Köln – Zunächst klang es ein bisschen nach Spinnerei, bis die ersten ernsthaften Pläne auftauchten: Eine Neubebauung über einer Bahntrasse. Nicht etwa als Tunnel mit darüberliegenden Fundamenten, sondern als „Durchstich“ durch das Wohnhaus selbst. Die Pläne wurden detaillierter, die erforderlichen Genehmigungen eingeholt, und voriges Jahr erfolgte schließlich die Fertigstellung: Die Kölner Unternehmen Friedrich Wassermann und WvM Immobilien stellten ihr wohl europaweit einmaliges Bauvorhaben „Clarenbachplatz 1“ in Braunsfeld fertig.
Es folgte einigermaßen viel Aufregung, Lob und Anerkennung – was nun durch den international renommierten Architekturpreises „Iconic Award“ noch einmal bekräftigt wurde. Die Bauherren md3+ Architekten und Planer Matthias Dittmann dürfen sich eine besondere Auszeichnung ans Revers heften: „Best of Best“.
Herausragende städtebauliche und architektonische Leistung
In ihrer Urteilsbegründung lobt die Jury vor allem den Mut, die Überbauung von Bahngleisen mit einer innovativen technischen Lösung anzugehen, als auch die herausragende städtebauliche und architektonische Leistung: „Gerade in Ballungsräumen, wo Platz knapp ist, fehlt es an Wohnraum. Um diesem Problem Herr zu werden, bedarf es zuweilen außergewöhnlicher Bauprojekte. Dass man hier auf einer Länge von 160 Metern eine befahrene Güterbahnstrecke mit Wohnungen überbaute, ist so spektakulär wie kühn,“ urteilte die Jury.
Offizielle Preisverleihung auf der Expo Real
Auslober des „Iconic Awards“ ist der Rat für Formgebung. Es gilt als eines der wichtigsten Kompetenzzentren für Architektur und Design. Gegründet wurde der Rat für Formgebung als Stiftung 1953 auf Initiative des Deutschen Bundestages und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Die offizielle Preisverleihung des internationalen Architektur- und Designwettbewerbs findet am 5. Oktober in München anlässlich der Immobilienmesse Expo Real statt. „Wir freuen uns über die Auszeichnung und sind stolz, ein derart innovatives Projekt realisiert zu haben“, sagt Raphael Hüffelmann, Projektverantwortlicher bei WvM. Anton Bausinger, geschäftsführender Gesellschafter von Friedrich Wassermann, der das Projekt initiiert und maßgeblich vorangetrieben hat, ergänzt: „Vielleicht können wir mit unserem Bauvorhaben andere Projektentwickler ermutigen und ein Beispiel geben, innovative Wege zu gehen.“
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Der Clarenbachplatz1 verfügt über 67 Wohnungen und knapp 550 Quadratmeter Gewerbefläche, verteilt auf drei Häuser. Unterirdisch sind 94 Tiefgaragenstellplätze angelegt, der autofreie oberirdische Quartiersplatz wird für den Wochenmarkt genutzt. „Es war von Anfang an das Ziel, die Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs zu einem urbanen Raum mit identitätsstiftenden, architektonischen Bezügen zu entwickeln. Und es macht glücklich zu sehen, wie Bewohner, Besucher und Nachbarn den Ort jeden Tag aufs Neue freudvoll nutzen und bespielen“, erklärte Architekt Matthias Dittmann.



