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Konzert-Kalender der Lanxess-Arena„Ein Künstler muss nicht mehr zwangsläufig jedem ein Begriff sein, um eine Arena zu füllen“

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Die Lanxess-Arena wird in Zukunft vermehrt zum Treffpunkt ganz unterschiedlicher Communites.

Die Lanxess-Arena wird in Zukunft vermehrt zum Treffpunkt ganz unterschiedlicher Communites.

Die Mechanismen, wie ein Künstler zum Arena-Künstler wird, haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Das ist auch in der Lanxess-Arena zu spüren. 

Ein Montagnachmittag im Februar 2025: Vor der Lanxess Arena haben einige hartgesottene Fans ihre Klappstühle ausgepackt, daneben liegen wärmende Decken und Schlafsäcke für die anstehende Nacht bereit. Die Fans kommen aus ganz Europa – und sie warten auf den Einlass zur Show von Ateez am nächsten Tag. Vielen Deutschen dürfte die südkoreanische Boygroup kein Begriff sein. Im deutschen Radio oder Fernsehen findet die achtköpfige Formation so gut wie gar nicht statt. Und dennoch erreicht sie über die sozialen Medien ein Millionenpublikum. Über 11 Millionen Fans zählt die Band auf Instagram, 9,5 Millionen sind es auf TikTok. Und sie füllt ohne Probleme Arenen auf der ganzen Welt. Innerhalb von drei Stunden war das Kölner Konzert ausverkauft.

Fans der K-Pop-Band Ateez warten 2025 auf den Einlass in die Lanxess-Arena.

Fans der K-Pop-Band Ateez warten 2025 auf den Einlass in die Lanxess-Arena.

Die K-Pop-Band Ateez.

Die K-Pop-Band Ateez.

Der Auftritt der Südkoreaner in der Lanxess-Arena steht stellvertretend für eine Entwicklung, die sich im Veranstaltungskalender der Multifunktionshalle in Deutz immer deutlicher widerspiegelt. Immer häufiger finden sich dort Künstler, die im Mainstream weitestgehend unbekannt sind. Ein Auszug aus dem Arena-Kalender zum Selbsttest: Aymen & Amo, Romeo Santos & Prince Royce, Milano, Jazeek, Dardan oder Blok3. Allesamt Stars in ihren Zielgruppen, in der breiten Öffentlichkeit aber nur wenig bekannt. „Ein Künstler muss nicht mehr zwangsläufig jedem ein Begriff sein, um eine Arena zu füllen“, sagt auch Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher. 

Der Deutschrapper Jazeek.

Der Deutschrapper Jazeek tritt am 19. September in der Lanxess-Arena auf.

Das liegt vor allem daran, dass sich die Mechanismen geändert haben, wie ein Künstler zum Arena-Künstler wird. „Früher verlief eine Karriere oft klassisch über mehrere Stufen – vom Club über das Theater bis hin zur großen Halle“, sagt Löcher. Wer keinen Plattenvertrag hatte, kam nur schwer ins Radio, wer nicht im Radio war, hatte es schwerer, Alben zu verkaufen. Und wer keine Alben verkaufte, bekam keine Halle. So einfach war das oft. Heute, sagt Löcher, könnten Künstler sich innerhalb kürzester Zeit enorme Reichweiten aufbauen, „weil sich Musik und Community parallel über Streaming-Plattformen und Social Media entwickeln“.

K-Pop-Girlgroup Twice: London, Paris, Barcelona - und Köln

Je nach Genre funktioniert das unterschiedlich. In der weltweit boomenden Sparte des K-Pop reisen Fans zu den wenigen Konzerten aus ganz Europa an. Diese seien „extrem organisiert und investieren sehr viel Zeit und Energie“, sagt Löcher. In diesem Jahr geht die koreanische Girlgroup Twice erstmals auf Europatour. Auf dem Plan stehen Shows in London, Paris, Berlin, Barcelona, Lissabon – und Köln. Bis auf einige Premium-Plätze mit Preisen über 200 Euro ist das Konzert in der Lanxess-Arena längst ausverkauft.

