Wie geht es weiter mit dem Geißbockheim-Ausbau? Am 11. Juni steht ein Gerichtstermin an. Der 1. FC Köln will von OB Burmester und der Stadt mehr Aktivität sehen.
„An der Handlung fehlt es noch“FC-Spitze fordert Taten von Kölns OB Burmester zum Geißbockheim-Ausbau

Das Geißbockheim genannte Clubhaus des Fußballverein 1. FC Köln mit dem Trainingsplatz 1 (links) und dem Franz-Kremer-Stadion (rechts) im Äußeren Grüngürtel. Nördlich liegt die Gleueler Wiese.
Copyright: Matthias Heinekamp
Im Streit um den Ausbau am Geißbockheim fordert Fußball-Erstligist 1. FC Köln Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) auf, seinen Worten aus dem Wahlkampf Taten folgen zu lassen. FC-Geschäftsführer Philipp Türoff sagte dieser Redaktion: „Die Rhetorik der SPD und des Oberbürgermeisters im Wahlkampf war positiv, an der Handlung fehlt es noch. Es traut sich weiterhin keiner in Stadtverwaltung und Politik, einfach mal mit dem ersten Schritt anzufangen.“
Burmester hatte sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, dass der FC auf der Gleueler Wiese am Geißbockheim neue Fußball-Plätze bauen darf. Sein erster inoffizieller Besuch nach dem Sieg in der Stichwahl Ende September führte ans Geißbockheim, dort traf er sich mit Türoff und dem Klubvorstand. Türoff nannte Burmesters Wahl damals eine „sehr gute Nachricht“ für den FC.

Der neue Kölner OB Torsten Burmester (Mitte) besuchte im Oktober 2025 vor seinem offiziellen Amtsantritt den 1. FC Köln am Geißbockheim.
Copyright: 1. FC Köln
Kurz darauf jubelte Burmester auch auf der Tribüne gemeinsam mit FC-Präsident Jörn Stobbe über einen Treffer im Heimspiel gegen den FC Augsburg. Burmester sagte danach, „man könnte von einer Art Neuanfang zwischen Stadtspitze und dem FC sprechen“.
Sechs Monate später will Burmester, mittlerweile amtierender OB und nicht mehr Wahlkämpfer, auf Anfrage nicht über das Thema Geißbockheim reden.

Präsident Jörn Stobbe (1. FC Köln) feiert im Oktober ein FC-Tor mit Bürgermeister Torsten Burmester (Mitte) und dem Parteikollegen der SPD, Oliver Seeck (rechts).
Copyright: Herbert Bucco/NOZ
Die Stadt sagte auf die Frage, wie der OB sich zu Türoffs Sätzen äußern will: „Die Stadtverwaltung befindet sich in konstruktiven Gesprächen mit dem 1.FC Köln und anderen Beteiligten, um eine tragbare Lösung zu entwickeln.“ Eine Sprecherin betonte, dass es sich um kein OB-Zitat handelt.
Der geplante Ausbau des 1. FC Köln am Geißbockheim ist seit mittlerweile zwölf Jahren ein Thema. Der ursprüngliche Plan war: Der Klub baut direkt am Geißbockheim ein Leistungszentrum, dafür weicht ein Kunstrasenplatz. Zudem darf er auf der benachbarten Gleueler Wiese, einem Landschaftsschutzgebiet, drei Kunstrasenplätze bauen. Alle diese Flächen gehören der Stadt.
Doch diese Pläne beschäftigten und beschäftigen mehrere Oberbürgermeister, Vereinschefs, politische Parteien und Gerichte, weil sich Ausbaugegner und -befürworter seit Jahren streiten. Ausgang offen.
Bis heute ist unklar, ob der Bebauungsplan wirksam ist. Selbst eine Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts Münster (OVG) wies auf die komplizierte Gemengelage hin, sie erklärte: „Der Plan ist weiterhin in Kraft, so gesehen wirksam und kann damit derzeit Grundlage für die Erteilung von Baugenehmigungen sein. Ob der Bebauungsplan rechtmäßig oder aber unwirksam und damit ungültig ist, muss das OVG in der Verhandlung am 11. Juni klären beziehungsweise im Anschluss daran entscheiden.“
Weil das Gerichtsverfahren seit mittlerweile sechs Jahren läuft, haben die Beteiligten abseits der Gerichtssäle immer wieder versucht, Kompromisse zu finden, um voranzukommen.

