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Kommentar

Schließung des RGM
Köln verspielt seinen Ruf als Kulturstadt mit 2000-jähriger Geschichte

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Das Römisch-Germanische Museum am Kölner Dom wird derzeit saniert..

Das Römisch-Germanische Museum am Kölner Dom wird derzeit saniert.

Die Ratsmehrheit opfert den wichtigsten Ausstellungsort der Antike einem vergleichsweise geringen Spareffekt, sagt unser Autor.

Um eine für die Kölner Innenstadt vergleichsweise günstige Miete zu sparen, schwächen Grüne, CDU und SPD das römische Erbe der Stadt erheblich. Mit der Schließung des Römisch-Germanischen Museums im Belgischen Haus geht vorerst ein Teil der Identität Kölns verloren. Generationen von Schulkindern aus Köln und der Region haben dort erfahren, wo die historischen Wurzeln ihrer Heimat liegen. Das RGM ist nicht nur ein Museum, sondern ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses einer fast 2000 Jahre alten Stadt.

Weltweit bedeutende Sammlung

Hinzu kommt, dass das Museum über herausragende und wissenschaftlich bedeutende Exponate verfügt, um die Köln von vielen anderen Städten beneidet wird. Dazu gehört die weltweit größte Sammlung römischer und fränkischer Glasgefäße. Eines ihrer Prunkstücke ist das Köln-Braunsfelder Diatretglas – ein weltweit einzigartiger spätrömischer Glasbecher, für den Menschen gezielt nach Köln kommen. Solche Schätze der Öffentlichkeit für bis zu drei Jahre zu entziehen, ist nicht nachvollziehbar.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Interim aufgebaut und über Jahre betrieben haben, muss diese Entscheidung wie eine Geringschätzung ihrer Arbeit wirken, zumal sie von den Plänen vorab nichts erfuhren. Ausgerechnet die Besucherzahlen zum Maßstab zu machen, ist absurd. Der kleinere Interimsstandort in der Nähe des Neumarkts besitzt weder die Sichtbarkeit noch die touristische Anziehungskraft des Stammhauses unmittelbar neben dem Dom. Dass dort deutlich weniger Menschen gezählt werden, ist deshalb keine Überraschung – und kein überzeugender Grund, das Angebot vollständig einzustellen. Dennoch verzeichnet das RGM dort in etwa so viele Besucher wie das Kölnische Stadtmuseum, das im ehemaligen Modehaus Sauer über einen deutlich besseren und teureren Standort verfügt.

Eine bis zu dreijährige Schließung des RGM wäre weniger schmerzhaft, wenn die Stadt Köln mit ihrem römischen Erbe insgesamt besser umgehen würde. Dieses fristet allerdings bereits seit vielen Jahren ein trauriges Dasein. Das Prätorium, der römische Statthalterpalast, ist ebenso geschlossen wie der begehbare römische Abwasserkanal unter der Großen Budengasse und das römische Hafentor am Kurt-Hackenberg-Platz. Wer erleben will, wie eine Stadt ihre römische Vergangenheit würdevoll und selbstbewusst präsentiert, muss derzeit nach Trier fahren.

Dass die Parteien, die jetzt den einzigen öffentlich zugänglichen Museumsort zum römischen Köln schließen wollen, zugleich im Jahr 2050 das 2000-jährige Bestehen der Stadt feiern möchten, ist ein Treppenwitz der Kölner Kulturpolitik.