Renaturierung des Frechener BachsBald heißt es "Wasser marsch" in Köln-Marsdorf

Die Zukunft des Frechener Bachs ist sanft geschwungen.
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Marsdorf – Die Renaturierungsarbeiten am Frechener Bach schreiten voran. Deutliches Zeichen ist die nun fertig gestellte Brücke, die das bislang noch trockene neue Bachbett überspannt. Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Einfeldbogenbrücke“, wie Dr. Martin Schoser, Vorsitzender des Bauausschusses im Stadtrat, mitteilt. Die Brücke ist 7,50 Meter lang und vier Meter breit. Es handelt sich um eine Konstruktion aus Holz und Stahl. Das Geländer wurde komplett aus Stahl gefertigt.
Die Brücke ist nötig, weil an dieser Stelle einer der Hauptwege des Äußeren Grüngürtels das neu angelegte Bachbett kreuzt. Den Weg nutzen Fußgänger und Radfahrer, aber auch die Mitarbeiter des Amts für Grünflächen mit ihren Fahrzeugen.
Nach der Sommerpause soll es dann offiziell „Wasser marsch“ heißen, teilt Dr. Joachim Bauer, stellvertretender Leiter des Grünflächenamtes, auf Anfrage mit. Dann ist auch das Schöpfrad fertig, das in Nähe der Straßenbahnhaltestelle Marsdorf das Wasser in das derzeit noch leere Bachbett hebt.

7,50 Meter lang und vier Meter breit ist die neue Brücke über den noch trockenen Bachlauf.
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Die Stadtverwaltung hat sich für den Frechener Bach ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Der Frechener Bach soll renaturiert werden. Die Bauarbeiten erfolgen seit einen knappen Jahr auf einer Länge von 1,6 Kilometern, auf 1,2 Kilometern erhält der Bach ein neues Bett, bei den restlichen 400 Metern fällt lediglich die Betonverschalung weg. Die Kosten betragen rund 1,4 Millionen Euro, das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt zu 80 Prozent. Das sind 1,05 Millionen Euro. Im Vorfeld der Arbeiten hat das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen 23 Erlen verpflanzt, 22 neue Bäume, darunter Buchen, Eichenund Feldahorn, kommen noch hinzu.
Die ersten rund 300 Meter, nachdem der Frechener Bach östlich der A1 Kölner Stadtgebiet erreicht hat, fließt er noch in einem naturnahen Bett. Dann verläuft er begradigt in einer Betonverschalung. Schon nach einem Kilometer mündet der Frechener Bach heute in den Kölner Randkanal. Und fließt in Worringen im äußersten Kölner Norden in den Rhein.
Nach den ersten 300 Metern liegt der Bach normalerweise trocken. Er endet dann in der Nähe der Militärringstraße. Nur nach starkem Regen fließt Wasser über ein sogenanntes „Steuerungsbauwerk“, gemeinhin Wehr genannt, in diesen Teil des Bachlaufs. Und wenn der Wassergraben des Stüttgenhofes aufgefüllt werden muss. Die Hofbesitzerfamilie von Meer hält Wasserrechte.
Dieses Gewässer hat eine Geschichte
Die natürliche Quelle des Frechener Bachs lag früher in Benzelrath westlich von Frechen am Fuß des Vorgebirges. Wegen des räumlich begrenzten Quellgebiets führte der Bach nur eine geringe Menge Wasser und versickerte in einer ehemaligen Rheinrinne in der Nähe des heutigen Stadtwaldweihers.
Trotz des nur zwölf Kilometer langen Verlaufs hat der Frechener Bach die Kulturlandschaft auf beiden Seiten seiner Ufer wesentlich geprägt. Als vor 7000 Jahren Siedler den dortigen Wald rodeten und erstmals als Ackerbauern sesshaft wurden, bestimmten die Nähe zum Wasser und die fruchtbaren Lössböden der Mittelterrasse des Rheins ihre Ortswahl.
Von der Bedeutung des Frechener Bachs im Mittelalter zeugen die ehemaligen Herrensitze Haus Vorst und Stüttgenhof, deren Wassergräben der Frechener Bach speiste oder noch speist, ebenso wie das Gut Keuschhof, die letzte verbliebene historische Hofanlage in Marsdorf.
Mit dem Beginn der industriellen Entwicklung, die auch die Stadt Frechen entscheidend prägte, änderte sich die Lage jedoch grundlegend.
Konnte der Frechener Bach bis dahin die Abwässer der Gemeinde ohne Probleme aufnehmen, so führten die Ansiedlung von Industrieanlagen und der fortschreitende Braunkohletagebau dazu, dass nicht nur die natürliche Quelle versiegte, sondern auch vermehrt Überschwemmungen durch den Bach auf Kölner Stadtgebiet auftraten. Seit 1962 nimmt der Kölner Randkanal das Wasser des Frechener Bachs auf. (ran)
