Eine gute Ausbeute erzielte die Auktion im Kunsthaus Lempertz. Die Perserteppiche aus dem Kölner Rathaus gingen Schlag auf Schlag weg. Kein Wunder, denn viele wurden von prominenten Füßen betreten.
Kunsthaus Lempertz80.000 Euro für den „Queen-Teppich“ in Köln erzielt

Von der Queen mit den Füßen geadelt: Der große Rathausteppich fand schnell einen neuen Besitzer bei einer Auktion im Kunsthaus Lempertz.
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Premiere im Kunsthaus Lempertz: Erstmals sitzen die Bieter auf dem Objekt, das zur Auktion aufgerufen wird. „Das habe ich noch nie gemacht“, sagt Lempertz-Geschäftsführer Henrik Hanstein. Aber wie hätte auch der 14 Meter lange Teppich aus dem Hansasaal des historischen Rathauses zu Köln präsentiert werden sollen. Und allzu lange musste er auch nicht belastet werden, denn die Gebote für den wertvollen „Perser“, auf dem schon Queen Elizabeth, zwei Päpste und John F. Kennedy standen, kamen Schlag auf Schlag. Bis das höchste Gebot feststand: 80 000 Euro. Lempertz hatte das „einmalige Stück mit großer Historie“ für einen Schätzwert von 30 000 eingestellt.
Den „kleinen Brüdern“ des großen Rathausteppichs erging es nicht schlechter. Ein Perser, der bei größeren Empfängen gerne dazugelegt wurde, und mit einer mit einem strahlendem Blau als Grundfarbe lockte, ging für 46 000 Euro weg. Hier lag der Schätzpreis bei 9000 Euro. Der große und der kleine Rathausteppich wurden aus dem Saal heraus ersteigert, beide von einem Bieter, der von Auktionator Hanstein als „Sir Wilhelm“ angesprochen wurde. Hat da etwa das englische Königshaus zugeschlagen?
Und auch die restliche „Auslegeware“ aus dem historischen Rathaus findet Abnehmer. Ein dritter Teppich, ebenfalls ein Perser, erzielt 40 000 Euro, der letzte 11 000.
In Summe also 177 000 Euro für die Stadtkasse. Da wird sich die Oberbürgermeisterin freuen, resümiert Hanstein. Dabei gab es wohl sogar mal den Gedanken, die Teppiche zu entsorgen. Die werden nicht mehr benötigt, weil der Hansasaal restauriert wird. Der schadhafte Fliesenboden wird durch Parkett ersetzt.
Die Rathausteppiche haben eine bewegte Geschichte. Im „Dritten Reich“ wurden die Arbeiten in Auftrag gegeben, für „Repräsentationszwecke“. Als die Teppiche in Persien gefertigt waren, lag Deutschland bereits in Trümmern. Die wertvollen „Perser“ wechselten mehrfach den Besitzer und landeten schließlich im Kölner Kaufhof zum Verkauf. Von dort erwarb sie die Stadtverwaltung. Im Hansasaal sorgten sie schließlich dafür, dass hochrangiger Besuch auf diplomatischen Pfaden nicht ins Schlingern geriet.
CDU wollte Verkauf noch verhindern
Eben dieser historische Hintergrund veranlasste die CDU in der Bezirksvertretung Innenstadt, den Verkauf noch per Dringlichkeitsentscheid zu verhindern. „Die Bezirksvertretung Innenstadt stimmt einer Veräußerung der vier historischen Teppiche nicht zu. Sie haben im Eigentum der Stadt zu verbleiben“, steht in dem Antrag. Die Veräußerung müsse zurückgenommen werden, lautet die Aufforderung an die Verwaltung. Seien die Teppiche doch ein unverzichtbarer und originärer Teil der Gesamtkonzeption der Repräsentations- und Empfangsräume des Historischen Rathauses. Aber der Dringlichkeitsantrag ist mit dem Datum 16. November überschrieben – einen Tag vor der Auktion. Zu spät.