Überblick über mögliche neue Fußballplätze und den Ort für das geplante Leistungszentrum.
Copyright: KStA-Grafik;Foto:GoogleEarth/ImageLandsat/Copernicus
Der vorerst letzte stammt aus dem Jahr 2024: Er sieht vor, zwei Plätze etwas weiter nördlich im Grüngürtel herzurichten (rund 1,5 Kilometer entfernt) und möglicherweise einen neuen Kunstrasenplatz auf der Bezirkssportanlage Weiden (rund 8,5 Kilometer entfernt) zu bauen, für den FC, aber auch für die bisherigen Nutzer – doch auch davon ist noch keiner umgesetzt.
Der 1. FC Köln hat diese Plätze als Satellitenplätze bezeichnet, weil sie nicht direkt am Geißbockheim liegen. Einen davon hat er schon im nahen Hürth umgebaut. Dort hat funktioniert, was in Köln bislang nicht geht.
Im Gegenzug für den damals vorläufigen Verzicht auf die Gleueler Wiese erlaubte der Rat dem FC, das Leistungszentrum direkt am Geißbockheim auf einem Fußball-Platz zu bauen. Da der Klub die Flächen seit Jahrzehnten von der Stadt pachtet, brauchte er das Okay des Stadtrates und bekam es 2024.

So soll das Leistungszentrum am Geißbockheim mal aussehen.
Copyright: Tim Hupe/1. FC Köln
Die Verwaltung teilte jetzt mit: „Zusätzliche Platzkapazitäten konnten daher bis dato noch nicht geschaffen werden.“ Türoff kündigte an, der Klub würde die beiden Plätze im Grüngürtel, den Ascheplatz am Fort Deckstein sowie die sogenannte Kampfbahn, auf FC-Kosten herrichten. Doch auch diese deckten den Bedarf nicht.
Laut Stadt finden Gespräche und Prüfungen statt, aber es liege noch kein „Gesamtpaket für eine Neuordnung des 1. FC“ vor. Erst wenn es diese Plätze gibt, will der FC mit dem Bau des Leistungszentrums beginnen, weil er laut eigener Aussage erst dann den bisherigen Fußball-Platz als Baufläche hergeben kann. Die Baugenehmigung liegt schon vor.
FC setzt wieder auf Gleueler Wiese
Türoff machte aber eine Einschränkung: „Wir werden den Bau des Leistungszentrums nicht so lange verzögern, dass wir möglicherweise Probleme mit einer auslaufenden Baugenehmigung bekommen. Dafür brauchen wir es zu sehr, um am Standort Köln langfristig Bundesligafußball darzustellen.“ In Köln gilt eine Baugenehmigung laut Stadt drei Jahre, sie kann um ein Jahr verlängert werden.
Je länger sich das ganze Prozedere hinzieht, desto mehr Druck macht der Klub – und setzt trotz des 2024 vereinbarten Kompromisses wieder auf die Gleueler Wiese, um dort Plätze zu bauen. Im vorigen August postete der Klub: „Heute ist klar: Es gibt nur eine Lösung –- die Gleueler Wiese.“
Köln stecke fest in Symbolpolitik. „Statt Entscheidungen: endlose Verfahren. Statt Fortschritt: Stillstand.“ Türoff sagte damals: „Der Kompromiss ist sowas von gescheitert.“ Er betonte heute aber auch, dass der Klub nicht „alles nur auf die Karte Gleueler Wiese setzen“ kann.

