Kölns „Wolkenkratzer“Axa-Hochhaus braucht dringend eine Fassaden-Sanierung

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Das Axa-Hochhaus, vor über 40 Jahren als „Colonia-Haus“ errichtet.

Köln – Als Maximo Victoria vor 42 Jahren mit seiner Mutter und seinem Bruder ins „Colonia-Haus“ am Riehler Rheinufer zog, war er gerade zwölf Jahre alt und das damals höchste Wohnhochhaus Europas erst ein Jahr fertig. Bis heute sei er fasziniert von dem „ganz besonderen Ort in Köln“, sagt der inzwischen 54-Jährige, der in dem „Wolkenkratzer“ aufwuchs und heute mit seiner Frau die 31. und 39. Etage bewohnt. „Die großartige Aussicht, das tolle Licht in den Wohnungen, die Nähe zum Rhein.“ Und: „Man kennt sich im Haus, trifft sich.“

Als Architekt, früher in einem renommierten Düsseldorfer Büro, heute selbstständig, bringt der gebürtige Argentinier viele Jahre Erfahrung in der Planung von Hochhäusern mit. Da lag es nahe, dass die Eigentümer der 352 Wohnungen den Fachmann auch mit der Konzeption und Durchführung der dringend nötigen Fassaden-Sanierung beauftragten. Dieser Auftrag bedeute „viel Arbeit“, sei für ihn aber auch „eine Herzensangelegenheit“, sagt Victoria: „Ich möchte eine gute Lösung für alle haben.“

Der Architekt und Miteigentümer hofft, dass die seit Jahren diskutierten und komplexen Bauarbeiten an den maroden Balkonen Anfang nächsten Jahres endlich beginnen können. Im November sollen der Eigentümergemeinschaft die Sanierungs-Varianten und Firmen-Angebote vorgestellt werden. Die Verhandlungen mit den Generalunternehmern, die die Arbeiten ausführen sollen, befänden sich vor dem Abschluss, sagt Victoria.

Neue Fassade für fünf Kilometer Balkon

Vorgesehen ist, die brüchigen und teils schon provisorisch gesicherten Waschbetonplatten der Balkone abzubauen und sie durch leichtere Aluminium-Elemente zu ersetzen. „Diese Konstruktion wird 50 Jahre und mehr halten“, ist der Architekt überzeugt. Im Rahmen der Sanierung sollen zudem die verbleibenden Betonflächen saniert und die Balkone innen erneuert werden. Ihre Tragplatten sind noch in Ordnung.

Auf der fünften Etage gibt es schon einen Musterbalkon mit Varianten einer Aluminiumgestaltung – unter anderem mit der Oberflächenstruktur des ursprünglichen Waschbetons, um im Sinne des Denkmalschutzes dem Original weitgehend zu entsprechen.

Um die neuen Fassaden-Elemente anzubringen, soll das 147 Meter hohe Gebäude bis auf 135 Meter (43. Etage) entweder eingerüstet oder etagenweise von oben nach unten mit Klettermastbühnen versehen werden, erläutert der Architekt. Letztere Lösung würde eine Sanierungszeit von zwei Jahren bedeuten – etwa doppelt so lange wie die komplette Einrüstung.

Mindestens 17,5 Millionen Euro werde die Aluminium-Fassade kosten, so Victoria, pro Quadratmeter Wohneigentum umgerechnet 630 Euro. Die Wohnungen – von der dritten bis zur 41. Etage – sind zwischen 45 und 120 Quadratmeter groß. Neue Waschbetonplatten entsprechend der Original-Konstruktion von Architekt Hendrik Busch hält Victoria nicht für sinnvoll. Sie würden nicht nur neun Millionen Euro teurer, sondern seien auch wegen ihres Gewichts und der schwierigen Montage problematisch. Insgesamt gehe es um fünf Kilometer Balkonfläche.

Weil das von der Colonia-Versicherung erbaute und nach deren Verkauf an die Axa umbenannte Hochhaus „wegen seiner städtebaulichen Wirkung und der skulpturalen Behandlung des Baukörpers“ seit 2015 unter Denkmalschutz steht, ist Stadtkonservator Dr. Thomas Werner eng in die Planung eingebunden. Letzten Endes müssen nicht nur die vielen Eigentümer, sondern auch er die Gestaltung absegnen.

Die größten Herausforderungen des Projekts seien „die Logistik der Baustelle“ und die „Entfernung der tonnenschweren Betonelemente“, sagt Victoria, „und natürlich, das Bauen im Bestand sozialverträglich hinzukriegen“. Das soll heißen: so kostengünstig wie möglich und mit so wenig Lärm wie möglich für die Eigentümer.

Die höchsten Bauten

Fernmeldeturm Colonius: 266 Meter

Kölner Dom: 157 Meter

KölnTurm: 148 Meter

Axa-Hochhaus: 147 Meter

Funkhaus Deutsche Welle (soll 2017 abgerissen werden: 138 Meter

Uni-Center: 131 Meter

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