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Kölner Guerilla-RestaurantGeheim dinieren im Hinterhof

3 min

Mit Liebe zum Detail dekoriert der Koch seine Meisterwerke.

Köln – Ein Duftgemisch aus Nelken, Safran und gegrilltem Fisch zieht die Gäste durch die grüne Tür in den unscheinbar anmutenden Hinterhof. Folgt man der verlockenden Geruchsspur, geht es entlang aufgereihter Kräutertöpfe mit Salbei, Majoran und Rosmarin durch einen schmalen Gang. Zwei blau gestrichene Bierbänke stehen vor dem Eingang der baufälligen Lagerhalle. Hier soll es nun die versprochenen Delikatessen geben?

Ein Mann mit dunklem Lockenschopf und Küchenschürze kommt um die Ecke. "Hallo, ich bin Marinos. Und du?" Marinos ist 35 Jahre alt und Koch. Aber nicht irgendein Koch. Marinos veranstaltet Guerilla-Dinners. Seine Idee: Er kredenzt Fremden kulinarische Köstlichkeiten - nicht etwa im Restaurant, sondern bei sich zu Hause.

Wie es dazu kam? "Ich habe vorher lange in der Gastronomie gearbeitet und wollte mal was Eigenes machen. Zu der Zeit, das war ungefähr vor vier Jahren, sprossen die ersten Guerilla- und Supper-Clubs aus dem Boden und ich dachte: Das ist genau das Richtige für mich." Letztes Jahr ist der Guerilla-Koch dann in die lichtdurchflutete Halle in Ehrenfeld eingezogen. Hier finden bis zu 24 Gäste Platz.

Zwischen hohen Weingläsern stehen Glasflaschen mit Blumen. Neben jedem Gedeck liegt eine Wäscheklammer als Ablage - damit das benutzte Besteck das weiße Tischtuch nicht beschmutzt. In einer Schale liegt für jeden Gast ein kleingepresstes Handtuch. Teelichter in Butterbrottüten sowie hohe Kerzen in Weinflaschen tauchen den Raum in ein gemütliches Licht.

An der langen Tafel nehmen Besucher aller Altersklassen und aus den unterschiedlichsten Berufen Platz - vom Zahnarzt über Handwerker bis hin zu Studenten. "In der Regel kennen sich die Gäste nicht. Das macht es immer interessant", bemerkt der Gastgeber. Darunter sind viele Kölner, aber auch Besucher von außerhalb. Wie etwa ein Ehepaar aus Koblenz, dessen Kölner Freunde von dem Dinner geschwärmt hatten.

Die Konversation streift die Bundesgartenschau, den Weinhandel des Bruders, den ersten Job im Fahrradladen. Nur das Tellerklappern um die Ecke und der Anblick von Lauchzwiebeln auf gelbem Linsenpüree unterbricht die Gespräche. Der erste Gang ist da. Von da an herrscht für ein paar Minuten andächtiges Schweigen. Mehr als "Hmm" oder ein leise gerauntes "Lecker" sind aus den vollen Mündern nicht zu hören. Nur gedämpfte Bässe aus Lautsprechern füllen die Stille. Marinos mit schwarzer Schürze und Fischerhut guckt um die Ecke: "Schmeckt's?" Und wie!

Das Menü kann sich sehen lassen: Auf Bulgursalat mit gebratenen Pfifferlingen folgt eine Erbsensuppe mit Speckwürfeln. Als Hauptgericht kommen auf Holzkohle gegrillter Wolfsbarsch oder, für die Vegetarier, gebratener Halloumi-Käse auf den Tisch. Dazu gibt es griechischen Weiß- und Rotwein oder Rosé so viel jeder mag.

An einer Wand sind Weinkisten in die Höhe gestapelt. Für 40 Euro können die Gäste ihr heimisches Kellerregal mit einer Kiste Rosé oder einem leichten griechischen Weißwein aufrüsten. Karsten und seine Frau Britta sind alte Hasen, was das Privat-Dinner angeht. Sie kennen das Guerilla-Restaurant schon seit letztem Jahr und kommen gerne wieder. "Er ist einfach echt charmant", meint der 37-Jährige mit einem Seitenblick auf Marinos. "Er gibt einem sofort das Gefühl, hier zu Hause zu sein. Das macht den Reiz aus."

Eventuell spielt aber auch eine Rolle, dass Guerilla-Dinners keine ganz legale Sache sind. Mag sein, dass der Reiz des Verbotenen die Gäste in die Lagerhalle lockt. Wo das Essen stattfindet, ist geheim. Erst kurz vorher bekommen die Teilnehmer eine E-Mail. Das Ordnungsamt habe er gleich zu Beginn eingeladen, sagt der Privat-Gastronom. "Wir sind hier einfach Freunde unter Freunden." Nach dem Pfirsich-Sorbet auf Zuckerwatte legt jeder der Gäste 50 Euro in ein Kästchen am Ausgang. Eine freundschaftliche Spende, versteht sich. Per Mundpropaganda verbreiten sie den Tipp weiter. Wer noch ein Geschenk sucht, kann bei Marinos auch Gutscheine bestellen.

kouzinamarina.blogspot.de