Beim 40. Jubiläum der IG Neumarkt hat der Baudezernent eine politische Entscheidung über die künftige Verkehrsführung gefordert.
Schnelle UmsetzungKölner Dezernent Haack will Autoverkehr auf die Südseite des Neumarkts verlegen

So stellt sich Architekt Prof. Stephan Braunfels die Nordseite des Neumarkts künftig vor. Weitere Bäume und Café-Terrassen sollen die Aufenthaltsqualität steigern.
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Wie kann der Kölner Neumarkt zu einem Platz werden, auf dem man sich gerne aufhält? Diese Frage stand am Dienstagabend im Mittelpunkt einer Veranstaltung zum 40-jährigen Bestehen der Interessengemeinschaft (IG) Neumarkt. Baudezernent Andree Haack sprach sich dabei dafür aus, den Autoverkehr möglichst bald von der Nord- auf die Südseite des Platzes zu verlegen.
In Zukunft kein Verkehr auf Nordseite
Der Neumarkt ist Verkehrsknotenpunkt und Einkaufsstandort, zugleich aber seit Jahrzehnten ein Schwerpunkt der offenen Drogenszene und der damit verbundenen sozialen und ordnungspolitischen Probleme. Rund 200.000 Menschen sind täglich auf dem zentralen Platz unterwegs. Trotz zahlreicher Konzepte sind die künftige Verkehrsführung und die dauerhafte Gestaltung des Neumarkts weiterhin ungeklärt.
„Es ist klar, dass in Zukunft auf der Nordseite kein Verkehr mehr vorbeigeführt werden kann. Es braucht jedoch eine Lösung, wie der Verkehr in beide Richtungen im Süden gelenkt werden kann“, sagte Haack am Dienstagabend bei der Veranstaltung in der Kreissparkasse Köln.

Baudezernent Andree Haack wirbt um eine schnelle Entscheidung für den Neumarkt.
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Vorgesehen war eine solche Verkehrsführung bereits im Masterplan für die Kölner Innenstadt, den der Stadtplaner Albert Speer entwickelte und der Stadtrat 2009 beschloss. Auf dieser Grundlage griff Architekt Stephan Braunfels die Idee einer Verlagerung des Autoverkehrs auf. Sein Konzept stellte er erstmals 2022 vor. Am Dienstagabend präsentierte er den Mitgliedern der IG Neumarkt erneut seine Pläne, nach denen der nördliche Bereich in einen weitgehend autofreien und sonnigen Boulevard umgestaltet werden soll.
„Das Hauptproblem ist der Verkehr rund um den Platz“, sagte Braunfels. „Der Ost-West-Verkehr muss komplett über die Südseite laufen. Dann ist es möglich, von der Schildergasse kommend eine riesige Café-Terrasse in der Sonne bis zu St. Aposteln fortzuführen.“ Zusätzliche Bäume und gastronomische Angebote sollen dazu beitragen, dass auf der Nordseite ein zusammenhängender Aufenthaltsbereich entsteht.
Konzept bereits 2022 vorgestellt
Obwohl Braunfels sein Konzept bereits 2022 vorgestellt hatte, wurde die Verkehrsführung seitdem nicht geändert. Das hängt vor allem mit der Frage zusammen, ob die Stadtbahnstrecke auf der Ost-West-Achse in einen Tunnel verlegt oder oberirdisch ausgebaut wird. Die Stadtbahnlinien verlaufen derzeit über die Südseite des Neumarkts. Je nachdem, ob die Bahnen künftig unterirdisch oder weiterhin an der Oberfläche fahren, stehen dort unterschiedliche Flächen für Haltestellen, Autos, Fußgänger und Radfahrer zur Verfügung.

Architekt Stephan Braunfels stellt sein Konzept für den Neumarkt vor.
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Der Stadtrat hat sich im April 2025 zwar mehrheitlich für einen Tunnel ausgesprochen. Bislang ist aber unklar, ob Bund und Land das Projekt fördern werden. Verwaltung und Politik wollten über die Verkehrsführung am Neumarkt deshalb bisher erst entscheiden, wenn Klarheit über die Finanzierung der Ost-West-Achse besteht.
Auch Haack verwies darauf, dass die Verlagerung des Autoverkehrs mit der Diskussion über den Ausbau der KVB-Strecke zusammenhängt. Braunfels widersprach der Auffassung, beide Vorhaben müssten zwingend miteinander verknüpft werden. „Ich bin überzeugt, dass die Lösung vollkommen unabhängig von der KVB-Situation realisiert werden kann“, sagte er. „Wir wollen jetzt schon einen schönen Neumarkt, man muss es nur wollen. Ich glaube ohnehin nicht an den Tunnel. Im Süden ist es aber einfach möglich, die vier vorhandenen Fahrspuren für den Ost-West-Verkehr zu nutzen.“