Blok3, bürgerlich Hakan Aydın, ist ein türkischer Rapper.

Blok3, bürgerlich Hakan Aydın, ist ein türkischer Rapper.

Ganz anders funktioniert die Deutschrap-Szene. Fanbindung entstehe dort sehr „direkt und schnell“, sagt Löcher. Ein viraler Song oder die Zusammenarbeit mit einem bekannten Vertreter der Szene kann einen Künstler dort schnell bekannt machen und so viel Bindung erzeugen, dass Menschen Konzert-Tickets kaufen. Wenn die Künstler die Konzerte in den sozialen Medien ankündigen, ist eine große Marketing-Kampagne gar nicht mehr nötig, um eine Arena zu füllen.

Dass solche rasanten Aufstiege auch zu langfristigen Erfolgsgeschichten werden können, zeigt ein ganz besonderes Beispiel. Elif Akar aus Recklinghausen, besser bekannt als Ayliva, schaffte es während der Pandemie mit ihrer selbstgeschriebenen Musik, einer Mischung aus Deutschrap und Pop, von TikTok in die Charts. 2023 spielte Ayliva erstmals in der Lanxess-Arena. Im September 2025 kehrte sie zurück und trat dort viermal vor ausverkauften Rängen auf. „Als sie 2023 das erste Mal bei uns aufgetreten ist, konnten viele aus der ‚älteren‘ Generation mit dem Namen zunächst wenig anfangen. Innerhalb kürzester Zeit hat sie sich jedoch zu einer festen Größe entwickelt“, sagt Löcher.

Elif Akar, besser bekannt als Ayliva, legte einen rasanten Aufstieg in der Musik-Branche hin.

Elif Akar, besser bekannt als Ayliva, legte einen rasanten Aufstieg in der Musik-Branche hin.

Ein anderes Beispiel ist der kometenhafte Aufstieg des Deutschrappers Apache 207, der kurz vor der Pandemie seinen Hit „Roller“ landete und 2022 nach der Coronapause sein erstes Konzert überhaupt direkt in der Mannheimer SAP-Arena spielte. Kurze Zeit später war er in der Lanxess-Arena zu Gast, 2024 dann sogar doppelt. Im Januar dieses Jahres folgten vier Shows in Folge, zwei Zusatzkonzerte sind für Oktober angesetzt.

Griechische und lateinamerikanische Musik in der Lanxess-Arena

Wiederum anders funktionieren Shows, wie die von Konstantinos Argiros. Argiros ist einer der erfolgreichsten Laïkó-Sänger Griechenlands. Laïkó ist eine Mischung aus griechischer Volksmusik und Pop. Das Konzert in Köln ist in diesem Jahr das einzige in Mittel- und Westeuropa und dürfte vor allem die griechische Diaspora in Deutschland ansprechen. Das Publikum sei in dieser Community „kulturell geprägt und sehr treu“, sagt Löcher.

Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln sind dagegen die Hauptzielgruppe der Latin-Pop-Sänger Romeo Santos und Prince Royce, zwei Künstler mit dominikanischer Herkunft. „Am Ende sind das alles starke Communities, aber sie ticken unterschiedlich – und genau das macht es für uns so spannend“, sagt Löcher.

Der Latin-Pop-Sänger Romeo Santos tritt auch in Köln auf.

Der Latin-Pop-Sänger Romeo Santoskommt am 18. Juli nach Köln.

Die Arena werde sich in den kommenden Jahren immer mehr zu einer Plattform für genau solche Communitys entwickeln. „Für uns heißt das vor allem, dass wir Künstler heute nicht mehr so schnell vorab einordnen dürfen wie früher.“ Die Vielfalt im Veranstaltungskalender werde das in Zukunft noch stärker widerspiegeln.