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Kölner Carl Duisberg Centren Ehepaar nimmt Stipendiaten aus aller Welt auf

Familienanschluss: Calvin und Chee aus Malaysia fühlen sich beim Ehepaar von Weber wohl.

Familienanschluss: Calvin und Chee aus Malaysia fühlen sich beim Ehepaar von Weber wohl.

Köln – Auch der Affe aus Malaysia gehört jetzt zur Familie. Er thront auf der weißen Sofalehne im Wohnzimmer. „Den hat uns Calvin mitgebracht!“, erzählt Cornelia von Weber und tätschelt dem Stofftier die knuddelige Nase. Calvin und Chee, beide 20, leben gerade für einige Monate beim Ehepaar, das zwei möblierte Zimmer in ihrem großen Haus stets ausländischen Gästen bereitstellt. Flaggen aus Israel und Japan, bestickte Decken aus Indien – überall finden sich Mitbringsel von den vielen Gästen aus aller Welt, die der Kölner Gastfamilie ans Herz gewachsen sind.

Die beiden Regierungsstipendiaten aus Malaysia leben im Rahmen eines Hochschulprogramms der Kölner Carl Duisberg Centren für einige Monate in Köln, verbessern intensiv die Sprachkenntnisse und lernen für eine Zulassungsprüfung, ehe sie ein Firmenpraktikum absolvieren und danach ein Fachhochschul-Studium in Deutschland beginnen können.

Rekord-Gastgeber der Carl Duisberg Centren

Aufwandsentschädigung für Gastfamilien

Der Großteil der Gäste der Kölner Carl Duisberg Centren sind Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, die aus dem Ausland kommen, um hier einen Deutschkurs zu absolvieren, dann ein Studium zu beginnen oder zu promovieren.

Die Centren mit Hauptsitz auch in Köln sind ein gemeinnütziges Dienstleistungsunternehmen auf dem Gebiet der internationalen Bildung und Qualifizierung. Sie führen unter anderem Deutschkurse für verschiedene Programme wie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, das Parlamentarische Patenschaftsprogramm mit den USA sowie auch für Privatpersonen durch.

Im vergangenen Jahr besuchten 852 Sprachschüler aus 95 Nationen die Sprachschule, rund 580 wurden vornehmlich in Kölner Gastfamilien beherbergt. Die Versorgung der Gäste wird individuell geregelt, es wird eine „angemessene Aufwandsentschädigung“ gezahlt. Besonders gefragt ist Interesse, junge Menschen beim Start in Deutschland zu unterstützen. Behördengänge werden vom Kölner Unternehmen übernommen. Im Gastgeberpool befinden sich über 500, mit 200 wird kontinuierlich zusammengearbeitet, teils seit über 20 Jahren. Weitere Informationen für Interessenten unter Telefon 0221/1626-240. (MW)

www.cdc.de

Die von Webers gehören zu den Rekord-Gastgebern der Carl Duisberg Centren. So vielen hat keiner eine Art zweites Zuhause auf Zeit in der Fremde geboten. „Wir nehmen seit 1993 Studenten auf. Wir haben selber keine eigenen Kinder. Es ist schön, wenn man nach Hause kommt und es ist Leben im Haus, man kann ab und zu gemeinsam kochen und etwas unternehmen und lernt andere Kulturen und Menschen kennen“, erläutern die ehemalige Englischlehrerin und der pensionierte Jurist.

Von Äthiopien und Brasilien, China und Ecuador bis Gabun, Irak, Korea und Weißrussland reicht die Liste der 45 Länder, aus denen die weit über 200 jungen Besucher der von Webers stammen. Kamen anfangs vor allem Europäer, danach mehr Gäste aus Russland und der Ukraine, strebten in den letzten Jahren zunehmend Japaner nach Köln und fanden im Hahnwald eine gute Unterkunft mit Familienanschluss, wenn gewünscht.

„Zu manchen entwickeln sich freundschaftliche Beziehungen, zu den meisten haben wir noch Kontakt“, erzählt das aufgeschlossene Paar. „Wir führen die Kinder gerne zusammen“, sagt Wolfram von Weber. „Wir haben es zum Beispiel geschafft, Juden und Araber an einen Tisch zu bekommen. Und wir haben schon Ehen gestiftet.“ So funkte es zwischen zwei Gästen aus Japan und Korea. „Wir schreiben uns immer noch, er ist erfolgreicher Architekt, sie Pianistin.“ Die meisten sind nach der Ausbildung in der Domstadt weitergezogen, nach London, Paris und anderswo.

Geborgenheit einer Unterkunft mit Familienanschluss

„Ich bin sehr dankbar, dass ich hier wohnen darf“, sagt Chee, „ich fühle mich hier zu Hause, sie sind meine deutschen Eltern.“ Auch Calvin schätzt die Geborgenheit einer Unterkunft mit Familienanschluss. „Die Chance bekommt nicht jeder.“ Gern steht er zum Beispiel mit Cornelia von Weber in der Küche und kocht etwas Leckeres, gern Hühnchen mit Austernsauce, „aber ich mag auch Reibekuchen!“ Weniger beliebt ist Spargel. „Das mögen nur die Deutschen“, wissen die Kölner, die gerade in Italien bei ehemaligen Stipendiaten eingeladen waren und zu einer Hochzeit in Paris.

„Wir leben hier wie in einer Wohngemeinschaft, vielleicht ein bisschen weniger unverbindlich“, sagt Cornelia von Weber. „Man lernt eine Menge dazu, zum Beispiel auch, mit neuen Techniken wie Skype Schritt zu halten!“ Neugier und Aufgeschlossenheit für fremde Kulturen müssten „Gastfamilien“ mitbringen. Wobei der Begriff die Sache nicht ganz treffend bezeichnet: Gastfamilien können Paare, Alleinstehende und WGs in Köln werden, die ein möbliertes Einzelzimmer mit Internetanschluss anbieten können, erläutert Anja Thiede von den Kölner Centren.