern, neben Entsorgungscontainern. Gleich in der Nähe soll sich eine Tierarztpraxis befinden, doch die sei zu diesem Zeitpunkt geschlossen gewesen.
Katzenbaby in Köln ausgesetzt: Das Ohr klebte am Kopf fest
Das Katzenbaby ist in einem erschreckenden Zustand. Das Fell ist vom Kopf bis zu den Pfoten voller Kleber, ein Ohr klebt gar am Kopf fest. „Das übersteigt meine Vorstellungskraft“, sagt Sylvia Hemmerling. Sie hat schon viele ausgesetzte Tiere gesehen. Doch dieser Fall bleibt für sie unbegreiflich. Wie kam der Klebstoff auf die Katze? Und warum sollte sie jemand aussetzen, statt ihr zu helfen? „Ich kann mir keinen Reim darauf machen.“

Um welche Art von Kleber es sich handelte und wie die Katze damit in Berührung kam, ist noch unklar.
Copyright: Tierheim Dellbrück
Der Finder bringt das Kätzchen zum Tierheim, das wiederum übergibt das Kitten sofort der Tierarztpraxis. Dort beginnt eine mühsame Rettung. Tagelang arbeiten die Tierärztin Alice Schmatz und ihr Team daran, den Klebstoff zu entfernen. Sie reiben die Katze mit Olivenöl ein, versuchen es mit Spülmittel, baden sie mehrfach und scheren ihr Fell vorsichtig ab. Fast eine Woche dauert es, bis Olivia – benannt nach dem helfenden Öl – befreit ist.
Tierheim Dellbrück sucht nach Antworten zu Olivias Herkunft
Heute geht es dem Katzenbaby wieder gut. Es hat keine Verletzungen davongetragen und wurde auch nicht vergiftet. Für das Tierheim ist das ein kleines Wunder. „Wir sind froh, dass sie es geschafft hat“, heißt es in einem Video auf Instagram über Olivia. Die kleine Katze sei lieb und verschmust – und überhaupt nicht nachtragend.

Mittlerweile ist das Katzenbaby vom Kleber befreit worden – auch dank einiger Behandlungen mit Olivenöl, die dem Kitten den Namen Olivia einbrachten.
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Doch die wichtigste Frage bleibt offen: Wie gelangte Olivia überhaupt in diese Situation? Ob sie versehentlich mit Klebstoff in Kontakt kam oder jemand ihr das angetan hat, ist unklar. „Die ist ja bestimmt nicht selbstständig in den Karton geklettert, hat sich mit Kleber begossen und da Löcher reingemacht“, sagt eine Mitarbeiterin im Video des Tierheims. Auch um was für einen Stoff es sich handelt, weiß niemand.
Appell des Kölner Tierheims: Verantwortung übernehmen
Für das Tierheim ist das Schicksal von Olivia außergewöhnlich – das Aussetzen von Katzen dagegen nicht. Etwa eine Katze pro Woche werde in Dellbrück abgegeben oder gefunden, sagt Hemmerling. Fundtiere würden auch mit dem Tiertransport der Feuerwehr angeliefert. Wie häufig es sich dabei tatsächlich um Fundtiere handelt, ist unklar: Einige Menschen erfänden lieber eine Geschichte, um keine „dummen Fragen“ zu der Abgabe ihres Tieres beantworten zu müssen, sagt Hemmerling.
Das Tierheim hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung zu den Besitzern von Olivia – und dazu, wie das Katzenbaby in die hilflose Lage geriet. Bei Hunden gebe es nach einem Zeugenaufruf mehr Tipps, weil sie mit ihren Halterinnen oder Haltern draußen unterwegs seien. Katzen würden dagegen oft heimlich zurückgelassen oder ausgesetzt. Die Chance auf Aufklärung sei sehr gering.
Bei diesen ausgesetzten Tieren fehlen dem Tierheim aber Informationen über Verhalten, Futter oder Vorerkrankungen, die extrem wertvoll sind. Sylvia Hemmerlings Botschaft an Tierhalter ist deshalb eindeutig: Wer ein Tier nicht mehr halten kann, soll Hilfe suchen und Verantwortung übernehmen, statt es einfach zu entsorgen. „Man ist es seinem Tier schuldig.“