So könnte der Autoverkehr künftig auf der Südseite des Neumarkts gebündelt werden.
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Wie diese vier Fahrspuren genau geschaffen beziehungsweise genutzt werden sollen, ist noch zu klären. Auf der Südseite stehen derzeit zwei Fahrspuren für Autos zur Verfügung. Ohne eine Verlagerung der KVB-Haltestelle würde somit nach bisherigem Stand nur jeweils eine Fahrspur pro Richtung bleiben.
Kosten und Termin wurden nicht genannt
Grundsätzlich stimmte Haack Braunfels jedoch zu. „Das lässt sich in einem überschaubaren finanziellen Rahmen umsetzen. Letztlich ist es eine Haltungsfrage. Wenn die im Rat geklärt ist, können wir in die Umsetzung kommen“, sagte der Baudezernent. Konkrete Kosten, einen Planungsauftrag oder einen Termin für den Beginn der Arbeiten nannte er nicht.
Bis zur vollständigen Umgestaltung könnte es trotz des Wunsches nach einer schnellen Entscheidung noch Jahre dauern. Wenn die IG Neumarkt in zehn Jahren ihr 50-jähriges Bestehen feiere, solle der Umbau abgeschlossen sein, versprach Haack. „Dann werden wir den Neumarkt an der Nordseite bis zur Hauskante geführt haben.“ Gemeint ist eine durchgehende Platzfläche bis zu den Gebäuden, auf der kein Autoverkehr mehr vorbeigeführt wird.
Thomas Kleefuß, Vorsitzender der IG Neumarkt, wertete Haacks Vorstoß als positives Signal. „Seit Torsten Burmester Oberbürgermeister ist, hat sich schon etwas getan. Wir müssen jetzt anpacken, im Rat die Entscheidungen treffen und mit der Gestaltung beginnen. Das wird die Kölnerinnen und Kölner begeistern“, sagte er.
Viktualienmarkt als Vorbild
Langfristig solle sich der Neumarkt nach den Vorstellungen der Interessengemeinschaft an Plätzen wie dem Münchner Viktualienmarkt oder dem Carlsplatz in Düsseldorf orientieren. „Es soll ein belebter Platz werden, der zum Verweilen einlädt, der Menschen anzieht. Ein Platz, an dem sich die Menschen wohlfühlen. Dazu wollen wir ein dauerhaftes Marktkonzept“, sagte Kleefuß. Neben Märkten und Gastronomie sollen auch kulturelle Veranstaltungen für eine regelmäßige Belebung sorgen.
Die IG Neumarkt wurde 1986 angesichts der starken Verkehrsbelastung des Platzes gegründet. Damals schlossen sich 55 Mitglieder zusammen, um Lösungen für den zentralen Verkehrsknoten zu diskutieren. Die Frage, wie aus dem Neumarkt wieder ein Platz mit höherer Aufenthaltsqualität werden kann, gehört seitdem zu den Kernthemen der Interessengemeinschaft. In den vergangenen Jahren wurde die öffentliche Diskussion allerdings vor allem von der offenen Drogenszene, Kriminalität und Sicherheitsproblemen bestimmt.
Ernüchterndes Fazit nach 40 Jahren
Dennoch halten die Mitglieder der IG an ihrer Vision für den Platz fest. Gründungsmitglied Henrik Hanstein zog nach vier Jahrzehnten allerdings ein ernüchterndes Fazit: „Nach 40 Jahren bin ich frustriert. Der Neumarkt ist eine Zumutung für meine Augen, ein scheußlicher Platz. Die Stadt ist verlottert.“
Unabhängig von einer möglichen Verlagerung des Autoverkehrs soll sich die Situation am Neumarkt bereits in den kommenden Jahren verbessern. Die im Sommer neu gegründete Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Neumarkt will innerhalb von fünf Jahren rund 2,5 Millionen Euro investieren.
Ob aus dem Neumarkt tatsächlich der von der IG Neumarkt gewünschte belebte Stadtplatz entsteht, hängt vor allem davon ab, ob Politik und Verwaltung die seit Jahren diskutierte Verkehrsführung beschließen – und wie sie die Flächen auf der Südseite künftig zwischen Stadtbahn, Autos, Fußgängern und Radfahrern aufteilen.
