Beschäftigte der Kölner Bauwens-Gruppe haben ihrem früheren Chef Paul Bauwens-Adenauer zum Abschied ein haushohes Kunstwerk geschenkt.
Paul Bauwens-AdenauerKölner Unternehmer mit Riesen-Porträt überrascht

Ein neues Wandbild am Haus Severinstraße 194 in Köln zeigt ein überlebensgroßes Porträt des Unternehmers Paul Bauwens-Adenauer.
Copyright: Michael Fuchs
Ein überlebensgroßes Porträt ziert seit dieser Woche die Fassade des Hauses Nummer 194 an der Kölner Severinstraße. Es zeigt den Unternehmer und früheren Kölner IHK-Präsidenten Paul Bauwens-Adenauer. Der 73-Jährige hat sich vor kurzem aus dem operativen Geschäft der Bauwens-Gruppe zurückgezogen. „Es ist an der Zeit, dass die nächste Generation übernimmt“, betont Bauwens-Adenauer im Gespräch mit unserer Redaktion.
1982 war der Enkel des früheren Bundeskanzlers in den Betrieb seines Adoptivvaters Paul-Ernst Bauwens eingetreten. Als geschäftsführender Gesellschafter hat er die Entwicklung des Unternehmens von der reinen Baufirma zum bundesweit operierenden Projektentwickler 40 Jahre lang maßgeblich gesteuert.
Diese Woche feierte er seinen Abschied bei einer internen Firmenveranstaltung im Museum Ludwig, inklusive Besuch der Kusama-Ausstellung. Dabei wurde er mit einem besonderen Geschenk überrascht. In einem Video wurde die Enthüllung des haushohen Kunstwerks gezeigt, das er sich später an der Severinstraße im Original anschauen konnte. „Ich war völlig überrascht von der Aktion und, ehrlich gesagt, geplättet“, erzählt Bauwens-Adenauer. „Dass man meinen Abschied zum Anlass genommen hat, so ein riesiges Kunstwerk zu erstellen, ist eine tolle Idee. Das hat mich sehr berührt.“
Gemälde für den Chef entstand im Verborgenen hinter einer Plane
Geschaffen wurde das Bild vom Künstlerkollektiv „Concrete Candy“ ab dem 26. Mai – gut versteckt hinter einem Gerüst mit einer Plane. Das Haus gehört einer Tochterfirma von Bauwens. Viele Mitarbeiter des Unternehmens haben ihre Namen und Botschaften auf dem Gemälde hinterlassen, auch zahlreiche von Bauwens umgesetzte Bauprojekte werden dort erwähnt. Am Fuße des Bildes sind drei Firmensitze von Bauwens zu sehen, die sich am Holzmarkt, an der Gereonstraße und an der Richard-Strauss-Straße befinden. Darüber erhebt sich die Figur von Paul Bauwens-Adenauer, der mit ausgebreiteten Armen mitten im Gespräch zu sein scheint.

Das Wandbild am Haus Severinstraße 194.
Copyright: Michael Fuchs
„Ich sehe aus wie ein Wanderprediger“, lacht der Dargestellte. Er habe sich „erst mal ein bisschen erschrocken“, als er das riesige Bild von sich gesehen habe. „Ich hatte mit so etwas ja überhaupt nicht gerechnet. Aber es ist einfach eine unheimlich sympathische Geste der Bauwensianer, und darüber freue ich mich sehr.“ Bauwens sei ein Familienunternehmen, man habe gemeinsam viele Höhen und Tiefen bewältigt, das verbinde. „Der Stil in der Firma war nie autoritär. Wir stehen für einen kooperativen und fairen Umgang miteinander.“
Aus dem operativen Geschäft habe er sich verabschiedet, damit die neue Generation, darunter sein Sohn Fabian, Verantwortung übernehmen könne. „Und zwar ohne, dass die Älteren alles dominieren.“ Über seine Tätigkeit als Vorsitzender des Beirats werde er aber auch künftig das Unternehmen unterstützen.
Bauwens-Adenauer fordert Pragmatismus statt Ideologie
Bauwens-Adenauer ist gelernter Architekt. Von 2005 bis 2025 hat er als Präsident die Industrie- und Handelskammer zu Köln geleitet, er war Präsident der IHK NRW und Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Der gebürtige Kölner gehört zu den Initiatoren des von Albert Speer entwickelten Masterplans für die Kölner Innenstadt und hat 2004 gemeinsam mit seinem Bruder Patrick Adenauer die Kölner Grün Stiftung gründet, die sich um Erhalt, Pflege und Ausbau der Kölner Grünanlagen kümmert.
Spricht man ihn auf die Lage in seiner Heimatstadt Köln an, auf die Müll- und Drogenproblematik, bröckelnde Brücken und maroden Museen, wird Bauwens-Adenauer emotional: „Die politische Führung Kölns ist über viele Jahre mit den Problemen nicht fertig geworden. Und jetzt, wo das Geld knapp ist, wird alles noch schwieriger. Ich beneide den Oberbürgermeister nicht um die Herausforderungen, vor denen er steht.“
In Deutschland seien viele Probleme hausgemacht. Das gelte insbesondere für die Bürokratie, die die Wirtschaft lähme. „Ich empfehle der Gesellschaft mehr Realitätssinn. Themen weglassen, die uns nicht weiterbringen. Pragmatismus statt Ideologie. Wir reden noch über die Sahne auf dem Kuchen, obwohl der Kuchen gar nicht mehr da ist. Das ist das Problem. Wir stehen in Deutschland vor gewaltigen Herausforderungen. Wir waren mal Champions League und sind jetzt auf dem Weg in die Kreisklasse. Daran müssen wir arbeiten.“