17 Künstlerinnen und Künstler des Ateliers Köln Süd zeigen Malereien, Fotografien und Objektkunst unter dem Titel „Unorte/Dystopien 2.0“.
„Unorte/Dystopien 2.0“Kunsthalle Lindenthal – Ausstellung zeigt Variationen eines Untergangs

Die Ausstellung „Unorte/Dystopien 2.0“ ist derzeit in Lindenthal zu sehen.
Copyright: Thomas Dahl
Das Leben ist ein Meisterwerk. Dessen Anfertigung ist Mathematik. Eine mögliche Aufgabe im Schulunterricht könnte folgendermaßen lauten: Realität plus Romantik minus Hoffnung ist gleich X. Ermittle die unbekannte Variable. Ein Ergebnis dieser Gleichung kann derzeit in der Kunsthalle Lindenthal betrachtet werden. Mit „Unorte/Dystopien 2.0“ präsentieren 17 Künstlerinnen und Künstler des Atelier Köln Süd ihre Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur und Video. Rund 40 Werke fordern die Betrachter zu Mutmaßungen über den Ist- und Soll-Zustand unserer Zivilisation auf.
In der weitläufigen Räumlichkeit strahlen nicht wenige der rund 40 Exponate die Lust am Untergang sowie die Sehnsucht nach Neuanfängen aus. In der Dramaturgie einer sich stetig nähernden Endzeit werden im nackten Betonbau so manche Fährten gelegt, die in Überraschungen münden. Vermeintliche Natur-Idyllen (Kathrin Siebert) entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als Katastrophe, die schon längst in den Lebensraum der Menschen eingedrungen ist. Scheinbar zugefrorene Elemente (Marianne Otten) ziehen die Augenzeugen sanft ins Bildnis, pulsieren und fließen dort in ein kosmisches Bewusstsein.
Neben der Natur ließen sich die Künstler auch von der fragwürdigen Ästhetik der Großstädte inspirieren. Heruntergekommene Häuserzeilen, Baustellen oder mit Plastikfolie verhängte Schaufenster (Birgit Staudinger) projizieren fragmentarische Erinnerungen, Unruhe und Verfall auf die Netzhäute. Die Umarmung von Schwarz und Rot zu einer angstgetränkten Metropole (Nika Cimpeanu) schreibt ewige Nacht in einen schwelenden Himmel. Die Stille des Ödlands (Liss Nau) dehnt sich nur wenige Schritte weiter wohltuend über den rastlosen Verstand.
Unweit davon ein Stillleben (Irene Sedlaczek), in dem ein üppiger Apfel zum letzten Farbenreigen vor der grau-schwarzen Herrschaft kommender Tage einlädt. Die Vielfalt der Techniken, Motive und Objekte lässt in der Kunsthalle unzählige Variationen des Untergangs, aber auch des Aufstiegs zu. Die sehens- wie fühlenswerte Ausstellung stellt eine Fortführung des Konzepts dar, das vor mehreren Jahren seine Premiere erlebte. Viele der Exponate wurden nach Auskunft der Initiatoren speziell für die Präsentation in Lindenthal angefertigt.
„Unorte/Dystopien 2.0“, Atelier Köln Süd, Kunsthalle Lindenthal, Aachener Straße 220, bis 27. Juni, Mitwirkende sind Uli Brenner, Nika Cimpeanu, Cécile Giriat, Kata Marosvari, Marco Martens, Liss Nau, Marianne Otten, Anna Ponomarenko, Irene Sedlaczek, Silvia Schürgers, K. Siebert, Ruzica Sola, Birgit Staudinger, Petra Steppat, Nina Stücke, Ann Voigt, Barbara Witte, Öffnungszeiten: freitags 17 bis 20 Uhr, samstags 13 bis 17 Uhr, Eintritt frei, www.atelier-koeln-sued.de
