Kusama ist mutmaßlich die erfolgreichste Ausstellung, die im Ludwig je gezeigt wurde. Das Museum plant gerade zusätzliche Slots im Juli. Die Stadt prüft eine einmalige 24-stündige Öffnung.
„Können Ausstellung nicht unendlich vollknallen“Kusama in Köln ist komplett ausgebucht

Besucher im Infinity Mirrored Room, die Ausstellung ist noch bis zum 2. August im Museum Ludwig zu sehen.
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„Kürbisse sind liebenswert und ihre wunderbar wilde und humorvolle Ausstrahlung berührt immer wieder die Herzen der Menschen. Es sind die Kürbisse, die mich weitermachen lassen“, heißt es im Gedicht „Über Kürbisse“ der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama, die einem ihrer Lieblingsmotive im Laufe der Jahrzehnte Hunderte Werke gewidmet hat. Ein übergroßes gelbes, besonders prominentes Exemplar mit schwarzen Punkten thront derzeit im Foyer des Museum Ludwig.
Doch Kunst- und Kulturinteressierte ohne Kusama-Ticket müssen nun befürchten, dass sie nur diesen – auch wenn bereits beeindruckenden – Kürbis am Eingang betrachten dürfen, und nicht mehr in den Genuss der übrigen 300 Werke von Kusama kommen werden, die noch bis zum 2. August in Köln zu sehen sind. Denn die Online-Tickets für die spektakuläre Kusama-Schau sind bis zum letzten Tag vergriffen. „Der Erfolg dieser Ausstellung ist außergewöhnlich. Deshalb möchten wir neue Wege gehen, um möglichst vielen Menschen den Besuch zu ermöglichen. Dazu gehören verlängerte Öffnungszeiten, und sogar die Idee einer einmaligen 24-stündigen Öffnung des Museums prüfen wir zurzeit“, sagt Kulturdezernent Stefan Charles auf Nachfrage dieser Redaktion.

Der übergroße Kürbis im Foyer des Museum Ludwig. Kürbisse sind für Yayoi Kusama Trostspender.
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Direktor des Museum Ludwig begeistert über Erfolg von Kusama in Köln
Bis dahin kann man es auf Plattformen wie Ebay-Kleinanzeigen versuchen. Dort gibt es nach einem kurzen Blick vor allem zahlreiche Gesuch-Einträge und nur vereinzelt Angebote. Ein Nutzer bietet 90 Euro für zwei Tickets. Der reguläre Preis liegt bei 19,80 Euro zuzüglich Gebühren. „Wir arbeiten gerade daran, zusätzliche Abends-Slots für Juli freizuschalten“, sagt die Sprecherin des Museum Ludwig Anne Niermann auf Nachfrage dieser Redaktion. Diese werden laut Sprecherin Ende nächster Woche verfügbar sein. An mehreren Abenden unter der Woche wird das Museum Ludwig im Juli seine Öffnungszeiten von 18 Uhr auf 20 Uhr ausweiten, es gibt pro Slot um die 350 Tickets, an den Wochenenden ist bereits bis 20 Uhr geöffnet. Sie werden ausschließlich online verkauft.
„Wir sind begeistert über den riesigen Erfolg dieser Ausstellung. Unsere Besucherinnen und Besucher sind sehr angetan von dem außergewöhnlichen Erlebnis, das ihnen die Begegnung mit Yayoi Kusamas Kunst bietet. Wir freuen uns, für den Juli verlängerte Öffnungszeiten ermöglichen zu können“, sagt Direktor Yilmaz Dziewior, auf Nachfrage.
Der Großteil der Besucher komme aus Köln und Umgebung, Gäste aus dem Ausland kommen vor allem aus den Niederlanden und der Schweiz. „Die beeindruckende Auslastung der Kusama-Ausstellung bis zum Laufzeitende unterstreicht die internationale Strahlkraft dieser Ausnahmekünstlerin und die Attraktivität Kölns als Kulturstandort. Solche Blockbuster-Ausstellungen ziehen ein kulturaffines Publikum aus dem In- und Ausland an und setzen spürbare wirtschaftliche Impulse für die Stadt“, sagt Stephanie Kleine Klausing, Geschäftsführerin von Köln-Tourismus. Ob die Ausstellung beispielsweise auch zu einer größeren Auslastung der Hotels geführt hat, kann allerdings noch nicht gesagt werden. Diese Zahlen liegen immer erst mit einiger Verzögerung vor.
Kusama in Köln: Verlängerung der Ausstellung nicht vorgesehen, weil sie nach Amsterdam wandert
Bei der bisherigen Rekord-Ausstellung des Museum Ludwig von Edward Hopper im Jahr 2004, die insgesamt 388.000 Besucherinnen und Besucher lockte, habe man gegen Ende der Schau ebenfalls mit erweiterten Uhrzeiten gearbeitet. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir digital so schnell ausverkauft sind, auch wenn uns irgendwann klar wurde, dass wir vor Ende der Laufzeit ausverkauft sein werden“, sagt Niermann über die Kusama-Schau.
Zwar werd egerade eine einemalige 24-Stunden-Öffnung geprüft, aber bisher war eine lange Museumsnacht, oder eine Öffnung bis Mitternacht, aufgrund mangelnder Ressourcen keine Option gewesen. „Es ist schwierig, Personal zu gewinnen. Wir haben bereits zusätzliches Sicherheitspersonal angestellt, die brauchen auch Ruhezeiten. Das geht nicht, wenn sie bis spätabends hier sind und am nächsten Tag um 10 Uhr weiterarbeiten müssen.“ Auch eine Verlängerung der Ausstellung sei ausgeschlossen, da es sich um eine Wanderausstellung in Kooperation mit der Fondation Beyeler in Basel und dem Amsterdamer Stedelijk-Museum handelt.
Nächster Halt der Kusama-Schau ist Amsterdam, wo die Ausstellung am 11. September startet. Man kann die Tickets im Vorverkauf bereits erwerben: Erwachsene zahlen hier 32,50 Euro. „Es braucht eine Abbauzeit und eine Aufbauzeit und die ist bereits knapp bemessen“, so die Sprecherin. Aufbau und Logistik seien ein Kraftakt gewesen, 24 doppelte LKW brachten die Werke aus der Schweiz nach Köln, sagte Direktor Yilmaz Dziewior.

