Warum der Gestaltungsspielraum im Kölner Rathaus überquillt. Unser satirischer Wochenrückblick.
Kölner Finanzloch Wasserbus? Fußgängerbrücken? Mit Flaschenpfand die Brauerei kaufen

Köln ist am Limit! Stadtkämmerin Dörte Diemert, Oberbürgermeister Thorsten Burmester und Schuldezernent Robert Voigtsberger richten einen Appell an Bund und Land. Foto: Alexander Schwaiger
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Wenn ich das nächste Mal ins Rathaus komme, muss ich den Pförtner mal fragen, wo dieser ominöse Gestaltungsspielraum liegt, von dem in Zeiten der Finanzkrise immer die Rede ist. Im historischen Teil? Oder doch im Spanischen Bau gleich neben dem Ratssaal?
Was da in dieser Woche angesichts eines Finanzlochs von 1,7 Milliarden Euro alles eingelagert wurde, muss jedem Kommunalpolitiker, der sein Ehrenamt nach der Wahl mit dem festen Willen angetreten ist, Köln voranzubringen, die Tränen in die Augen treiben.
Der Wasserbus, der es fast schon auf den Rhein geschafft hatte. Zumindest aufs Stadtmodell im Erdgeschoss, wo der Strom grundsätzlich Niedrigwasser führt. Die Seilbahn entlang des Rheinufers, zwei neue Fußgängerbrücken in Höhe der Bastei und des Ubierrings. Rein damit und Tür zu. Auf Nimmerwiedersehen.
Auf Nimmerwiedersehen verschwunden
Das ist die wahre Bestimmung des Gestaltungsspielraums. Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Gegenstände, die dort gelandet sind, noch einmal auftaucht, ist verschwindend gering. Das lernt jede Ratsfrau und jeder Ratsherr schon in der ersten Wahlperiode. Der neue Großmarkt zum Beispiel. Oder die Historische Mitte.
Am Ende muss man froh sein, dass die Seilbahn aus Bundesgartenschau-Zeiten trotz ihres stolzen Alters nicht die Grätsche macht, und einfach zugeben, dass neue Fußgängerbrücken über den Rhein keinen Sinn haben, wenn zeitgleich auf der Zoobrücke das Licht ausgeht und man sein Fahrrad an der Nordseite der Hohenzollernbrücke weiter schleppen muss, weil die Rampe fehlt. Das nennt man Pragmatismus.
Wer aber glaubt, dass der Frust, der sich vor dem Gestaltungsspielraum immer wieder aufbaut, bei den ehrenamtlichen Kommunalpolitikern eine Jetzt-ist-es-auch-egal-Stimmung auslöst, liegt falsch. Weil es absurd ist, zu glauben, sie könnten mit ihren Sparbemühungen noch irgendetwas bewegen.
Die meisten kämpfen immer weiter. In dem Glauben, dass der Tag kommt, an dem man so viel Flaschenpfand gesammelt hat, dass man mit dem Erlös die Brauerei kaufen kann.
Dafür ist mal ein Dankeschön fällig. An alle Politiker im Rathaus und den Bezirksvertretungen, die sich immer wieder den Allerwertesten aufreißen, um Vereinen zu helfen, Beratungsstellen zu retten, Selbsthilfegruppen, Bürgerhäuser oder Kulturangebote irgendwie doch noch zu unterstützen. Und den Gestaltungsraum einfach ignorieren.