Wohnmobile und Pkw konkurrieren nicht nur in Sülz um die heiße Ware Parkplatz. Ein Wohnmobilbesitzer sieht sich Anfeindungen ausgesetzt.
Kampf um PlätzeParkende Wohnmobile nerven Nachbarn in Sülz

Auch am Sülzgürtel stehen viele Wohnmobile, oft wochenlang.
Copyright: Susanne Esch
Walter Goebel muss regelmäßig mit verärgerten Reaktionen kämpfen, wenn er sein Wohnmobil in der Nachbarschaft abstellt. Er hält das Gemecker für ungerecht, denn auch Wohnmobilbesitzer finden sehr schwer einen Stellplatz für ihre Gefährte.
Jetzt hat jemand seinem Groll auf einem Zettel Luft gemacht: „Liebe Camper-, Wohnwagen- und Transportbesitzer. Dies ist eine Anliegerstraße und Parken ist nur Anwohnern und Besuchern gestattet“. Diemit „die Anwohner“ unterschriebene Botschaft ist an der Windschutzscheibe des Wohnmobils von Walter Goebel befestigt. Es steht auf einem Parkplatz an der Friedrich-Engels-Straße. Doch wer verbietet das eigentlich? Die Frage bleibt offen.
Wohnwagen dürfen nicht länger als zwei Wochen abgestellt werden
An den Parkplätzen gibt es keinerlei Verbotsschild. Die Straße befindet sich auch nicht in einem Bewohnerparkgebiet, wo Fahrzeugeigentümer einen Anwohnerausweis besitzen oder einen Parkschein ziehen müssen. Und tatsächlich ist es nicht verboten, dort ein Wohnmobil abzustellen. Nur Wohnwagen, die Anhänger und keine motorisierten Gefährte sind, dürfen nicht länger als zwei Wochen auf einem Stellplatz stehen.

In der Friedrich-Engels-Straße steht eine ganze Wohnmobil-Armada.
Copyright: Susanne Esch
In Bewohnerparkgebieten dürfen Besitzer und Besitzerinnen eines Anwohnerparkausweises den Parkplatz auch für ein Wohnmobil nutzen, wenn sie kein Auto besitzen. Mobile, die schwerer als 2,8 Tonnen sind, dürfen allerdings nicht auf Gehwegen abgestellt werden, selbst, wenn dort Parkplätze eingezeichnet sind. Fazit: Das Wohnmobil der Goebels ist völlig legal geparkt und verärgert „die Anwohner“ dennoch.
Wohnmobil-Besitzer werden gebasht
Allerdings wohnt kaum jemand an der Friedrich-Engels-Straße. Dort befinden sich die seit Jahren leer stehenden „Russenhäuser“ – und einige Gartentore. Die Häuser, zu denen die Gärten gehören, liegen jedoch an der Parallelstraße, und Goebel ärgert sich seinerseits: Ihre Bewohner und Bewohnerinnen seien überzeugt, ein größeres Recht auf die Parkplätze in der Nachbarschaft zu haben als Wohnmobilbesitzer. „Wir werden ständig gebasht“, sagt er. „Doch wir müssen ja irgendwo parken.“ Immer wieder müsse er sich anhören, dass er sich gefälligst einen Stellplatz mieten solle, wenn er sich schon ein Wohnmobil für 100.000 Euro leisten könne. Er habe gar nichts dagegen, sagt Goebel, sein Mobil ein paar Kilometer entfernt abzustellen und mit dem Rad dorthin zu fahren. „Aber auch diese Stellplätze gibt es kaum“, betont er.
Parkplätze in Köln sind umkämpft
Parkplätze sind ein umkämpftes Gut. Mit der Coronapandemie kam eine Campingwelle, und damit Wohnmobile, die in den Veedeln Parkplätze besetzen. Kostenfreie Parkplätze außerhalb der Bewohnerparkgebiete, sind bei ihren Besitzern beliebte Abstellorte, beispielsweise auch am Sülzgürtel, an der Gleueler und der Berrenrather Straße - zum Ärger der Nachbarn und Nachbarinnen, die dort täglich mit ihrem Auto einen Stellplatz suchen. Immer wieder werden Stimmen laut, die Stadt solle dafür sorgen, dass nur noch Pkw dort parken dürfen. Die Stadt erfüllt den Wunsch in der Regel nicht, weil das Problem der abgestellten Wohnmobile dann nur an einen anderen Ort verlagert würde. Die Parkplatznot herrscht überall.
Johannes Giewald vom ADAC Nordrhein bestätigt, dass auch Wohnmobilbesitzer darunter leiden. In und um Großstädte wie Köln würden zwar oft Besitzer von Lagerhallen oder Landwirte Stellplätze auf ihren Grundstücken anbieten, schreibt er. Diese seien aber oft stark nachgefragt. Der ADAC Nordrhein würde selbst seit knapp drei Jahren Stellplätze in Hürth anbieten. Sie seien allerdings aktuell auch ausgebucht. So würden immer mehr Fahrzeuge außerhalb der Urlaubszeit monatelang in Wohngebieten abgestellt. „Das Abstellen im öffentlichen Verkehrsraum bringt über kurz oder lang erfahrungsgemäß Ärger mit sich“, sagt Giewald. Der ADAC rate Camping-Urlaubern, schon vor dem Kauf eines Wohnmobils, einen geeigneten Stellplatz zu suchen.
Goebel hat allerdings noch andere Park-Konkurrenz ausgemacht: „Bei uns stellen auch viele Pendler ihr Auto ab, die weiter in die Stadt fahren. Das verstärke natürlich die Parkplatznot. Die Stadt und umliegende Kommunen sollten den öffentlichen Nahverkehr besser ausbauen, findet er, und preislich attraktiver machen. Dann bräuchten nicht so viele Menschen ein Auto und die Fehde um die Parkplätze würde abnehmen. Walter Goebel wird sie künftig nicht mehr führen müssen. Er konnte nun einen der Stellplätze des ADAC in Hürth ergattern.