Die Besucher spiegeln sich in den zahlreichen Spiegeln in Kreisform.
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Merchandise-Produkte von Kusama in Köln laufen sehr gut
Den Frust der Menschen, dass sie aktuell leer ausgehen, kann sie verstehen, aber: „Wir müssen auch die Kunst schützen, und können die Ausstellung nicht unendlich vollknallen. Dann besteht die Gefahr, dass Menschen zu nah an die Werke kommen und sie irgendwann unzufrieden werden, wenn es zu voll ist.“ Die Ausstellung beinhaltet nicht nur die sogenannten „Infinity-Rooms“, also die raumgreifenden Installationen, sondern auch kleine graphische Werke der 97-Jährigen Künstlerin, die man in vierter oder fünfter Reihe nicht mehr gut erkennen könne.
Das Museum Ludwig hat 300 Werke zusammengestellt, von der ersten Zeichnung von circa 1934 bis heute, außerdem Malerei, Skulptur, Mode, Performance und Literatur. Die Installationen ermöglichen intensive sinnliche Erfahrungen, doch auch die Biografie der Künstlerin, der offene Umgang mit ihrer mentalen Gesundheit– Kusama lebt und arbeitet seit 1977 freiwillig in einer Psychiatrie in Tokio – sowie ihre Präsenz in einer männlichen dominierten Welt zieht die Leute in den Bann der Kunst, die für Kusama therapeutische Wirkung hat.

Markenzeichen von Yayoi Kusama sind die Punkte, hier in einer Videoinstallation.
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Der Ansturm auf das Museum Ludwig ist seit Start Mitte März ungebrochen. Schon nach 16 Tagen wurden 50.000 Besucherinnen und Besucher gezählt, einen Monat später überraschte Oberbürgermeister Torsten Burmester die 100.000 Besucherin. Mittlerweile sind 280.000 Menschen gekommen (Stand 5. Juni). Im Vorfeld hatte das Museum Ludwig mit 300.000 Besuchern gerechnet, dieses Ziel wird sicher weit übetroffen: Kusama ist mutmaßlich die erfolgreichste Ausstellung, die im Ludwig je gezeigt wurde.

Die Installation „I Spend Each Day Embracing Flowers“ von Yayoi Kusama steht auf der Dachterrasse des Museum Ludwig vor dem Dom.
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Die Welt der Künstlerin aus Punkten, Kürbissen, Netzen und Phallus-Symbolen kursiert vielfach auf Social Media, aber die Besucher möchten auch ein Stück des Kusama-Kosmos mit in die eigenen vier Wände nehmen. Kaum zwei Wochen waren vergangen, da war die erste Auflage des Katalogs bereits vergriffen, mittlerweile gingen 5000 Exemplare über die Theke. „Das sind rund viermal so viele wie bei anderen großen Sonderaustellungen“, sagt die Sprecherin. Das Merchandise laufe nach wie vor „extrem gut“: 3000 Poster, 1800 Taschen und Tausende Postkarten wurden bisher verkauft. (mit cv)
Erfolgreiche Ausstellungen in Köln. Eine Auswahl:
1980 war die Wanderausstellung „Tutanchamun“ im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen, die 1,3 Millionen Menschen in die Zeughausstraße lockte. Sie zeigte 55 Originalstücke aus Ägypten. Highlight: Die goldene Totenmaske des legendären Pharao. Es ist die erfolgreichste Einzelausstellung, die es in Köln je gab.
2004: „Der Blaue Reiter“ mit Werken des Expressionismus im Museum Ludwig verzeichnete innerhalb von drei Monaten 246.000 Besucher.
2004/5: Das Museum Ludwig präsentierte Werke des US-Malers Edward Hopper (1882-1967). Innerhalb von drei Monaten kamen rund 388.000 Besucher. 20 Jahre lang waren die Bilder nicht mehr in Deutschland zu sehen gewesen. Das berühmteste Werk des New Yorker: „Nighthawks“.
2012: „David Hockney – A Bigger Picture“ im Museum Ludwig von Oktober 2012 bis Anfang Februar 2013. Es kamen rund 251.000 Besucherinnen und Besucher.
2019/20: Das Wallraf-Richartz-Museum hat mit der Ausstellung „Inside Rembrandt“ anlässlich des 350. Todestages des niederländischen Malers einen Ausstellungshit gelandet. Mehr als 160.000 Besucher zählte das WRM.
