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„Den Fehler werden wir nicht mehr machen“Veranstalter von „Bunt im Carrée“ ziehen Lehren fürs nächste Mal

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Zwei junge Männer stehen vor grünen Pflanzkübeln, sie haben Kappen auf, Pullis an.

Dylan Stuka (rechts) mit Bennit Michel vom Veranstaltungsteam des Veedelsfests „Bunt im Carrée“ vor dem Lokal Deli.

Das Veedelsfest „Bunt im Carreé“ Ende April lief aus dem Ruder. Viel zu viele Feierwütige kamen und nervten Anwohner durch Lärm und Wildpinkelei.  

Wie kam es zu dem Ärger bei „Bunt im Carrée“? Was ist passiert?

Dylan Stuka: Für die Anwohnenden stellte das Fest leider eine große Belastung dar. Und das will ich auch nicht schönreden oder relativieren. Dafür übernehmen wir die Verantwortung. Wir haben einfach nicht mit so vielen Menschen gerechnet. Am Montag waren noch 15 Grad und Wolken angesagt. Da habe ich noch gehofft, dass so viele Gäste kommen wie letztes Jahr. Dann war es am Wochenende aber sonnig und es sind mehr als doppelt so viele geworden, obwohl wir ähnlich geworben hatten wie letztes Jahr.

Auf Social Media beklagten sich junge Familien, die mit ihren Kindern etwas essen wollten, dass sie gar nicht mehr durchgekommen sind?

Hier die Ecke Sülzburg-/Berrenrather Straße war ein Nadelöhr. Das Fest endete diesmal nicht am Deli, sondern fand noch ein Stück in beide Straßen weiter statt, eigentlich um das Ganze zu entzerren. Das Problem ist dann aber entstanden, weil wir hier eine DJ-Bühne installiert haben und sich die Leute davor sammelten. So kam es hier zu einem brutalen Stau, vor allem Samstagabend. Die Musik hat eher zu einer aufgeheizten Stimmung beigetragen, weil sie sehr schnell und Techno-lastig war. Wir werden also die DJ-Bühne hier in der Form auf jeden Fall nicht mehr umsetzen.

Es gab ein Video von riesigen Müllhaufen auf der Kreuzung. Was war das Problem?

Wir hatten sehr viele Mülltonnen, haben die aber nicht gut genug verteilt. Wir haben abends und nachts dann die Haufen auf die Straße gekehrt. Das Video ist kurz vor dem Abholen gemacht worden. Wir wissen jetzt, dass wir die AWB früher bestellen müssen, in der Nacht, damit Leute, die morgens mit einem Hund oder mit Kinderwagen durchlaufen, auf keinen Fall Gefahr laufen, in Scherben zu treten. Für die Müllentsorgung zahlt aber nicht die Allgemeinheit, wie behauptet, die Kosten tragen wir selbst.

Warum gab es so viele „Wildpinkler“?

Im letzten Jahr hatten wir einen Toilettenwagen und ein rollstuhlgerechtes WC, dieses Jahr hatten wir die Zahl verdoppelt und dachten, dass wir damit gut hinkommen. Im Endeffekt hat das vorne und hinten nicht gereicht. Ich habe auch Bilder gesehen, wie Leute wirklich im großen Stil, in Vorgärten oder in Höfe gepinkelt haben. Das tut mir total leid. Das war auch ein Fehler, den wir nie wieder machen werden. Es werden aber auch Dinge behauptet, die nicht stimmen, beispielsweise, dass Gäste das Hans-Süper-Denkmal angepinkelt haben.

Ihr habt jetzt daraus gelernt. Wie geht es weiter?

Wir müssen die Infrastruktur des Festes ganz neu denken. Wir und auch Sülz wollen hier keinen neuen Zülpicher-Straße-Karneval mit entsprechendem Publikum. Und wir wollen auch nicht 300 Dixies hier aufbauen müssen. Wenn es noch einmal stattfindet, müssen wir dennoch viel mehr Sanitäranlagen schaffen. Wir müssen noch intensiver mit Ordnungsamt, Polizei und der AWB zusammenarbeiten. Dann stellt sich für uns aber auch die Frage, ob wir das Ganze finanzieren können.

Ist die Infrastruktur so teuer?

Eine Straßenkreuzung ist pickepacke voll mit Menschen.

Die Kreuzung Berrenrather/Sülzburgstraße während des Veedelsfests am letzten April-Wochenende.

Straßensperrungen kosten extrem viel Geld. Wir benötigen Sanitäranlagen, einen Verkehrslenkungszeichnungsplan, müssen die AWB bezahlen und die Umleitung der Buslinie. Die Infrastrukturkosten belaufen sich auf einen hohen fünfstelligen Betrag. Wir haben nur die Hälfte davon durch Standgebühren eingenommen und daher auch selbst drei Getränkestände betrieben. Wenn wir mehr investieren müssen, ist das Risiko groß, dass wir einen hohen Verlust machen. Das Wochenende mit dem negativen Feedback war für uns sehr anstrengend. Viele junge Menschen waren allerdings begeistert und wir haben bei ihnen einen guten Ruf. Selbst wenn wir weniger Marketing betreiben, wird es nächstes Jahr wahrscheinlich sehr voll werden. Die Frage ist daher, ob und wie es überhaupt weitergeht.

Wie könnte denn eine Lösung aussehen?

Ich glaube, Stadt und Veranstalter der Straßenfeste müssen enger zusammenarbeiten. Statt in eine Verbotskultur zu geraten, möchten wir mit der Stadt nach Lösungen zu suchen. Und meiner Meinung nach muss es Wege geben, dass gesellschaftliche Veranstaltungen weiter existieren können, auch solche, die eine jüngere Zielgruppe ansprechen.