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Ratsbeschluss vertagtWohnungswirtschaft und Stadt Köln wollen Baukosten um mehr als ein Drittel senken können

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Oberbürgermeister Torsten Burmester (v.l.), Stadtentwicklungsdezernent Andree Haack, Martina Müller (Director Development bei Bauwens) und Franka Schinkel (Leiterin Wohnungsbauleitstelle der Stadt) stellten die Ergebnisse von „Köln baut bezahlbar – Wohnen für alle“ vor.

Oberbürgermeister Torsten Burmester (v.r.), Stadtentwicklungsdezernent Andree Haack, Martina Müller (Director Development bei Bauwens) und Franka Schinkel (Leiterin Wohnungsbauleitstelle der Stadt) stellten die Ergebnisse von „Köln baut bezahlbar – Wohnen für alle“ vor.

Mit einem ersten Ratsbeschluss sollen bis zu 900 Euro pro Quadratmeter beim Wohnungsbau einsparbar sein, glauben die Prozessbeteiligten von „Köln baut bezahlbar“.

Bis zu 2700 Euro pro Quadratmeter soll der Bau von Wohnungen in Köln künftig weniger kosten. So erhofft es sich Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) zum Ende des Projekts „Köln baut bezahlbar“ – einem Dialogprozess mit 18 Ämtern aus neun Dezernaten und 80 Vertreterinnen und Vertretern der Wohnungswirtschaft. Das gemeinsame Ziel: mehr Wohnungen für Köln und das günstiger im Bau und somit bezahlbarer. Die Summe würde mehr als einem Drittel der Baukosten insgesamt entsprechen. Wie viel ein Quadratmeter Wohnfläche im Bau in Köln kostet, lässt sich nur schwer beziffern, die Prozessbeteiligten sprechen von Baukosten in Höhe von 6700 Euro pro Quadratmeter bei einem Referenzhaus. 

Bis dahin müsste allerdings noch viel passieren: Das Land müsste seine Bauordnung so ändern, wie Köln es ihm nun empfehlen will, und auch der Bund müsste seine Regelwerke überarbeiten sowie auf die Macher der DIN-Normen einwirken. Damit könnten zusammen 1000 Euro Einsparung pro Quadratmeter Wohnfläche beim Bau erzielt werden, glauben die Prozessbeteiligten. Ein Teil liegt aber auch in Kölner Hand: Bis zu 900 Euro soll der Bau einer Wohnung günstiger werden, wenn der Rat einer vor einem Monat vorgestellten Liste von 22 Änderungen bestehender Vorgaben zustimmt, auf die sich Wohnungswirtschaft und Stadtverwaltung geeinigt haben (wir berichteten).

Doch schon da hakt es. Der Rat hätte nach Wunsch von Burmester eigentlich in seiner nächsten Sitzung am 2. Juli abstimmen sollen. Der OB sagte am Donnerstag: „Ich gehe von einer schnellen Beschlussfassung aus. Wenn wir nachhaltige Effekte sichern wollen, muss dieses Paket auch in Gänze umgesetzt werden.“

Vor dem Verkehrsausschuss am Dienstag haben die Grünen Beratungsbedarf angemeldet. Damit ist klar, dass der Beschluss frühestens in der übernächsten Ratssitzung nach dem Sommer, am 2. September, fällt. Betroffene Ausschüsse beraten solch ein Thema in der Regel als Fachgremium im Vorfeld einer Ratssitzung, in der dann die finale Abstimmung stattfindet.

Mehr Wohnungen in Köln sollen den Markt entspannen

Die Frage, die auch Volt und die Linke umtreibt, lautet: Heißt preiswerter Bauen auch preiswerter Wohnen? Wie kann man sicherstellen, dass eine so gebaute Wohnung am Ende auch günstiger zu mieten ist? Andree Haack, Stadtentwicklungsdezernent, antwortet auf diese Frage: „Es gibt keine Möglichkeit, jemanden zu verpflichten.“ Burmester sagt: „Es geht darum, dass Wohnungsbau überhaupt realisiert wird.“ Wenn man die veränderten Baustandards an konkrete Mietpreissenkungen koppeln würde, sei das wieder eine verkomplizierende Regel – und die soll der Prozess ja eigentlich abbauen. Die Idee sei, dass mit einem größeren Wohnungsangebot die Mieten langfristig insgesamt sinken.

Während Verwaltung und Wohnungswirtschaft von einem „Schulterschluss“ und einer Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ reden, sendet die Vertagung im Rat, dem dritten Partner, auf den es im Prozess nun ankommt, ein gegenläufiges Signal. Die SPD wird wohl nicht gegen den Vorschlag ihres Oberbürgermeisters stimmen und auch die CDU steht hinter dem Vorhaben.

Auflagen zum Klimaschutz und zu Parkplätzen sollen sinken

Die Auflagen, die in Köln nach Willen von Verwaltung und Wohnungswirtschaft gesenkt werden sollen, betreffen vor allem den Klimaschutz, also Themen: Statt des höchsten Standards in der Energieeffizienz soll eine Stufe darunter vorgeschrieben werden – die, die das Gebäudeenergiegesetz auch vorsieht. Und statt zehn sollen dann acht Quadratmeter Grünfläche pro einziehender Person entstehen müssen.

Auch die Stellplatzverordnung wird überarbeitet. Die bisherige Liste für den Rat beinhaltet nur eine Streichung von geforderten Parkplätzen bei Studierendenwohnungen. Burmester hat aber bereits eine weitere Ratsvorlage angekündigt. Noch weitere 400 Euro sollen über veränderte Auflagen in Köln einsparbar sein. Sowie noch einmal 400 Euro über  eigene Prozessveränderungen in der Verwaltung, die keines politischen Beschlusses bedürfen. 

Vorbild ist der im Vorjahr eingeführte „Hamburg Standard“, der mit reduzierten Auflagen für Bauträger und effizienteren Verwaltungsprozessen 2000 Euro pro Quadratmeter einsparen soll. Allerdings ist der Stadtstaat im Gegensatz zu Köln mit der Macht ausgestattet, seine eigene Bauordnung zu ändern.