Rolf Mandelartz verbrachte beinahe sein ganzes Leben in Köln. Ein Rückblick auf viele erfüllende Jahre mit einem entscheidenden Glücksmoment.
„Kölscher Jung“Kölner wird 100 Jahre alt – Wieso er nie wegziehen wollte

Rolf Mandelartz feiert 100. Geburtstag.
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Als Rolf Mandelartz auf einem Schlachtfeld in Ungarn kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Schützenloch liegt, durchschlägt eine Kugel seinen Fuß. Heute, 81 Jahre später, sitzt Mandelartz in einem Pflegeheim in Lindenthal – in orthopädischen Schuhen, die er noch immer tragen muss. Am kommenden Samstag, den 15. August, feiert der Kölner seinen 100. Geburtstag.
Sein Glück: Er lag damals gewissermaßen „falsch herum“ im Erdloch, die Schüsse kamen von hinten. Andersherum, erinnert sich der 99-Jährige, hätte die Kugel seinen Kopf getroffen: „Dann wäre ich nicht mehr, das war Glück.“
Rückkehr in zerstörtes Köln
Mandelartz wird schwer verwundet, aber überlebt. Monatelang behandeln ihn Ärzte in Nürnberg. Dann kehrt er 1945 zurück in seine Geburtsstadt Köln, der er sein Leben lang treu bleiben wird – die er zerbombt aber kaum wiedererkennt. „Da bin ich die Hohe Straße entlanggelaufen. Da stand kein Stein auf dem anderen.“
Als junger Mann heuert er beim Kölner Versicherungskonzern Gerling an. Dort, gibt Mandelartz freimütig zu, habe man damals jeden genommen. „Ich hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung“, sagt er und lacht. Mandelartz beweist sich, landet in der Finanzabteilung und bleibt dort bis zur Rente. Den Job habe er zwar gerne gemacht, aber in Erinnerung blieb ihm vor allem die Freizeit danach.
Freizeitsport und Schwimmen im Rhein
Mit seiner Freundesclique trifft er sich damals immer auf den Poller Wiesen, wo sie gemeinsam Sport treiben. Mandelartz freut sich, als Gerling Gleitzeit einführt. „Ich war in der Firma morgens praktisch immer der Erste und dann spätestens Viertel nach vier auf den Poller Wiesen.“ Nachdem die Severinsbrücke Ende der 50er Jahre gebaut wurde, seien sie von dort gerne rheinabwärts bis zur Hohenzollernbrücke geschwommen, immerhin 1.400 Meter. Sportlich bleiben – ist das das Geheimnis für ein 100-jähriges Leben? Mandelartz lächelt, da ist er sich selbst nicht sicher.
Ist es das Lesen vielleicht? Auf seinem Tisch liegen etliche Zeitschriften und Sachbücher. Selbst medizinische Fachliteratur liest Mandelartz bis heute gerne, schlägt auch mal nach, wenn er von einem neuen Leiden eines anderen Heimbewohners erfährt. Warum? „Damit ich die Leute, die ein Wehwehchen haben, aufklären kann.“
Die Liebe zu Köln
Wenn Mandelartz nicht liest oder schläft, besucht er seine Frau Mia im fünften Stock desselben Hauses. Dort hat sie extra in der Nähe ihres Mannes, der Pflege in Anspruch nimmt, eine Wohnung. Wenn Mandelartz da ist, sonnt er sich auf ihrem Balkon oder sieht mit ihr fern. Seine Frau hat er Ende der 50er Jahre auf einem Betriebsausflug in Bad Godesberg kennengelernt. Sie arbeitete damals für kurze Zeit in der betriebseigenen Gastronomie bei Gerling. Mit ihr und alleine reiste er später unter anderem nach Südafrika, Mexiko und Thailand, fuhr sogar mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland. „Ich habe die Welt gesehen“, sagt Mandelartz. Nicht nach Köln zurückzukehren, das kam ihm nie in den Sinn.

Rolf Mandelartz gemeinsam mit Ehefrau Mia
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Wer ihn fragt, was er an Köln so liebt, warum er in größter Selbstverständlichkeit nie woanders gelebt hat, bekommt keine Antwort, sondern eine musikalische Aufführung: „Ich ben ene kölsche Jung, wat wills de maache? Ich ben ene kölsche Jung und dunn jähn lache.“
Kölsche Lieder zum Geburtstag
Seinen 100. Geburtstag will er mit seiner Familie, mit Freunden und Mitbewohnern aus dem Heim feiern. Viele Gedanken dazu mache er sich nicht, sagt er. Aber singen, so wie jeden Dienstag in der Gesangsgruppe seines Heims, das stehe fest, wird er auch dann wieder. Kölsche Lieder, was denn sonst. „Ich bin och söns nit schlääch, nä, ich ben brav. Ming Lieblingswöötche heiß: Kölle Alaaf!“