Köln – Er wollte etwas Besonderes sein, hatte Angst, seine Frau könne ihn ansonsten verlassen. Vielleicht habe er auch einen „Minderwertigkeitskomplex“, räumte ein 31 Jahre alter Hochstapler am Mittwoch vor dem Amtsgericht ein. Doch die „Traumwelt“ mit Wohnung im Rheinauhafen, Businesslounge im Stadion und einem gepachteten Hotel stand auf derart tönernen Füßen, dass sie bereits nach wenigen Monaten einstürzte. Wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilte das Amtsgericht ihn zu anderthalb Jahren Gefängnis auf Bewährung. Zudem hat der Mann einen Schuldenberg von rund 100 000 Euro angehäuft, den er nun abtragen muss. Nach viermonatiger Untersuchungshaft kam er am Mittwoch aber wieder auf freien Fuß.
Zwischen April und November 2018 hatte der Mann „das ganz große Rad gedreht“, wie der Amtsrichter feststellte. So mietete der Mann, der nach einer Tischlerlehre in die Gastronomie gewechselt war, eine Drei-Zimmer-Wohnung im Rheinauhafen für 2900 Euro monatlich. Ferner pachtete er ein Hotel im niedersächsischen Bad Bevensen für monatlich 17 850 Euro. Und um seinen angeblichen Erfolg zu unterstreichen, buchte der Fan von Borussia Dortmund noch eine Businesslounge für vier Personen im Wert von rund 20 000 Euro im Signal-Iduna-Park. „Irgendwie wollte ich allen beweisen, was für ein toller Typ ich bin“, sagte der 31-Jährige.
Vermögensauskünfte waren gefälscht
Seine Kreditwürdigkeit bescheinigte sich der Vater von zwei Kindern mit gefälschten Bank- und Vermögensauskünften. Darin hieß es, er habe Zugriff auf „ausreichend frei verfügbare Vermögenswerte in Millionenhöhe im In- und Ausland“. Nicht nur seine Frau, sondern auch Bekannte hätten ihn bewundert und gesagt: „Der kleine Mann aus der Gastronomie betreibt jetzt ein Hotel mit 60 Betten.“ In Wahrheit hatte der Mann 2018 einen Offenbarungseid geleistet.
Und jetzt? Jetzt wolle er sich Arbeit suchen und dankbar sein, dass seine Frau weiter zu ihm hält. „Ob ich jetzt in Bornheim Spargel steche oder irgendwo Schrauben zähle, ist mir eigentlich egal“, sagte der 31-Jährige. Dass die Zeiten für einen Neustart in der Gastronomie derzeit alles andere als günstig sind, das habe er „im Knast aus dem Fernsehen“ erfahren.
