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ExtremwetterWas das Niedrigwasser im Rhein mit den Lachsen macht

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Ein springender Lachs beim Aufstieg in die Sieg.

Ein springender Lachs beim Aufstieg in die Sieg am Siegwehr in Buisdorf. Im September 2026 wurden keine Lachse in der Sieg gesichtet.

Der extrem trockene Sommer wirkt sich auf die Fortpflanzung der Lachse im Rhein aus.

Das seit Monaten anhaltende Niedrigwasser im Rhein und seinen Nebenflüssen hat erhebliche Folgen für das Ökosystem der Fließgewässer. „Die Lachse wandern nicht“, sagt Biologe Armin Nemitz vom Rheinischen Fischereiverband in Siegburg. Normalerweise würden Lachse von September bis November vom Rhein in die Sieg aufsteigen, um dort zu laichen. „Dieses Jahr haben wir im September an unserer Zählstation an der Sieg keinen einzigen Lachs gesehen“, betont Nemitz. Grund seien der niedrige Wasserstand und die noch zu hohen Temperaturen. „Die Lachse und andere Wanderfische brauchen höhere Abflüsse, also steigende Wassermengen, als Signal, damit sie instinktiv den Weg flussaufwärts antreten. Dieser Trigger fehlt bisher.“

In den Laichgewässern des Lachses gebe es flache Abschnitte mit vielen Steinen und Kies, die die Fische bei Niedrigwasser nur sehr schlecht passieren könnten. „Deshalb warten sie, bis genug Wasser im Fluss ist, bevor sie losziehen.“ Hinzu komme, dass es kälteliebenden Arten wie dem Lachs derzeit zu warm sei. „Sie fühlen sich zu dieser Jahreszeit bei Temperaturen unter zwölf Grad am wohlsten.“ Die Sieg hat aktuell knapp 16 Grad, der Rhein rund 19 Grad.

Die Situation am Rhein werde durch mehrere Faktoren verschärft, erläutert der Fischereibiologe. „Die vergangenen Dürre- und Hitzejahre haben die Grundwasserbestände reduziert, die Wasserentnahme durch den Menschen nimmt zu, und aus den Alpen fließt weniger Schmelzwasser nach. Und dann kommen noch die trockenen Wetterbedingungen und hohen Temperaturen des Jahres 2026 dazu.“ Die Folge seien niedrige Pegel, hohe Wassertemperaturen, geringerer Sauerstoffgehalt und erhöhte Schadstoffkonzentrationen in den Flüssen aufgrund der geringeren Verdünnung der Abwassereinleitungen. All das schade Wanderfischen wie Lachs und Maifisch, aber auch heimischen Arten wie Äsche und Forelle. „Man kann jetzt schon von einem geschädigten Jahrgang sprechen“, sagt Nemitz.

Wenn im Herbst zu wenig Regen fällt, laichen die Lachse an ungünstigen Stellen

Noch sei aber nicht alles verloren. „Die Hauptmonate für die Lachswanderung an der Sieg und ihren Nebenflüssen sind Oktober und November. Wir brauchen jetzt dringend viel Regen, damit die Pegel wieder ansteigen.“ Aktuell liegt der Pegel der Sieg an der Messstation in Siegburg-Kaldauen bei rund 40 Zentimetern. „Ideal wäre ein Anstieg auf 60 bis 90 Zentimeter, damit die Lachse die Sieg hinaufwandern können“, erläutert Nemitz. In guten Jahren habe man an der Zählstation am Siegwehr in St. Augustin-Buisdorf bis zu 450 Lachse registriert, im Schnitt seien es jährlich rund 250. „In den vergangenen Jahren haben wir aber teils weniger als 100 Lachse gezählt. Das deutet darauf hin, dass die Bestände abgenommen haben.“ 

Ein Lachs schwimmt nach seiner Registrierung am Siegwehr in einem Aquarium.

Ein Lachs schwimmt nach seiner Registrierung am Siegwehr in einem Aquarium.

Sollte es in den nächsten zwei Monaten nicht genug Niederschlag geben, würden die Lachse auf den Aufstieg verzichten und stattdessen an eher ungünstigen Stellen laichen. „Das schränkt die Erfolgsaussichten der Jungfische erheblich ein.“ Doch auch solche schlechten Jahre könne die Natur ausgleichen, wenn sich die Lage wieder bessere, weiß der Biologe. „Zum Beispiel können männliche Jungfische frühreif werden und sind dann in der Lage, die Eier zugewanderter Weibchen zu befruchten. Das sorgt für eine ausreichende Vermehrung, selbst in Jahren, in denen weniger männliche Lachse die Sieg hinaufwandern.“

Auch an der Mündung der Mosel in den Rhein sind im September keine Lachse gesichtet worden. „Der Einstieg in die Fischaufstiegsanlage in Koblenz ist durch das extreme Niedrigwasser des Rheins derzeit stark eingeschränkt“, erläutert Biologe Matthias Scholten von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Zwar könnten Lachse springen und so Hindernisse im Fluss überwinden. Doch momentan sei das an der Moselmündung wegen des geringen Wasserstands einfach zu schwierig für die Fische, sie würden daher abwarten.

Noch ist es nicht zu spät für die Lachse

Auch der Zugang zu kleineren Nebenflüssen des Rheins wie der Wisper im Taunus – eigentlich ideale Laichgewässer – sei den Lachsen derzeit durch das Niedrigwasser versperrt. Sollte die Trockenheit zu lange anhalten, würden die Lachse im Rhein notlaichen. „Dann wird der Reproduktionserfolg wahrscheinlich gering sein.“ Auch Scholten bestätigt aber, dass es noch nicht zu spät ist. „Der eigentliche Lachsaufstieg in die Mosel fängt in den kommenden Wochen an und hat im November bis Anfang Dezember den Höhepunkt. Wenn wir bis dahin reichlich Regen und damit deutlich höhere Wasserstände im Rhein bekommen sollten, könnte der Aufstieg in diesem Jahr noch funktionieren.“

Wie sich die veränderten Umweltbedingungen im heißen und extrem trockenen Sommer 2026 insgesamt auf die Fischfauna im Rhein ausgewirkt haben, könne man noch nicht sagen, betont Scholten. „Dafür haben wir noch zu wenige Daten. Nur so viel: Es ist kein normales Jahr.“ Für kälteliebende Arten könne 2026 ein schlechtes Jahr sein. „Aber es gibt auch Fischarten, die möglicherweise von den hohen Temperaturen und niedrigen Wasserständen profitiert haben.“