Kirsten Szanto vermietet in Sülz bereits seit 15 Jahren Smokings und zeigt damit, wie Luxus und Nachhaltigkeit zusammen funktionieren können. Zu ihr kommen die verschiedensten Kunden.
Leihen statt kaufenSmokings für Promis, Postboten und Ganoven gibt es in Sülz

Kirsten Szanto, Inhaberin des Smokingverleihs Köln, in ihrem Geschäft in der Sülzburgstraße.
Copyright: Costa Belibasakis
„Wenn ein Mann einen Smoking anzieht, vollzieht sich ein Wandel“, sagt Kirsten Szanto in ihrem Smokingverleih in Köln-Sülz. „Die Haltung verändert sich, manche machen sofort Fotos von sich.“ Seit 15 Jahren vermietet die Kostümbildnerin und Stylistin hier die besonderen Anzüge. Sie hängen ordentlich hintereinander, säuberlich von „lang und schmal“ bis „klein und breit“ sortiert, daneben blütenweiße Hemden. „Hier oben sind die untersetzten Größen, die sind zur Prinzenproklamation immer sofort weg“, sagt Kirsten Szanto. Sie zeigt lächelnd in eine Ecke ihres Ladens.
Ob Unternehmer oder Karnevalist: Wenn „Black Tie“ gefordert ist, hilft Szanto. Telefonische Beratung, Kennenlernen, Anprobe – dann übergibt sie Smoking, Hemd, Manschettenknöpfe und alles weitere Gewünschte. Nach einer Woche bringt der Kunde die Kleidung zurück, der Smoking wird gereinigt und neu verliehen, bis wieder seine Zeit gekommen ist.
Für die Liebe ist sie vor mehr als 40 Jahren nach Köln gezogen. „Der Smoking ist ein zauberhafter Anzug“, sagt die 59‑Jährige. „Fast jeder Mann sieht darin gut aus.“ Dass Szanto die Smokings lieber verleiht als verkauft, hat mit Nachhaltigkeit zu tun. Ein Mann trage im Leben vielleicht drei Mal einen Smoking und ändere dazwischen vier Mal die Figur. Durch den Verleih werden nicht drei Smokings für einen Mann produziert, sondern einer für drei Männer – ein Gegenentwurf zu „Fast Fashion“.
Im Smoking vor Gericht
Für einen neuen, hochwertigen Smoking zahlt man heute zwischen 600 und 800 Euro, für die Leihe sind es 130. Die Kunden sind trotzdem größtenteils wohlhabend: Sie sind Politiker, Unternehmer und Schauspieler. Sie gehen zu Partys mit besonderem Dresscode, treffen sich in Abendkleidung auf Kongressen, Hochzeiten und Galas. „Manchmal ruft das Excelsior Hotel an und sagt:‚ Wir haben hier einen Promi, der seinen Smoking vergessen hat‘“, erzählt sie nebenbei. Auch für den Deutschen Fernsehpreis habe sie schon viele Smokings zur Verfügung gestellt.

Ein Smoking ist für Szanto weder Sakko noch Jackett, sondern eine eigene Kategorie.
Copyright: Costa Belibasakis
„Ich möchte, dass jeder meine Smokings tragen kann. Gleichzeitig weiß ich: 130 Euro kann sich nicht jeder leisten“, sagt Szanto. Teilweise gebe sie Rabatt, einem ukrainischen Geflüchteten habe sie zu seiner Hochzeit einmal den gesamten Preis erlassen. „Es waren schon alle möglichen Leute hier: Postboten, Feuerwehrmänner oder Türsteher, sogar Ganoven.“ Einmal sei sogar ein Angeklagter zu ihr in den Laden gekommen, der einen Smoking für seine Gerichtsverhandlung leihen wollte. Szanto riet ihm ab, dem Richter overdressed zu begegnen.
Kein Parfum und keine Frauensmokings
Grundsätzlich darf jeder einen Smoking mieten – es sei denn, er trägt Parfum oder ist eine Frau. Das Parfum gehe in der Reinigung häufig nur schwer heraus, so Szanto. An Frauen vermiete sie prinzipiell nicht. „Ich habe das 20 Mal ausprobiert, aber es funktioniert einfach nicht an der weiblichen Figur.“ Sie empfiehlt spezielle Frauensmokings, so einen besitzt Szanto sogar selbst. Als Begleitung seien Frauen jederzeit willkommen.
So berät sie also Männer: Welches weiße Hemd soll es werden? Vatermörder (hoher Stehkragen), Biesen (Zierfalten), offene oder versteckte Knopfleisten? Es gibt begrenzte Wahlmöglichkeiten, doch falsch machen kann ein Smoking-Träger doch so einiges. Die gebürtige Mainzerin ist prinzipientreu: Wer einen Smoking trägt, trägt keine Uhr, denn wer feiert, schaut nicht auf die Zeit. Die Krawatte bleibt im Schrank: Zu einem Smoking gehört eine per Hand gebundene Fliege.
Aktuell im Smoking-Trend
Für welchen Kunden welche Kombinationen am besten passen, entscheidet Szanto beim Kennenlernen. Die Größe kann sie jedem schon von weitem ansehen, die Details kommen im Gespräch. Auch wenn die modische Uhr in Schwarz-Weiß langsamer tickt, gibt es auch in der Smoking-Mode Trends. „Alle fünf bis acht Jahre verändert sich etwas“, sagt die Kostümbildnerin. Das betreffe die Frage nach Ein- oder Doppelreiher, die Reversbreite und die Sakkolänge. „Im Moment wird gerade alles ein wenig schlanker, die Hemden schmuckvoller“, beobachtet sie.
Die Nachfrage ist in letzter Zeit etwas zurückgegangen, was Szanto auf die wirtschaftliche Lage zurückführt. Doch auch in 100 Jahren werden die Menschen noch Smokings tragen, davon ist sie überzeugt. „Sie sind zeitlos: eine Uniform, leger und cool.“
