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Abschied vom EinzelhandelIn Sülz weicht „Tante Olga“-Laden einer Praxis

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Eine Frau mit langem, mittelblondem Haar steht in einem Ladenlokal vor einem Regal, in dem gefüllte Unverpackt-Behälter zum Selbstabfüllen stehen.

Olga Witt, Betreiberin des Tante-Olga-Unverpackt-Ladens in Köln-Sülz.

Olga Witts „Tante Olga“-Laden in Sülz schließt nach zehn Jahren. Warum die Inhaberin das Geschäft beendet und was nun in die Räume zieht.

Am 30. September wird Olga Witt zum letzten Mal die Tür ihres Geschäftes hinter sich schließen. Nach fast zehn Jahren ist Schluss mit „Tante Olga“. In Zukunft wird es an der Ecke Berrenrather Straße/Neuenhöfer Allee auch kein Einzelhandelsgeschäft mehr geben, sondern eine Praxis für Physiotherapie.

Olga Witt, Inhaberin und Begründerin des seinerzeit ersten Unverpackt-Ladens in Köln, ist – wie sie selbst sagt – „fast zu erschöpft, um traurig zu sein“. Momentan überwiegt die Erleichterung darüber, dass eine ihrer drei beruflichen Säulen wegfällt. Der Online-Handel, ferner der Vertrieb der eigenen Marke sowie das Einzelhandelsgeschäft – alles zusammen war für die 42-Jährige neben ihrer Aufgabe als Mutter auf Dauer nicht zu stemmen.

Tante Olga schließt: Sülz verliert Unverpackt-Laden

In den zurückliegenden Wochen hatte sie immer wieder traurige Kunden vor ihrer Theke stehen. „Mit jedem Tag zeigte sich mehr Wehmut“, sagt Witt, die zunächst gehofft hatte, jemanden zu finden, der das Geschäft weiterführen würde. Aufgrund eines Kommunikationsproblems, wie sie es nennt, hat die Sülzer Wohnungsgenossenschaft jedoch ihrerseits bereits einen Nachmieter beigebracht.

Nun bedauert die Tante-Olga-Kundschaft nicht nur den Verlust des im Veedel einzigartigen Geschäftes, sondern auch, dass hier, wie in letzter Zeit häufig in Sülz, Einzelhandel mit Publikumsverkehr einer Praxis oder einem Büro weicht. Außerdem verschwindet gewissermaßen die letzte Kaffee-Ausschankstelle vor der Stadtgrenze. „Es ist echt schwer geworden für die kleinen Läden“, betont Witt.

Ein kleines Eckladen-Lokal mit einer Treppe zur Eingangstür ist zu sehen.

Der Tante-Olga-Unverpackt-Laden in Köln-Sülz von außen. Das Geschäft schließt zum 30. September.

Kaffee hat es bei Tante Olga im Gegensatz zu vielen anderen Produkten schon von Anfang an gegeben; ebenso wie Brot, was angesichts der Location, einer ehemaligen Bäckerei, fast unverzichtbar war. Später, als sich herausstellte, dass der Trend zum „One-stop-Shopping“ geht, habe man andere Produkte wie Käse und später auch Gemüse ins Sortiment aufgenommen. Am Schluss bestand das Angebot neben den absoluten Bestsellern wie Kleinblatt-Haferflocken, die sackweise auf Lager waren, Reis, Müsli und Nüssen auch aus Einzelhandels-Exoten wie dem plastikfreien Bleistiftspitzer, Schüsselhauben, Trinkhalmbürsten, Menstruationstassen und der Po-Dusche bzw. Hygienebrause zur Einsparung von Toiletten-Feuchtpapier.

Olga Witt bedauert, dass sich ihr Wunsch,  „den Laden in eine gemeinschaftsbasierte Form umzuwandeln“, nicht realisieren ließ. Allerdings könne man auch nicht darüber hinwegsehen, dass „der Hype, sich zu engagieren oder mehr Aufwand auf sich zu nehmen“ für die Umwelt, seit der Corona-Pandemie spürbar abgeebbt sei. Hinzu komme, dass alles, vor allem Bio-Lebensmittel, „extrem teuer geworden“ seien, was sich natürlich auf den Umsatz ausgewirkt habe. Zusätzliches Personal einzustellen, um sich selbst zu entlasten, sei da nicht mehr drin gewesen.

Insgesamt ist die studierte Architektin sehr dankbar über eine Kundschaft, die ihr zehn Jahre die Treue gehalten hat. Sie sehe aber auch ein wachsendes Klientel, das sich Einkäufe in solchen Geschäften aufgrund der Teuerung gar nicht mehr leisten könne, und andere, die das finanziell „zwar könnten, sich aber nicht leisten wollen“. Man erkenne das daran, dass die Restaurants und Cafés im Veedel noch immer voll seien.

Olga Witt wird ihre Produkte „bis auf die Lebensmittel“ weiter online anbieten. Ansonsten müssen die Unverpackt-Anhänger auf die beiden anderen Kölner Läden in Zollstock und Nippes ausweichen. Ein weiteres Geschäft soll in Ehrenfeld eröffnen.