- Die Lanxess-Arena war am Freitag sowohl für ein Handball-Länderspiel als auch für ein Spiel der Kölner Haie gebucht worden.
- Statt findet das Eishockey-Spiel, Handball ist auf Samstag verlegt.
- Das hat Folgen: DHB-Vize Hanning verärgert und will keine Handball-WM-Spiel in Köln austragen.
Köln – Für einen Zocker will Stefan Löcher, Chef der Lanxess-Arena, nicht gehalten werden, das ist ihm wichtig. „Wir pokern nicht rum, wenn es um die Belegung der Halle geht“, stellt er im Gespräch mit der Rundschau klar.
Die Doppelbelegung der Arena am Freitagabend mit dem Handball-Länderspiel zwischen Deutschland und Dänemark und dem Playoff-Halbfinale der Kölner Haie hatte vor allem in Handball-Kreisen für Unmut gesorgt.
Nun wird in der Arena einen Tag später Handball gespielt. Gerade in den Playoffs fußen die Terminplanungen – wie im aktuellen Fall– auf sehr dünnem Eis. Wir erklären die Gründe:
Die Playoffs
Jedes Jahr reserviert die Arena-Management GmbH als Betreiber der Kölner Halle 24 Playoff-Termine für die Kölner Haie – einschließlich Finale. „Weil vor der Saison nicht absehbar ist, wann die Haie Heimrecht haben, müssen alle Termine geblockt werden“, erklärt Stefan Löcher.
Risikogeschäft
Hin und wieder setzen die Arena-Verantwortlichen bei den Terminplanungen auf Risiko und nehmen Doppelbelegungen in Kauf. Zuletzt ging das gut, denn als Sänger Samu Haber mit Sunrise Avenue am 11. März in der Arena spielte, traten die Haie am gleichen Abend in den Pre-Playoffs in Mannheim an. Planbar war das nicht. Wer wann Heimrecht genießt, hatte sich erst zum Ende der Hauptrunde entschieden – da waren die Verträge für das Konzert schon lange unterzeichnet. „Wenn wir uns für eine Doppelbelegung entscheiden, haben wir immer Ausweichtermine in der Hinterhand“, erklärt Löcher. In diesem Fall erwies sich die Verschiebung des Handballspiels jedoch als schwierig, weil die Begegnung unter anderem im dänischen Fernsehen live übertragen wird. Nicht immer ließen sich in den vergangenen Jahren Notlösungen finden. Weil die Haie 2013 das Finale erreichten, musste ein Termin der Pferde-Show Apassionata abgesagt werden. Als Entschädigung hatte die Arena-Führung alle Kartenkäufer wahlweise zu „Holiday on Ice“ oder einem Haie-Heimspiel der Folgesaison eingeladen.
Leere Halle
Jeder leere Tag sei ein schlechter Tag, diese betriebswirtschaftliche Erkenntnis äußert Stefan Löcher immer wieder mal . Leere Tage gab es im Frühjahr 2015 jede Menge in der Arena, weil die Kölner Haie die Playoffs verpasst hatten. Die Arena-Verantwortlichen hatten sogar lukrative Konzertanfragen wegen der Playoff-Reservierung absagen müssen. Ebenso in diesem Jahr. „Weil wir nicht pokern wollten, haben wir dieses Mal für die Playoffs auf fünf garantiert ausverkaufte Konzerte verzichtet“, sagt Löcher. Finanziell bedeutet dies einen Verlust, weil durch die Hallenvermietung für ein Konzert mehr Geld zu verdienen ist als beim Eishockey. „In der Eishockeyliga gibt es ein großes Ungleichgewicht. Einige Clubs spielen in städtischen Hallen und zahlen kaum Miete“, erklärt Löcher. Soll heißen: Als Ankermieter der Arena zahlen die Haie eine Summe, die für beide Seiten akzeptabel ist.
Köln bei der Handball-WM nicht dabei
DHB-Vizepräsident Bob Hanning hat mit großem Unmut auf die Verlegung des Länderspiels der deutschen Handballer wegen der doppelt belegten Halle in Köln reagiert.
„Das ist für unsere Fans und Sponsoren nicht hinnehmbar. Ich bin bedient“, sagte der verärgerte Hanning der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Jugendteams hätten extra für das am Freitag geplante Spiel gegen Dänemark Busse bestellt, beklagte er: „Die Sponsoren konnten ihre gebuchte Reisen nicht antreten. Der Image-Schaden ist sehr groß.“
„Kurzfristig Tischtennis-Platten aufstellen“
Versöhnlicher gaben sich die Kölner Haie. „Es freut uns, dass es für das Handball-Spiel eine Lösung gibt“, sagte Haie-Geschäftsführer Peter Schönberger, „so können wir uns jetzt - aller ärgerlichen Nebengeräusche zum Trotz - auf ein tolles Sportwochenende in Köln freuen.“
Weil die Kölner Haie am Freitagabend (19.30 Uhr) das erste Playoff-Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft gegen den EHC München spielen, muss der Handball-Europameister nun auf den Samstag (15.45 Uhr/Sport1) ausweichen.
Das Management der Kölner Multifunktions-Arena hat sich entschuldigt. Hanning konnte dies aber nicht versöhnlich stimmen. „Für mich kommt Köln bei der WM 2019 nicht als Spielort in Frage. Vielleicht fällt den Hallen-Betreibern kurzfristig ein, dass sie Tischtennis-Platten aufstellen müssen“, schimpfte er.
Hanning zeigte sich zudem verärgert, dass das Präsidium des Deutschen Handballbundes nicht informiert worden sei. Den Vertrag mit der Arena hatte DHB-Generalsekretär Mark Schober abgeschlossen. „So bitter das ist, die Verlegung unseres Spiels war ohne Alternative.“ (dpa)
