In Dortmund beschließt der Stadtrat ein Bettelverbot an Außengastronomien. Kölner Wirte beklagen zunehmend eine Verelendung und aggressive Bettler.
„Grenzen des Erträglichen überschritten“Kölner Wirte beklagen aggressive Bettler

Maureen Wolf von Oma Kleinmann ist hin- und hergerissen: Sie hat Mitgefühl mit den Suchtkranken, will aber auch ihre Gäste vor wiederholter und penetranter Bettelei schützen. (Archivbild)
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Bettler, die Menschen beim Essen am Gastro-Tisch ansprechen, sind bei „Oma Kleinmann“ ein alltägliches Ärgernis. „War es früher so, dass zweimal am Abend gebettelt wurde, passiert das mittlerweile 20, 30 Mal an einem Abend, dass unsere Gäste angesprochen werden: Das sind stark alkoholisierte Menschen, kranke Menschen, die sehr dreckig sind und sehr penetrant.“ So beschreibt Maureen Wolf, Betreiberin des Restaurants im Zülpicher Viertel, die Lage.
„Sie gehen nicht nur vorbei und fragen kurz, sondern bleiben lange stehen, ziehen den Gästen ein Schnitzel vom Teller. Darunter gibt es auch professionalisierte Bettler und solche mit Musikinstrumenten, die große Freude daran haben, zu nerven und auf Konfrontationskurs zu gehen“, sagt Wolf. Ihr sei bewusst, dass das in einer Großstadt bis zu einem gewissen Grad dazugehöre.
Einem Bettelverbot im Umkreis von fünf Metern um Außengastronomieflächen, wie es die Dortmunder Politik testweise für ein Jahr beschließen möchte, steht Wolf skeptisch gegenüber. Besonders in Sachen Umsetzbarkeit. In Köln ist ein solches Verbot bezogen auf Terrassen zwar vorerst nicht geplant, in der Stadtordnung ist aggressives Betteln allerdings seit Jahren bereits untersagt. „Ich weiß nicht, wie man das kontrollieren sollte“, sagt Wolf. Zumal es mit punktuellen Kontrollen wohl nicht getan wäre, denn Wolf beklagt einen „massiven Anstieg“ an Bettlern rund um ihr Lokal, wie sie berichtet.
Betteln in der Außengastro: Suchtkranke am Friesenplatz als Verdrängungseffekte vom Neumarkt
Aber die Grenzen des Erträglichen seien dort längst überschritten, wo Obdachlose über Nacht auf der Außengastrofläche campieren, Urin und Kot hinterließen und ihre Gäste im laufenden Betrieb bedrängten. „Diese Menschen haben offenkundig massive Probleme. Wenn ich schon mal etwas Essen herausgebe oder Getränke, was wir zuletzt gemacht haben, als es so heiß war, dann kommen sehr viele Bedürftige.“ Einmal im Monat koche sie für Wohnungslose am Hauptbahnhof.
Als Gastronomin fühle sie sich aber vor allem dazu verpflichtet, ihre Gäste zu schützen. „Wenn ich die Bettler darum bitte, zu gehen, ist das den Gästen häufig sichtlich unangenehm. Sie sind meistens bemüht und mitleidig. Meine Sorge ist, dass so ein Erlebnis nachwirkt und sie nächstes Mal woanders hingehen zum Essen.“
Auch für die Mitarbeiter sei die Situation belastend. „Mittlerweile besprechen wir vor Dienstbeginn, wer heute zuständig ist und wer sich kümmert, wenn aggressiv gebettelt wird. Nicht alle trauen sich zu, einzugreifen und zu deeskalieren. Manche möchten das nicht machen.“ Von Kollegen aus Ehrenfeld weiß Wolf, dass sich die Drogenszene zum Teil dorthin verlagert habe. Auch am Friesenplatz ist die vom Neumarkt verdrängte Drogenproblematik deutlich spürbar für Gastronomen. Das „Kaffeesaurus“ etwa leide stark unter den Suchtkranken, sagt Maike Block von der Interessengemeinschaft Gastronomie. Das Betteln sei seit Jahren Thema unter den Gastronomen, so Block (wir berichteten).
Eine deutliche Verschlechterung der Lage beobachtet auch Gastronom Geert Dilien. Er ist Betreiber des „Gilden im Zims“ und „Servus Alpinia“ in der Altstadt und Gesellschafter des „Gumo“ an der Limburger Straße, Nähe Friesenplatz. „In den letzten drei Monaten ist das Problem am Friesenplatz extrem gewachsen. Durch den Zirkus Roncalli und das Weinfest am Neumarkt hat sich die Drogenszene verlagert. Das sind suchtkranke Menschen, die Teil unserer Gesellschaft sind, die kann man nicht ausradieren“, sagt Dilien. Nur in Deutz gebe es das Problem nicht. „Am Friesenplatz haben wir aber sehr gute Unterstützung durch die Polizei, die regelmäßig vorbeikommt. Nur deswegen haben wir darauf verzichtet, extra einen Sicherheitsdienst zu beauftragen.“ Von Bußgeldern hält Dilien nichts. „Diese Menschen haben nichts, das würde sie nicht abschrecken.“

Geert Dilien ist Wirt im Gilden im Zims und Servus Alpinia in der Altstadt und Betreiber des Deutzer Brauhauses und Gesellschaft im Gumo an der Limburger Straße.
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Es gab Zeiten, an denen am Heumarkt vielleicht einmal die Stunde an den Tischen gebettelt worden sei. „Mittlerweile haben wir alle sieben Minuten einen Bettler. Wir sind sehr streng und bitten sie weiterzugehen oder sagen, dass die Gäste Angst haben. Zum Glück sind sie selten aggressiv.“ Der Anblick von teils sehr schmutzigen Menschen, die auch mal offen entzündete Beine hätten, sei auch unappetitlich für die Gäste.
Betteln in der Außengastro: Altstadt-Wirtin fühlt sich von organisierten Bettlern gestört

Sylvia Fehn-Madaus von der Gastwirtschaft Em Krützche am Rheinufer in der Altstadt. (Archiv)
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Suchtkranke und Wohnungslose seien in ihrer Terrasse weniger ein Problem als Bettler, die sich als taubstumm ausgeben oder Rosen verschenken – im Gegenzug dann aber doch Geld erwarten, sagt Wirtin Sylvia Fehn-Madaus vom „Em Krützche“ in der Altstadt. „Am Wochenende und an Feiertagen ist die Bettelei extrem. Manche verteilen Figürchen, und als ich einmal eines von einem unserer Tische heruntergeworfen habe, reagierte der Bettler ziemlich aggressiv“, sagt Fehn-Madaus.
Das Problem trete besonders in den warmen Monaten auf, wenn die Außengastronomie gut gefüllt ist und viele Touristen in der Stadt sind. „Einige Gäste haben ein großes Herz und geben was, andere sehen nicht ein, dass sie damit die organisierten Strukturen nähren. Dass Wohnungslose vom Bahnhof hierhin kommen, ist aber seltener.“ Seit es für Straßenmusik die Halbstunden-Regel gibt, habe sich das Problem mit den Musikgruppen ein wenig entspannt, so die Wirtin.

