Abo

Ringen um richtige LösungEntscheidung über Deutschlandticket für Kölner Schulkinder steht noch aus

4 min
Das Deutschlandticket.

Mit dem Deutschlandticket sind Passagiere bundesweit mobil im Nah- und Regionalverkehr. 

Warum können Schülerinnen und Schüler in Köln noch nicht für 29 Euro das Deutschlandticket nutzen? Der Schuldezernent erläuterte die Gründe. 

Immer noch ist unklar, ob es für die Kölner Schülerinnen und Schüler an städtischen Schulen ein Deutschlandticket geben wird. Bei einer lebhaften Diskussion im Schulausschuss wurde klar, dass es sowohl dafür als auch dagegen Argumente gibt. Klar ist, dass die Verwaltung bis zum kommenden Ausschuss am 18. September einen Vorschlag machen und dem Schulausschuss vorlegen wird.

Wie berichtet, gibt es die Möglichkeit, dass Schüler in NRW für einen Preis von 29 Euro ein Deutschlandticket als Schülerticket erwerben. Während andere Kommunen ihre Schülertickets umgestellt haben, ist das in Köln noch nicht passiert. Als Grund nannte Schuldezernent Robert Voigtsberger den bisherigen Preis für das Schülerticket in Köln. „Wir sind in Köln seit Jahren deutlich günstiger als andere Kommunen“, so Voigtsberger.

Mehrkosten von 44 Euro pro Familie im Jahr

So müssen hier Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen für ein Schülerticket 25,30 Euro zahlen. Dafür können sie nach 19 Uhr ein Fahrrad mitnehmen und am Wochenende eine weitere Person. Das Deutschlandticket für 29 Euro lässt das nicht zu. Es bedeutet zudem pro Familie eine Mehrbelastung von 44 Euro im Jahr. Dieser Preis bezieht sich auf die rund 38.500 Abonnenten von regulären Schülertickets.

Wer Freifahrt berechtigt ist, weil der Schulweg zu weit ist, zahlt derzeit 14 Euro Eigenanteil. Davon sind rund 16.500 Schülerinnen und Schüler betroffen. Für sie würde sich bei der Einführung des Deutschlandtickets nichts ändern. Die Stadt müsste die Differenz zahlen. Umgestellt auf das Deutschlandticket hat die Stadt bereits größtenteils das Prima-Ticket für Grundschüler. Es hatte einen Preis von 74,90 Euro.

„Ich möchte die Attraktivität des Deutschlandtickets nicht kleinreden“, sagte Voigtsberger. Es seien jedoch viele Faktoren abzuwägen. Falls die Stadt beispielsweise das Fahrrad-Mitnahme-Abo beim Deutschlandticket dazu buche, kämen Mehrkosten von 25,7 Millionen Euro auf die Stadt zu. Sollte die Stadt die Differenz zwischen derzeitigem Schülerticket und Deutschlandticket ausgleichen, müsste sie 1,7 Millionen Euro jährlich ausgeben.

Argumente pro und contra

„Ein Fahrrad mitzunehmen, ist für viele wichtig“, stellte Oliver Seeck (SPD) fest. „Wir finden das bisherige Kölner Modell gut“, stellte Heiner Kockerbeck (Linke) fest. „Die Preiserhöhung würde auch eine krasse Leistungserhöhung mit sich bringen“, argumentierte Maria Westphal, die für die FDP als sachkundige Einwohnerin im Ausschuss ist. Bärbel Hölzing (Grüne) führte an, dass es „viele Ersatzschulen geschafft“ hätten, das Deutschlandticket einzuführen.

Tatsache ist, dass beispielsweise alle Schulen des Erzbistums Köln auf dieses Ticket umgestellt haben. In Köln sind davon sieben Schulen mit rund 4.900 Schülerinnen und Schülern betroffen.

Individuelle Wahl ist nicht möglich

„Es ist keine individuelle Wahlfreiheit pro Kind erlaubt“, stellte der Schuldezernent mit Blick auf die Erlasslage klar. Demnach gehe es „um eine gute Entscheidung für alle Kölner Kinder“. Welche Meinung Schüler und ihre Eltern zum Thema Deutschlandticket haben, ist noch unklar. „Wir haben noch kein klares Meinungsbild“, sagte Nathalie Binz, Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft. In einer Umfrage will die Stadtschulpflegschaft nun möglicherweise herausfinden, wie Eltern und Schüler zu dem Ticket stehen.


Sanierung und teilweise Neubau von drei Schulen

Die Gesamtschule Holweide, die Kaiserin-Theophanu-Schule in Kalk und die Heinrich-Böll-Gesamtschule in Chorweiler sollen saniert und zumindest teilweise neu gebaut werden.

Die Kosten für die drei Maßnahmen werden derzeit auf rund 691 Millionen Euro geschätzt. Ziel ist, dass die Maßnahmen innerhalb von fünf bis sieben Jahren abgeschlossen sind. Deshalb sollen Total- oder Generalunternehmen gefunden werden, die dafür sorgen, dass die Bauzeit möglichst kurz gehalten wird.

Die Heinrich-Böll-Gesamtschule, die ebenso wie die zugehörige 6-fach Sporthalle 1974 errichtet wurde, soll abgerissen und komplett neu gebaut werden. Für die derzeit rund 1.700 Schülerinnen und Schüler muss ein Interimsbau entstehen. Zur Sicherstellung des Sportunterrichtes ist geplant, vor Beginn der Abbrucharbeiten eine Interimssporthalle an einem Standort außerhalb des Schulgrundstücks zu errichten. Derzeit wird geprüft, ob dies am Standort Netzestraße realisierbar ist.

Bei der Gesamtschule Holweide, die rund 1.900 Plätze hat, soll geprüft werden, ob eine Generalsanierung, ein Abbruch oder ein Teilabbruch am günstigsten ist. Die Schule stammt größtenteils aus dem Jahr 1974.

Am Kalker Gymnasium wird geprüft, ob die nicht denkmalgeschützten Gebäude abgebrochen oder saniert werden sollen. Hier werden rund 600 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der älteste Gebäudetrakt wurde 1928 errichtet.

Der Rat soll am 7. September über das „Beschleunigungspaket“ entscheiden.