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Kölner Verein KindernöteBethe-Stiftung verdoppelt Spenden für Hilfsprojekte

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Die genannten stehen vor der Tür der Kindernöte-Geschäftsstelle.

Das Team von Kindernöte mit dem Stifterpaar Erich und Roswitha Bethe (rechts).

Mit einer ungewöhnlichen Aktion unterstützt die Bethe-Stiftung die wertvolle Arbeit des Chorweiler Vereins Kindernöte. Denn der hat ganz besondere Projekte. 

Anna Knauer muss los, denn gleich beginnt die Spielplatzzeit der „Straßenkinder“. „Wenn ich komme, warten sie immer schon“, sagt die Sozialpädagogin des Chorweiler Vereins „Kindernöte“. Mit dem Angebot, draußen mit mitgebrachten Materialien zusammen zu spielen ist sie für Kinder, die sonst nur schwer zu erreichen sind, zu einer verlässlichen Bezugsperson geworden. In den sechs Straßenkindergruppen für sechs- bis 13-jährige Kinder erfahren und lernen sie Rücksichtnahme, Teamarbeit und wie man Konflikte auf gute Weise löst — auch solche mit Kindern aus anderen Kulturen.

Verlässliche Ansprechpartner unmittelbar vor Ort sind die Pädagogen und Ehrenamtlichen des 1996 gegründeten Vereins auch mit ihrem „Kleine Schritte-Netzwerk“.  Das reicht von Besuchen bei jungen Familien oder alleinerziehenden Müttern, der Unterstützung durch eine Familienhebamme und begleiteten Krabbelgruppen bis hin zu frühen Hilfen, einer Rechtsberatung und Begegnungscafes. „Alles Angebote, die sich aus dem Bedarf der Menschen hier entwickelt haben“, sagt Kindernöte-Geschäftsführerin Ingrid Hack. „Um sie sicher weiter zuverlässig finanzieren zu können, haben wir uns an die Bethe-Stiftung gewandt.“

Für die Krabbelgruppen gibt es  Wartelisten

Roswitha und Erich Bethe unterstützen mit ihrer Stiftung bereits seit 1996 gemeinnützige Projekte für Kinder, Jugendliche und obdachlose Menschen (siehe Infotext). Beide waren sofort überzeugt von der Arbeit des Kindernöte-Teams. Und sagten zu, in den kommenden drei Monate eingehende Spenden bis zur Höhe von 12 000 Euro zu verdoppeln.

„Das freut uns sehr, der Bedarf an Hilfe ist enorm groß. Für unsere Krabbelgruppen gibt es Wartelisten, und auch beim Straßenkinderprojekt wollen immer mehr Kids mitmachen“, sagt die Vereinsvorsitzende Barbara Steinhof. „Die Menschen hier wohne zwar dicht beieinander, aber sie kommen nicht so einfach miteinander in Kontakt.“ In den Gruppen oder beim Elterncafe sei das anders.  Und oft ergäben sich Freundschaften, und daraus dann auch gegenseitige Unterstützung. „Wir hatten eine junge Mutter hier, die erneut schwanger und alleine war. Hier hat sie Hilfsangebote bekommen, bis hin zur Betreuung ihres ersten Kindes für die Zeit der Entbindung“, so Steinhoff, die als Rechtsanwältin auch eine niederschwellige ehrenamtliche Beratung anbietet.  

Wir freuen uns nicht nur über ihre finanzielle Unterstützung, sondern auch darüber, dass Sie beide zu uns nach Chorweiler gekommen sind.
Barbara Steinhoff, Vorsitzende des Vereins Kindernöte, zum Stifterpaar Bethe

„Wir freuen uns nicht nur über ihre finanzielle Unterstützung, sondern auch darüber, dass Sie beide zu uns nach Chorweiler gekommen sind“, so die Vorsitzende zu dem Stifterpaar Bethe. Das fand auch Detlev Geiß, der in Chorweiler mehr als 30 Jahre als Kinderarzt praktiziert hat und jetzt ehrenamtlich im „Kindernöte“-Team aktiv ist.  Er bietet jungen Eltern Infonachmittage an, wie sie Unfälle von Kindern in Haushalt und Straßenverkehr vermeiden können.  Die Hebammen-Ambulanz, eine offene Sprechstunde zu Erziehungsfragen, Hilfe bei der Anmeldung für einen Kita-Platz oder „Chorweiler liest vor!“ sind einige weiter von über 20 Angeboten des Vereins, mit denen jedes Jahr 150 Familien erreicht werden. 

Die Angebote finden sowohl in den Kindernöte-Räumen in Chorweiler als auch in zahlreichen Familienzentren benachbarter Stadtteile statt. Nach dem Besuch vor Ort und einem ausführlichen Gespräch mit den Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen überraschte Erich Bethe die Helfer spontan auf denkbar schöne Weise: „Wir wiederholen die Aktion 2024.“ Wer für die heute gestartete Verdopplungsaktion spenden möchte, findet Informationen dazu auf der Kindernöte-Internetseite.


Bethe Stiftung

Die 1996 von Erich und Roswitha Bethe gegründete Stiftung fördert schwerpunktmäßig Projekte zum Kinderschutz, Kinderhospize, Erinnerungskultur und Hilfsangebote und Wohnmöglichkeiten für obdachlose Menschen. Sie hat bereits mehr als 2000 Spendenverdopplungs-Aktionen finanziert, unterstützt zwölf Kinderhospize bundesweit und hat Studienfahrten von 35.000 Schülern und Schülerinnen in die Konzentrationslager Auschwitz und Treblinka gefördert. In Köln beteiligt sich die Bethe-Stiftung an der„ Arche für Obdachlose“ und stellt der Stadt günstigen Wohnraum für geflüchtet und obdachlose Menschen zur Verfügung. Erich und Roswitha Bethe haben 90 Prozent ihres Vermögens in die Stiftung eingebracht. Mit den Verdopplungsaktionen wollen sie soziale Projekte stärken und durch die damit verbundene breite Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung ermutigen, an der Umsetzung einer menschlicheren Gesellschaft aktiver mitzuwirken.