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Kölns alte FestungenWas vom Infanteriestützpunkt der Mengenicher Vorfront heute noch übrig ist

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Infanteriestützpunkt der „Mengenicher Vorfront“ vor der Sprengung.

Infanteriestützpunkt der "Mengenicher Vorfront" vor der Sprengung.

Nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Festungsanlagen rund um Köln unbrauchbar gemacht werden. Ihre Überreste findet man im äußeren Grüngürtel.

Robert Schwienbacher ist nicht zum ersten Mal an diesem abgelegenen Ort. Am Rande des Erholungsgebiets Nüssenberger Busch verlässt er zielsicher den kleinen Waldweg neben der Straße Richtung Auweiler und bleibt nach kurzem Fußmarsch durch das Dickicht an einer Erhebung aus grauen Blöcken stehen. Was sich die Natur hier allmählich zurückholt, sind Reste des preußischen Festungsgürtels rund um Köln. Genauer gesagt: gesprengte Reste der Mengenicher Vorfront.

Die Betonreste des Infanteriestützpunkts wachsen im Nüssenberger Busch allmählich zu.

Die Betonreste des Infanteriestützpunkts wachsen im Nüssenberger Busch allmählich zu.

Robert Schwienbacher ist Vorsitzender des Vereins „Institut für Festungsarchitektur“ (Crifa) und kennt sich aus mit den Bollwerken, die ab 1816 rund um die mittelalterliche Stadtmauer und ab 1873 in Höhe der heutigen Militärringstraße errichtet wurden. Die Forts und Zwischenwerke waren für tausende Soldaten ausgelegt, die immer mit Angriffen aus Richtung Frankreich rechneten.

Versailler Vertrag schrieb die Zerstörung der Festungen vor

In seiner letzten Ausbaustufe bestand der 42 Kilometer lange äußere Verteidigungswall aus 182 kleineren und größeren Bauwerken. Mit 60.000 Soldaten bildete Köln die größte Festung des Deutschen Reichs. „Die Festungen waren aber niemals fertig“, sagt Robert Schwienbacher: „Man hat immer weitergebaut, geändert, verstärkt.“ Bis nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg der Versailler Vertrag die Schleifung aller Anlagen vorschrieb.

Die Mengenicher Vorfront gehörte zu den jüngsten Erweiterungen des Verteidigungsrings. Das System aus drei Infanteriestützpunkten, kleineren Anlagen, Schützenstellungen und Gräben wurde erst ab 1907 auf den Hügeln von Bocklemünd/Mengenich errichtet, um die dahinter liegenden Forts III und IV sowie die dazugehörigen Zwischenwerke zu schützen. Die lagen nämlich in einer Senke, was strategisch eher ungünstig war. Auch in Rodenkirchen und Stammheim musste der äußere Festungsring auf ähnliche Weise ausgebaut werden.

Heute existieren noch 18 Festungsteile aus preußischer Zeit

Die Blöcke im Wald gehören zum mittleren der drei Infanteriestützpunkte. Etwa 100 Soldaten konnten hier unter einer zwei Meter dicken Betonschicht Unterschlupf finden. Anders als die Bunker aus der Nazizeit bestanden sie jedoch nicht aus Stahlbeton. „Hier ist kein Millimeter Eisen drin“, sagt Robert Schwienbacher mit Blick auf die schon reichlich zugewachsenen Formationen nahe der Autobahn. Deshalb hätte der Beton einem Beschuss auch nicht standgehalten: „Als man diese Festung gebaut hat, war sie eigentlich schon überholt.“

Ab 1919 waren private Baufirmen damit beschäftigt, im Auftrag der Stadt die Forts und Festungen zu sprengen, streng überwacht von den Siegermächten. Nur 26 Gebäudeteile durften stehen bleiben, um in den Grüngürtel integriert zu werden. Aber auch sie wurden militärisch unbrauchbar gemacht. Heute existieren noch 18 Festungsteile aus preußischer Zeit. Denn noch bis in die 1970er Jahre hinein wurden einzelne Bauwerke aus Sicherheitsgründen gesprengt. Was übrig blieb, steht heute unter Denkmalschutz.

In den 1920-er Jahre gehörten Lärmbelästigungen und Schäden durch Druckwellen zum Alltag der Kölner. „Schon seit Monaten vernimmt man von der Ringstraße her die dumpfen Geräusche von anscheinend krepierenden Granaten“, schrieb die „Rheinische Volkswacht“ 1920: „Die gewaltigen Betonbauten unter den unscheinbaren Hügeln im Gelände vor Köln werden mit starken Sprengstoffen zertrümmert.“ Im November 1920 starben sechs Arbeiter, als in der Nähe von Bocklemünd eine Sprengladung zu früh explodierte. Mehrere Männer wurden durch herumfliegende Betonstücke verwundet.

Heute seien im Schnitt alle 50 bis 100 Meter Betonreste im äußeren Grüngürtel zu finden, so Robert Schwienbacher. Während die Ziegelsteine der Forts während und nach dem Zweiten Weltkrieg für den Wiederaufbau fortgeschafft wurden, blieben die grauen Blöcke liegen. Auch im Nüssenberger Busch sind gleich an mehreren Stellen massive Betonklötze zu finden. Für die Hohlräume interessierten sich immer wieder Schatzsucher, weiß der Experte zu berichten. Hier muss Robert Schwienbacher aber die Erwartungen dämpfen: „Keiner hat einen Schatz in so einem Ding gelassen und sprengt es dann.“