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Vor dem Ruhestand„Kritisch, engagiert, den Menschen zugewandt“ – Kardinal Woelki über Pfarrer Meurer

3 min
Gespräch Kardinal Woelki/Pfarrer Meurer in der Rahner-Akademie.
Moderator Martin Stankowski.
Köln
20150421
copyright : Michael Bause
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Kardinal Rainer Woelki (l.) bei einer Diskussion mit Pfarrer Franz Meurer in der Karl-Rahner-Akademie im Jahr 2015. (Archiv)

Kölns wohl bekanntester Geistlicher, Franz Meurer, geht in den Ruhestand und wird am 30. August mit einer Messe in St. Theodor verabschiedet.

Herr Kardinal, wie erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Franz Meurer und Ihre Erlebnisse in der Jugend?

Bereits unsere Eltern kannten sich von ihrem gemeindlichen Engagement aus der Pfarrei St. Pius in Zollstock, so dass ich Franz Meurer seit meiner Kinder- und Jugendzeit kenne. Mit seinem Bruder war ich in einer Klasse der Volksschule, mit Franz Meurer auf demselben Gymnasium in Köln-Mülheim, wo er als einer der besten Schüler bekannt war. In unserer Heimatgemeinde Bruder Klaus hat Franz Meurer über lange Zeit hinweg unsere Pfarrjugend geleitet. Schon damals habe ich ihn als äußerst engagiert und kreativ erlebt. Er ist ein wahres Organisationsgenie, ausgestattet mit einer großen instrumentellen wie kognitiven Intelligenz. War eine von ihm organisierte Veranstaltung noch „am Laufen“, nahm er daran nicht unbedingt teil, sondern saß nicht selten bereits in einem benachbarten Gruppenraum unseres Pfarrsaals und versuchte, seine nächsten Ideen umzusetzen.

Wie haben Sie Meurer in seiner Arbeit als Pfarrer in Vingst/Höhenberg wahrgenommen?

Franz Meurer ist ein leidenschaftlicher Seelsorger, mit einem großen und weiten Herzen für die Menschen, insbesondere für die Ärmsten und Schwächsten unserer Gesellschaft. Für ihn ist Kirche dort lebendig, wo sie den Menschen konkret dient. In Stadtteilen wie Vingst und Höhenberg, die oft als „Problemviertel“ bezeichnet werden, hat er durch seinen priesterlichen Dienst etwas von der Barmherzigkeit und Nähe Gottes aufleuchten lassen, mitten in Armut, Perspektivlosigkeit und Ausgrenzung. Sein unermüdlicher Einsatz für Kinder, Familien und Benachteiligte – sichtbar in Kleiderkammern, Lebensmittelausgaben, im Ferienprojekt Höviland sowie vielen anderen sozialen und Bildungsprojekten – hat er Menschen eine neue Perspektive für ihr Leben eröffnet, etwa durch die Möglichkeit, einen Gabelstapler-Führerschein zu machen. Denn, so ein Wort von ihm: „Wo es arm ist, darf es nicht ärmlich sein.“ Bei all seinem Engagement ist Franz Meurer selbst aber immer ein Intellektueller geblieben, äußerst belesen und kompetent in den verschiedensten Wissensgebieten.

Wie haben Sie Meurers Aktionen und Aussagen erlebt, mit denen er die Amtskirche herausgefordert hat – etwa beim Thema Sexualmoral oder mit Kritik an Ihrer Amtsführung bei der Aufarbeitung von Missbrauch?

Wenn Sie schon das Wort von der „Amtskirche“ bemühen, dann sollte Ihnen bewusst sein, dass Franz Meurer als Priester Teil dieser „Amtskirche“ ist. Nur weil ihm durch die Priesterweihe ein Amt in dieser Kirche übertragen wurde, konnte er sich letztendlich so für die Menschen einsetzen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das kirchliche Amt übrigens dezidiert als ein Dienstamt beschrieben und verstanden. Wem also in der Kirche ein Amt übertragen wird, der ist zum Dienst, zum Dienen berufen, und seine Aufgabe ist es, durch seinen Dienst den Dienst Gottes an uns Menschen zu vollziehen. Weil Gott selbst ein Herz für die Schwachen und Armen hat, konnte Franz Meurer dies auf seine Weise leben und erfahrbar machen. Denn Gottes- und Nächstenliebe sind die beiden Seiten ein und derselben Medaille. Und dort, wo wir unterschiedlicher Auffassung waren, haben wir miteinander gesprochen und sind uns dabei respektvoll und mitbrüderlich begegnet.

Wie kam es, dass Sie Meurer beim Pastoralen Zukunftsweg 2018 zum Leiter des Arbeitsfeldes „Geistlicher Klimawandel und Vertrauensaufbau“ gemacht haben?

Unser sogenannter Zukunftsweg war ein pastoraler Prozess der gesamten Diözese. Insofern haben sich in allen Arbeitsfeldern unseres Zukunftsweges ganz verschiedene Menschen mit ihren je unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen eingebracht, um das Gesamt unserer Diözese in ihrer Vielfalt abzubilden. Franz Meurer war einer davon.

Wie würden Sie sein Wirken in wenigen Sätzen beschreiben?

Als einen kritischen Geist, als engagiert, den Menschen zugewandt, gläubig und persönlich fromm – so habe ich das Wirken von Franz Meurer erlebt. Und dafür bin ich ihm dankbar.

Die Fragen stellte Uli Kreikebaum.