So sahen die ursprünglichen Pläne des Klubs aus. Der Standort des Leistungszentrums hat sich nicht verändert.
Copyright: 1. FC Köln
Das nächste wichtige Datum in der Dauer-Saga steht in wenigen Wochen am 11. Juni vor dem Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) an: Dann verhandelt das Gericht erneut, ob der Bebauungsplan für die Plätze auf der Gleueler Wiese wirksam ist oder nicht. Es kann an dem Tag ein Urteil fallen, muss aber nicht.
Ursprünglich hatte das OVG im November 2022 nach Klagen zweier Umweltverbände geurteilt: Nein, der Plan ist unwirksam. Allerdings bezog es seine Einschätzung auf die vier Kleinspielfelder nördlich der drei geplanten Fußball-Plätze auf der Gleueler Wiese, die die Stadt formal fehlerhaft benannt hatte (siehe Bild oben). Diese Plätze, etwa für Basketball, hatten aber gar nichts mit den FC-Plätzen zu tun.
Eine Revision ließ das Gericht nicht zu, dagegen wehrte sich der Verein vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig – und bekam im April 2024 recht. Das OVG habe sein Urteil „mit rechtlich nicht tragfähigen Erwägungen“ getroffen, das Bundesverwaltungsgericht verwies das Thema zurück nach Münster. Und jetzt findet, mehr als zwei Jahre danach, die Verhandlung statt.

FC-Geschäftsführer Philipp Türoff
Copyright: Herbert Bucco
Die große Frage lautet: Was passiert, wenn das Gericht anders als 2022 den Bebauungsplan nun doch als wirksam bezeichnet? Bekommt der Klub in diesem Fall doch noch wie gewünscht seine drei Plätze auf der Gleueler Wiese? Auch das ist, wie so vieles in dem Thema, eine schwierige Angelegenheit, aus mehreren Gründen.
Erstens: Teil des Kompromisses von 2024 war es, die Gleueler Wiese über einen weiteren, neuen Bebauungsplan als Grünfläche zu schützen. Das hat der Stadtrat mehrheitlich so beschlossen, auch wenn bisher eben nur dieser sogenannte Aufstellungsbeschluss vorliegt. Der Schutzstatus ist damit noch nicht rechtskräftig.
Und zweitens: Die Gleueler Wiese gehört der Stadt, der FC muss sie pachten, um dort Fußball-Plätze bauen zu können – und dafür braucht er einen Vertrag über die Wiese. Über diesen Vertrag entscheidet der Rat, und ohne die AfD gab es im „alten“ Rat bis November keine umsetzbare Mehrheit. Auch im neuen Rat ist es eine schwierige Gemengelage.
Türoff sieht großen Platzbedarf
Trotzdem sagte Türoff: „Wenn das Urteil in Münster positiv für uns ausfällt, werden wir das noch einmal zum Anlass nehmen, die Rechtmäßigkeit der Bebauung der Gleueler Wiese zu betonen. Wir benötigen diese Plätze dringend für die Mädchen und Jungen unseres Nachwuchses.“
Die Stadt betonte, dass derzeit kein Bauantrag für die Gleueler Wiese vorliegt, dort drei Fußball-Plätze zu bauen. Sollte sich das ändern, könnte der Rat eine Veränderungssperre erlassen, weil der neuere Bebauungsplan ja vorsieht, die Gleueler Wiese als Grünfläche zu schützen – und eben nicht für Fußball-Plätze zu nutzen. Gilt die Veränderungssperre, kann die Verwaltung den Bau von Fußball-Plätzen ablehnen.
Harald Grieser von der Bürgerinitiative „Grüngürtel für Alle“, einem der Kläger vor dem OVG, sagte zum anstehenden Gerichtstermin: „Wir sind guter Dinge. Egal, wie es ausgeht – wir machen weiter.“