Nach dem Raub von 350 Kilogramm Marihuana startete eine beispiellose Gewaltserie in Köln.
Prozess gestartetBrisantes Video belastet mutmaßliche Auslöser des „Kölner Drogenkriegs“

Einer der sieben Angeklagten mit den Verteidigern Marc Donay (l.) und Jonas Bau beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht.
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Es geht um einen Raub von 350 Kilogramm Marihuana innerhalb krimineller Banden – und um die Frage, wie diese Tat der Ausgangspunkt einer der schwersten Gewaltserien werden konnte, die Köln in den vergangenen Jahren erlebt hat. Am Montag hat vor dem Landgericht Köln der Prozess gegen mehrere Beschuldigte begonnen. Sie sollen im Juni des Jahres 2024 eine Lagerhalle in Hürth überfallen und damit einen regelrechten Dominoeffekt ausgelöst haben – den „Kölner Drogenkrieg“. Geiselnahmen, Folterhandlungen und mehrere Sprengstoffanschläge erschütterten die Stadt.
Köln: Die sieben Angeklagten schweigen zum Prozessauftakt
Die sieben Männer im Alter zwischen 36 und 48 Jahren schwiegen zum Prozessauftakt. Einige von ihnen sitzen bereits seit Dezember vergangenen Jahres in Untersuchungshaft – sie wurden auf Gefängnisse in ganz NRW verteilt. Die Vorwürfe wiegen schwer: Besonders schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und bewaffneter Handel mit Cannabis werden ihnen in unterschiedlicher Tatbeteiligung vorgeworfen. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht eine Drogenlieferung von insgesamt rund 703 Kilogramm Marihuana, die in Hürth gelagert wurde.

Aus dieser Lagerhalle in Hürth verschwanden laut Anklage rund 350 Kilogramm Marihuana.
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Mehrere Angeklagte sollen Wind davon bekommen haben, welch heiße Ware in der unscheinbaren Halle in der Rodenkirchener Straße in Hürth lagerte und beschlossen haben, die Drogen zu rauben. Zwei von ihnen sollen den Lagerort zunächst ausgekundschaftet haben. Nur kurz darauf hätten drei Männer die Halle mit einer Maschinenpistole bewaffnet gestürmt. Der einzige Bewacher der Drogen sei getreten und gefesselt worden, dann sollen die Täter ihm den Lauf der Maschinenpistole in den Mund gesteckt haben. Sollte er sich wehren oder Alarm schlagen, würde er getötet, so die Anklage.
Köln: Brisantes Video gilt als ein zentrales Beweismittel
Etwa die Hälfte des in der Halle gelagerten Marihuanas sollen die Angeklagten dann in einen weißen Transporter verfrachtet und zunächst zu einer Werkstatt in Godorf gebracht haben, die mehrere Angeklagte betrieben haben sollen. Der Plan der mutmaßlichen Bande sei es gewesen, die erlangten Drogen gewinnbringend weiterzuverkaufen, erklärte Staatsanwältin Stefanie Steeger. Die Hintergründe des Drogenraubs waren viele Monate unklar, auch über den Verbleib des Marihuanas ist nichts bekannt. Die Angeklagten gerieten offenbar durch ein brisantes Video in den Fokus.
Einer der Beschuldigten soll in dem Video Ross und Reiter benannt haben. Diese Aussagen habe sein Mandant unter Zwang getätigt, erklärte am Rande des Prozesses Verteidiger Thomas Koll; er verwies auf „Streitigkeiten im Milieu“. Koll kündigte in der Hauptverhandlung an, der Verwertung der Aufnahmen zu widersprechen. Ohne das Video sei die Beweislage erstaunlich dünn, ließ der Anwalt verlauten. Es dürfte also auf einen langwierigen Indizienprozess hinauslaufen. Die 8. Große Strafkammer von Richter Stephan Aderhold hat bereits 17 Prozesstage bis in den Januar angesetzt.
Köln: Beispiellose Gewaltserie nach Drogenraub
Der Drogenraub setzte laut den Ermittlern eine Gewaltspirale in Gang. Der mutmaßliche Kölner Drogenboss Sermet A. (24) soll alles versucht haben, die gestohlenen Drogen wiederzuerlangen. Laut Anklage soll er zunächst Mitglieder seiner Bande verdächtigt und ihre Folter in Auftrag gegeben haben. Auch soll A. hinter der Entführung eines Paares aus dem Ruhrgebiet stecken, dessen Umfeld ebenfalls verdächtigt wurde. Die Geiseln wurden in eine Villa in Rodenkirchen verschleppt und schwer traktiert. Die Opfer konnten nach dem Hinweis eines reuigen Mittäters befreit werden.
Während die Geiselnahmen und Drogengeschäfte eher im Verborgenen abliefen, zeigten vor allem die öffentlichen Sprengstoffanschläge das beängstigende Ausmaß des Konflikts innerhalb des Drogenmilieus. Fünf Explosionen rechnen die Ermittler Sermet A. zu, vier davon sollten laut Anklage der Einschüchterung potenzieller Drogenräuber dienen. Die Serie startete in der Keupstraße in Mülheim. Auch in der Kölner Innenstadt wurde vor einem Modegeschäft ein Sprengsatz gezündet. Sermet A. muss sich derzeit in einem Parallelprozess vor dem Landgericht Köln verantworten.