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Psychische Belastung hochEin Kölner Verein vermittelt, wenn Einsatzkräfte nicht mehr können

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Die psychische Belastung für Einsatzkräfte ist hoch. Der Verein Blautlicht für Blaulicht will helfen (Symbolbild).

Die psychische Belastung für Einsatzkräfte ist hoch. Der Verein Blautlicht für Blaulicht will helfen (Symbolbild).

Als das Baby eines Kollegen schwer erkrankt, hilft Luis Teichmann, Spenden zu sammeln – und merkt: Es braucht mehr als Geld. Wie sein Verein „Blaulicht für Blaulicht“ heute Rettungskräften hilft, die selbst nicht mehr können.

An den Moment, als Luis Teichmann wusste, dass sich etwas ändern muss, kann er sich noch genau erinnern: Das Baby eines Kölner Feuerwehrmannes und einer Autobahnpolizistin aus Frechen erkrankt nach einer vermeintlichen Erkältung schwer am Herzen und wartet in der Uniklinik Aachen auf ein Kunstherz. Die Eltern wollen ihr Kind nicht aus den Augen lassen – müssen aber weiter ihren Berufen nachgehen, die Rechnungen müssen bezahlt werden. Also rufen sie zu Spenden auf.

Teichmann, selbst Rettungssanitäter und in den Sozialen Medien auch unter dem Pseudonym „5_sprechwunsch“ bekannt, teilt den Aufruf. „Das hat sich auch wirklich direkt potenziert. Am Ende kamen, glaube ich, über 80.000 Euro zusammen“, erzählt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Immer wieder erreichen Teichmann ähnliche Anfragen aus der „Blaulichtfamilie“, wie er sagt. Ihm wird klar, dass es mehr Vernetzung, mehr Organisation braucht, um Sanitätern, Feuerwehrleuten und Polizisten, die selbst in Not geraten, besser zu helfen. Also beschließt er, den Verein „Blaulicht für Blaulicht“ zu gründen.

Einsatzkräfte häufig traumischen Erlebnissen ausgesetzt

Als Mitgründer holt er Marco Strom mit ins Boot, Leitender Notarzt in Köln. Strom bringt ein zweites Thema ein: die psychische Belastung von Einsatzkräften, die er aus zahlreichen Einsätzen auf dem Rettungshubschrauber Christoph Rheinland kennt. Beide einigen sich, neben der direkten finanziellen Unterstützung auch ein Psychotherapeutennetzwerk aufzubauen. Daraus entsteht das Projekt „Echo“.

Der Verein, getragen von Kölner Einsatzkräften und Unterstützern aus Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Wirtschaft, hilft seither nicht nur mit Spenden in Notlagen. Über Echo vermittelt er Einsatzkräften zusätzlich innerhalb von 48 Stunden ein psychologisches Erstgespräch. Kostenfrei, anonym, ohne Wartezeit auf einen Therapieplatz.

Dass Rettungskräfte und Polizeibeamte überdurchschnittlich häufig traumatischen Erlebnissen ausgesetzt sind, belegen Studien. Eine Befragung von Berufsanfängern der Polizei aus dem Jahr 2023 zeigt: Mehr als die Hälfte hatte bereits mindestens einen potenziell traumatischen Einsatz erlebt, bei 1,7 Prozent von ihnen ließ sich eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) feststellen, bei weiteren 14,9 Prozent eine partielle PTBS. Einem Fünftel der Befragten war das Konzept der psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte nicht einmal bekannt. Auch im Rettungsdienst zeigt sich das Problem: Einer aktuellen Studie zufolge erfüllt fast jeder Siebzehnte im Rettungsdienst Beschäftigte innerhalb eines Monats die Kriterien einer PTBS – deutlich mehr als in der Allgemeinbevölkerung.

Luis Teichmann hat den Verein Blaulicht für Blaulicht mitgegründet.

Luis Teichmann hat den Verein Blaulicht für Blaulicht mitgegründet.

Bestehende Strukturen der Behörden greifen dabei häufig zu kurz, sagt Teichmann. Die Gründe dafür seien vielfältig. Einer davon ist Scham: „Man möchte vielleicht nicht vor bestimmten Kollegen weinen. Oder sich outen, dass man Hilfe braucht.“ Hinzu komme die Sorge um die eigene Karriere: Wer intern Hilfe anfordere, gelte womöglich als „nicht stark genug“.

Genau hier soll das „Echo“-Projekt ansetzen: Wer Hilfe braucht, schreibt eine E-Mail an den Verein. Innerhalb von 48 Stunden vermitteln Teichmann und die anderen Ehrenamtler ein Erstgespräch mit einem von aktuell acht Psychotherapeuten. In der Regel reiche den Betroffenen schon ein einziges Gespräch, berichtet Teichmann – auch wenn sie oft „extrem aufgewühlt“ in das Treffen gingen. Zeichen einer PTBS würden die Psychologen im Gespräch gezielt abklopfen; bestehe der Verdacht auf eine ausgeprägte Belastungsstörung, vermittle der Verein weiter in ambulante oder stationäre Behandlung.

Seit dem offiziellen Start vor rund vier Wochen zählt Echo zehn Vermittlungen. Betroffen waren neben erfahrenen Ärztinnen auch sehr junge Polizisten, die etwa nach einem schweren Verkehrsunfall jemanden zum Reden suchen.

Beim Thema „Mentale Gesundheit“ gebe es zwar bei den einzelnen Berufsgruppen sehr große Unterschiede. Während die Polizei nach Teichmanns Eindruck über hauptamtliche, externe Psychologen und ein geschultes Führungspersonal verfüge, sei der Rettungsdienst „noch lange nicht“ auf diesem Niveau – auch Krankenhäuser stünden beim Thema psychische Gesundheit des eigenen Personals „noch sehr in den Anfängen“, so Teichmann.

„Doch im Prinzip“, sagt er, „machen wir jetzt die Arbeit, die Krankenkassen und Berufsgenossenschaften übernehmen sollten.“ Für vulnerable Berufsgruppen wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Krankenhaus brauche es ein besseres, anonymes und priorisiertes Angebot.

Teichmann richtet aber auch einen Appell an Betroffene: „Nehmt eure psychische Gesundheit ernst und wartet nicht damit, euch Hilfe zu suchen. Je länger man so etwas mit sich herumschleppt, desto schlimmer wird es.“