Sie gehören zu den Alten, doch ihre Musik ist zeitlos: Brings feierten ihr 35-jähriges Bandjubiläum mit Gästen vor dem Kölner Dom.
„För immer jung“Brings-Konzert am Kölner Dom mit Prominenten und „Glücksgefühl“-Statement

Stefan Raab spielt mit Brings am Roncalliplatz „Superjeilezick“.
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Ja, Brings gehören inzwischen zu den Alten. Drei von ihnen (Harry Alfter, Peter und Stephan Brings) sind Großväter, alle außer Keyboarder Kai Engel könnten auf Ü-60-Partys einchecken. Brings haben gesundheitliche Tiefschläge überlebt und liebe Menschen (auch aus der Crew der Band) verloren. Sänger Peter Brings hat seine frühen Exzesse nur überlebt, weil Bruder Stephan und Schlagzeuger Christian Blüm ihn immer wieder aus irgendwelchen Löchern gezogen haben. Aber Brings sind immer noch da, in alter Besetzung (geschenkt, dass Blüm ein paar Jahre später dazu kam) und nach mehr als 35 Jahren Bandgeschichte längst ein Stück Kölner Zeitgeschichte. Und damit, ohne Frage: för immer jung.

Peter (links) und Stephan Brings, in der Mitte Schlagzeuger Christian Blüm
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Was es bedeutet, wenn die Zeit stillsteht und das Alter keine Rolle spielt, wenn Lieder, Geschichten und Geschichte ineinanderfließen und aus der Mitte ein bisschen Hoffnung entspringt, haben am Samstagabend 5000 Menschen erlebt, die die Band eingeladen hatte, umsonst und draußen mit ihnen zu feiern. Standesgemäß und stilsicher: unter den Spitzen des Kölner Doms auf dem Roncalliplatz.
Keyboarder Kai Engel stimmt „Forever Young“ von Alphaville an
Viele der musikalischen Sterne der Band leuchten an diesem Abend auf: „Poppe Kaate Danze“, eine Polemik auf die Borniertheit eines Karnevalisten, mit der Brings Anfang der 2000er Jahre einen kleinen Skandal hervorrief. „Nur nicht aus Liebe weinen“, das gecoverte Stück von Zarah Leander, interpretieren Brings mit Travestie-Star Juli Voyage – vorher erinnert Peter Brings an „den ganzen Driss um dieses Festival“. Er meint das von FC-Ikone Lukas Podolski und Markus Krampe organisierte Glücksgefühle-Festival, bei dem die Veranstalter im Vorfeld die für ihre politischen Statements gegen Rechtsextremismus bekannte Band Alphaville („Big in Japan“, Forever Young“) ausgeladen hatten. Begründung: Politische Statements seien nicht erwünscht.
Für Brings war Musik „immer auch ein bisschen Politik“, wie Peter Brings sagt. Die Band stand 1992 beim Arsch-huh-Konzert auf dem Chlodwigplatz vor 100.000 Menschen auf der Bühne, nachdem Rechtsradikale Ayslbewerberheime angezündet und Menschen ermordet hatten. Heute führt eine rechtsradikale Partei alle Umfragen in Deutschland an.
„Ihr kennt ja die Omas gegen Rechts“, sagt Gitarrist Harry Alfter in einem launigen Mittelteil des Abends, als Christian Blüm ein einhändiges Schlagzeugsolo spielt, Stephan Brings ein Basssolo hinlegt und „Give Peace a Chance“ von John Lennon und Yoko Ono anstimmt. „Wir sind jetzt die Opas gegen Scheißnazis mit Betonung auf Sch...“, sagt Alfter. Keyboarder Kai Engel stellt der Gitarrist als „lebende Musikbox“ vor und bittet ihn, irgendein Lied zu spielen, zufällig. Engel, der auch fantastisch singen kann, spielt, natürlich: „Forever young“ von Alphaville.

Florian Silbereisen (Mitte) kam für den Hit „Polka“ auf die Bühne.
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Eine Haltung, mit der sich die Band unter ihren Fans nicht immer nur Freunde macht, hat Brings immer ausgezeichnet. Dazu kam und kommt ein seismografischer Instinkt für die Zeichen der Zeit: mit dem Ohrwurm Superjeilezick rettete sich die Band im Jahr 2000 während einer tiefen Krise ins Karnevalsgeschäft. Am Samstag hüpft für den Hit Entertainer Stefan Raab mit seiner Ukulele auf die Bühne, der später noch sein FC-Lied „Oh, FC Köln“ performen darf. Weil Karneval auch Schlager ist, tritt die Band längst auch bei Schlagerabenden auf. Florian Silbereisen begleitet den Hit „Polka, Polka“ mit seinem Akkordeon.
Brings war die erste Kölner Gruppe, die als Hauptgruppe im Kölner Stadion auftrat – inzwischen haben ihr das viele nachgemacht. Feines Gespür bewies die Band mit der Idee, während der Lockdowns in der Corona-Pandemie Konzerte in Autokinos zu veranstalten und Menschen zusammenzubringen, die sonst nicht zusammen sein durften. Legendär die Konzerte mit dem Beethoven-Orchester auf dem Roncalliplatz, als Kölsch und Karneval auf Klassik traf und Menschen, die sonst im Abendkleid in die Philharmonie gehen, vom „Schnee im August“ sangen.
Während ihres Hits „Su lang mer noch am Lääve sin“ erinnert die Band an Verstorbene Stars und Freunde, immer neue kommen hinzu, zuletzt Posaunist Ritchie Hellenthal. Harry Alfter erzählt von einer Begegnung mit AC-DC-Frontmann Angus Young am Rande eines Stadionkonzerts mit Brings als Vorband im Münchner Olympiastadion und stimmt zur Melodie von „Highway to hell“, „Heimweh nach Kölle“ an; Pippi Langstrumpf wird als Widerständlerin gegen Nazis gewürdigt, Stephan Brings spielt „De Do Do Do, De Da Da Da“ von The Police. Die Zeitläufte fließen ineinander.
Ihren Hit „Kölsche Jung“ spielen Brings unter den Domspitzen als langsame Ballade mit 5000-Chormitgliedern: „Solange in der Ukraine noch Krieg ist, wollen wir den Kölschen Jung leise spielen“, sagt Peter Brings. Der Kölsche Jung wird immer so jung bleiben wie ein Lied, dass Brings im Sommer 2026 bei einem Grillabend mit den im Schnitt gut 20 Jahre jüngeren Musikern von Cat Ballou eingespielt haben: „Immer för immer“, der Höhepunkt der Geburtstagsparty, die um 22.30 Uhr mit Wetten-Dass-ähnlicher Zeitüberschreitung endet, ist eine Ode an Köln und kölsche Musik, vor allem aber an die Kraft der Gemeinschaft, die stärker ist als jede Ideologie.
