Mit 1,5 Millionen Euro haben die „Freunde des Historischen Archivs der Stadt Köln“ das Stadtarchiv bereits unterstützt. Und ihre Mission geht weiter.
20 Jahre „Freunde des Stadtarchivs“Wie ein Kölner Verein hilft, Schätze der Vergangenheit zu retten

Burkhard von der Mühlen, Vorsitzender des Fördervereins „Freunde des Historischen Archivs der Stadt Köln“, im Lesesaal des Archivneubaus am Eifelwall.
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Über die Frage, was sein Lieblingsstück im Historischen Archiv der Stadt Köln ist, muss Burkhard von der Mühlen (79) nicht lange nachdenken. „Das Buch Weinsberg“, antwortet er, ohne zu zögern. Gemeint ist das mehrbändige autobiografische Werk des Kölner Ratsherrn Hermann von Weinsberg aus dem 16. Jahrhundert. Auf mehr als 7000 Seiten werden darin in sehr anschaulicher, mitunter pikanter Weise das Leben in Köln vor 400 Jahren, Ränkespiele im Kölner Rat und Streitigkeiten in der eigenen Familie beschrieben. „Das ist das pralle Leben“, betont von der Mühlen. Für ihn ist das Buch Weinsberg eines von zahllosen Beispielen dafür, welche spannenden Geschichten und kostbaren Schätze im Kölner Stadtarchiv zu finden sind.
2006 wurde der frühere Stadtdirektor und ehemalige Chef der GAG zum Vorsitzenden des neugegründeten Fördervereins „Freunde des Historischen Archivs der Stadt Köln“ gewählt. Nun feiert der Verein Jubiläum. „Wir können auf 20 erfolgreiche Jahre zurückblicken“, betont von der Mühlen. Aus Spenden und Beiträgen habe der Verein bisher rund 1,5 Millionen Euro für das Archiv aufgebracht.
Damals wie heute haben die „Freunde“ eine Mission: Das Stadtarchiv soll kein verschlossener Elfenbeinturm sein, sondern ein Bürgerarchiv, das seine Bestände der Öffentlichkeit zugänglich macht. „Mit dieser Überzeugung ist Bettina Schmidt-Czaia 2005 als neue Archivleiterin angetreten. Und damit war auch die Idee verbunden, einen Förderverein zu gründen, um in die Stadtgesellschaft hineinzuwirken“, erläutert von der Mühlen.
Köln hat das größte kommunale Archiv nördlich der Alpen
Mit der Vereinsgründung wartete man bis August 2006, weil es dann einen besonderen Anlass gab: 600 Jahre zuvor, am 19. August 1406, hatte der Kölner Stadtrat beschlossen, einen Ratsturm zu errichten, der nicht nur den ratseigenen Weinkeller, sondern auch ein „Gewölbe für die städtischen Privilegien“ enthalten sollte. Es war die Geburtsstunde des Kölner Stadtarchivs, das heute das größte kommunale Archiv nördlich der Alpen ist. „Ab dem 12. Jahrhundert wurden die städtischen Dokumente zunächst in den Häusern der einflussreichen Kölner Familien aufbewahrt. Erst nach Fertigstellung des Rathausturms 1414 für die damals gewaltige Summe von 50.000 Gulden konnte das Archivgut zentral gelagert werden“, erläutert der heutige Leiter des Stadtarchivs, Ulrich Fischer.
Von Anfang an habe der Förderverein vor allem die Öffentlichkeitsarbeit des Archivs unterstützt, um es bekannter zu machen, etwa durch Führungen und Veranstaltungen, erklärt von der Mühlen. „Das alte Archivgebäude an der Severinstraße war ein verriegelter Bau. Die Menschen in Köln wussten nicht so recht, was hinter diesen Mauern passiert.“
Archiv-Einsturz am 3. März 2009
Dann stürzte das Gebäude am 3. März 2009 im Zuge der U-Bahn-Bauarbeiten ein. „Als ich davon erfahren habe, wollte ich es erst gar nicht glauben und bin sofort zur Einsturzstelle gefahren. Das Ausmaß der Zerstörung war ein Schock für mich. Ich dachte zuerst, es ist alles verloren.“ Mitglieder des Fördervereins hätten damals bei der Bergung der Archivalien geholfen, berichtet von der Mühlen.
Schnell habe man gelernt, was alles zur Rettung der Archivgüter erforderlich war: Erstreinigung mit Wasser, Einfrieren, Gefriertrocknen und aufwendige Reinigungsprozeduren, ehe zerrissene Dokumente wieder zusammengesetzt, digitalisiert und restauriert werden konnten.

Der Neubau des Historischen Archivs und Rheinischen Bildarchivs am Eifelwall
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Lange bevor die Stadt Köln einen Vergleich mit den am U-Bahn-Bau beteiligten Baufirmen schloss und dadurch zusätzliche Mittel für die Restaurierung beschädigter Archivgüter erhielt, sorgte der Förderverein über Spenden und Patenschaften dafür, dass rund 100 besonders wertvolle Handschriften, Bücher und Urkunden zeitnah restauriert werden konnten, darunter der Kölner Verbundbrief von 1396.
Auch die Ausstattung des Archivneubaus am Eifelwall mit zeitgemäßer Veranstaltungs- und Medientechnik wurde mithilfe der „Freunde“ finanziert. Sie fördern Ausstellungen, Publikationen, Vorträge und Podiumsdiskussionen und wurden dabei von bekannten Persönlichkeiten wie Wolfgang Niedecken, Frank Schätzing und Dietmar Bär unterstützt.
Verein fördert die Ausbildung von Papierrestauratoren
„Es gibt noch viel zu tun“, betont Burkhard von der Mühlen. Dass das Historische Archiv, zu dem seit 2023 auch das Rheinische Bildarchiv gehört, inzwischen in einem schönen Neubau untergebracht ist, ändere daran nichts. „Unter anderem werden wir auch künftig die Ausbildung von Papierrestauratoren fördern.“ Die Fachkräfte sind rar und begehrt – denn es wird noch Jahrzehnte dauern, die Einsturzschäden aufzuarbeiten. Außerdem möchte der Förderverein weiterhin dazu beitragen, dass sich mehr Menschen für das Stadtarchiv und seine Schätze interessieren.
Rund 400 Mitglieder hat der Verein. Die Zahl sei seit Jahren stabil, so der Vorsitzende. „Aber wir möchten natürlich neue Mitglieder gewinnen und verstärkt die jüngere Generation ansprechen.“ Für Unternehmen beträgt der Vereinsbeitrag mindestens 100 Euro pro Jahr, bei Privatpersonen sind es 35 Euro. „Dafür erhält man Vorrang bei unseren Veranstaltungen.“
Sein 20-jähriges Bestehen feiert der Verein am Dienstag, 29. September, ab 17 Uhr bei einer Festveranstaltung in der Piazzetta des historischen Rathauses. Neben einem Grußwort des Oberbürgermeisters stehen Vorträge des Kölner Historikers Gerd Schwerhoff und der Schriftstellerin Husch Josten auf dem Programm. Für die musikalische Begleitung sorgt der Kölner Männergesangverein. Auch Nichtmitglieder sind nach vorheriger Anmeldung unter anmeldungarchiv@stadt-koeln.de oder Tel. 0221 221- 24455 willkommen.