Der Kölner Regierungspräsident Dr. Thomas Wilk hat überraschend seinen Rückzug angekündigt. Mit Wirkung zum 1. Februar hat er die Landesregierung gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.
Aus persönlichen GründenKölns Regierungspräsident Wilk tritt vom Amt zurück

Regierungspräsident Dr. Thomas Wilk während des Redaktionsgesprächs in Rundschau-Haus Köln.
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Mit Demut, Respekt, gesundem Selbstvertrauen, Optimismus und Freude, werde er am 1. September seinen Dienst als neuer Kölner Regierungspräsident beginnen, hatte Dr. Thomas Wilk Ende August 2022 bei der Verabschiedung seiner Vorgängerin Gisela Walsken gesagt. Nun, knapp dreieinhalb Jahre später, völlig überraschend seinen Rückzug schon zum Monatsende angekündigt. Der Entschluss sei aus persönlichen Gründen gefallen, die im direkten Zusammenhang mit der besonderen Beanspruchung durch das Amt stehen, heißt es in seiner Erklärung.
Landesregierung schon im Dezember informiert
Schon Ende der kommenden Woche wird der gebürtige Dortmunder wohl seinen Schreibtisch in Köln endgültig räumen, dann schließt sich ein zweiwöchiger Urlaub an, wie aus dem Regierungspräsidium am Mittwoch zu erfahren war. Was dann kommt, sei offen. Im Gespräch mit der Rundschau erläuterte Wilk am späten Nachmittag, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen sei, weil er das Amt und die Arbeit sehr gerne mache. Die Anforderungen aber an das Amt und seine Person seien sehr hoch und es falle schwer, immer seinen eigenen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, sagte Wilk. Zugleich wies er Spekulationen zurück, er sei ernsthaft erkrankt. Das sei nicht so.
Im Dezember habe er die Landesregierung über seinen Entschluss informiert und das weitere Vorgehen besprochen, so Wilk. Nach Bekanntwerden seiner Entscheidung habe er viele positive Reaktionen erfahren, vor allem Respekt. Er wolle nach dem Urlaub möglichst bald wieder arbeiten, als Anwalt für Verwaltungsrecht. Wo und wann, sei aber noch offen, sagte der Vater von zwei Kindern der Rundschau.
Wilk hatte sich in seiner Amtszeit zuletzt für eine durchgreifende Verwaltungsreform starkgemacht. In einem Redaktionsgespräch im Rundschau-Haus in Köln hatte er Pläne erläutert, wie gesetzliche Regeln modellhaft außer Kraft gesetzt und mehr Handlungsspielräume geschaffen werden können, um schneller im Interesse individueller Antragsteller entscheiden zu können. Beispielsweise dadurch, dass zwischen Behörden Fristen gesetzt werden, in denen die Verwaltung reagieren muss. Verfällt die Frist, gilt die Sache als genehmigt, und kann von der anderen Behörde weiterbearbeitet werden.
Wilk bereitet geordnete Übergabe vor
Für die verbleibende Amtszeit als Regierungspräsident hat sich Wilk vorgenommen, wichtige Dinge vorzuziehen, um eine geordnete Übergabe der Geschäfte vorzubereiten.
Wilk ist Volljurist. Vor seinem Studium hatte er eine Ausbildung bei einer Stadtverwaltung gemacht. Nach seiner Promotion, übrigens in Medizinrecht, war er Justiziar im Rechtsamt der Stadt Bochum, Beigeordneter für Recht und Ordnung der Stadt Gladbeck sowie juristischer Dezernent bei der Bezirksregierung Arnsberg. Von 2013 bis 2018 war Wilk Kreisdirektor und -kämmerer des Kreises Unna. Und dann Leiter der Abteilung Bauen sowie des BIM-Competence-Centers im NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung.
Zudem hat er an der Technischen Universität Dortmund seit 2021 einen Lehrauftrag zum Digitalen Bauen und für Öffentliches Recht. Diese Arbeit möchte er auch künftig fortsetzen.
Nachfolger wahrscheinlich auch aus den Reihen der SPD
In NRW gibt es insgesamt fünf Bezirksregierungen. Sie fungieren als Bindeglied zwischen der Landesregierung einerseits und den Kommunen, den nachgeordneten Behörden, den Unternehmen, Verbänden und Bürgern andererseits. Als regionale Behörden koordinieren Bezirksregierungen nahezu jedes Thema in der Verwaltung, vertreten die Landesregierung im Bezirk, stimmen Meinungen ab.
Nachfragen beim NRW-Innenministerium, wie in Kürze die Nachfolge an der Behördenspitze geregelt werden wird, blieben bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Es gilt allerdings als sicher, dass auch der nächste Regierungspräsident oder die nächste Regierungspräsidentin ein SPD-Parteibuch haben werden.
