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Veedelstradition in SülzDie Krieler Dömchen Sitzung feiert 75. Geburtstag

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Auf der Bühne in einem Saal steht eine Band, das Publikum ist aufgestanden und streckt die Arme nach oben.

Die Krieler Dömchen Sitzung findet im Brunosaal in Klettenberg statt. 

Die Sitzung der katholischen Pfarrgemeinde St. Albertus Magnus ist gelebter Veedelskarneval, seit 1951. Am 8. Februar geht es im Brunosaal wieder zur jecken Sache. 

Tünnes und Schäl entführen das Krieler Dömchen. Mit Gurten tragen die beiden legendären Figuren aus dem Hänneschen-Theater die kleine romanische Kirche davon. Das Bild ist das Logo der „Krieler Dömchen Sitzung“, die alljährlich im Brunosaal in Klettenberg stattfindet. Und weil die Veranstaltung in der aktuellen Session 75 Jahre alt wird, sind Tünnes und Schäl mit dem Dömchen sogar auf dem diesjährigen Orden unterwegs und zwar beweglich. Man kann sie darauf hin und her schieben. Das hat den Karnevalsorden zwar etwas teurer gemacht, war es den Veranstaltern zum Jubiläum aber wert.

Im Jahr 1951 rief der Mann, der alljährlich schwarz gekleidet feierlich der Pfarrprozession der katholischen Kirchengemeinde St. Albertus Magnus in Lindenthal voranschritt, die Krieler Dömchen Sitzung ins Leben: Joseph Jansen. Es gab zwar bereits einige kleinere karnevalistische Veranstaltungen in der Gemeinde. Doch in der Nachkriegszeit stieg die Feierfreude wieder. Ein Jahr vorher war bereits wieder der erste Rosenmontagszug durch Köln gezogen.

Waschechter Veedelskarneval in Köln-Sülz

Auf einem Foto von der allerersten Dömchen Sitzung sitzen elf narrenbekappte Männer noch gestreng in schwarzen Anzügen mit weißen Chrysanthemen im Knopfloch am Parlamentstisch auf der Bühne. Es hat sich einige geändert, wie Rolf-Jürgen Maus, einer der Organisatoren der heutigen Sitzung erzählt: Mittlerweile sei der Elferrat kostümiert und bestünde aus Messdienern sowie Pfadfindern. Die Sitzung sei aber immer noch das, was sie von Anbeginn an war, eine Veranstaltung von der Kirchengemeinde für das Viertel, waschechter Veedelskarneval, und entsprechend beliebt. 300 Jecke besuchen sie alljährlich. Jansen war Präsident der ersten Sitzung, organisierte sie und saß ihr bis 1969 vor. Danach stellt die KG Alt Severin lange das Sitzungsoberhaupt und den Literaten.

Seit drei Jahren ist der „Kirchenklaus“ Präsident: Klaus Brüne-Frehmann, der auch tulpendienstags die Nubbelverbrennung an der Gaststätte Knollendorf in Sülz organisiert. Literat Wolfgang Lutter sorgt regelmäßig für ein hochkarätiges Programm: Marc Metzger wird in diesem Jahr bei der Krieler Dömchen Sitzung auftreten, außerdem Marita Köllner und Et Klimpermännche, sowie noch einige andere.

Zwei ältere Männer im Kostüm stehen nebeinander.

Rolf Jürgen Maus (r.) und Ulrich Brambach organisieren die Krieler Dömchen Sitzung mit Herzblut.

Dabei ist der Preis für eine Karnevalssitzung vergleichsweise gering: 29 Euro kostet das Ticket für Erwachsene, 15 Euro das für Jugendliche. Ehrenamtliches Engagement macht das möglich. Ulrich Brambach vom Organisatoren-Team nennt Beispiele: Zahlreiche Ehrenamtlerinnen würden für die Sitzung Frikadellen braten und Mettbrötchen schmieren. Andere Helferinnen und Helfer würden sich um das Anzeigengeschäft im Sessionsheft kümmern. Das und der jeweilige Karnevalsorden würde von Rolf Jürgen Maus' Söhnen, gestaltet.

Der liebevoll gestaltete Orden fällt oft durch seinen Einfallsreichtum auf: Als die Bischöfe den synodalen Weg blockierten, gab es einen Orden, der die heiligen Männer zeigte, wie sie sich ähnlich der „Letzten Generation“ auf die Straße kleben, begleitet von einem Stoppschild. „Als Papst Franziskus den Kardinälen den Kopf wusch“, erzählt Brambach, „weil sie nur in ihren Sesseln sitzen und nichts bewegen würden, gab es einen Orden mit dem an das Sessionsmotto „Mer danze us der Reih“ angelehnten Dömchensitzungsmotto: Jut, dat einer aus der Reihe tanzen tät.“ Unter dem Motto seien auf dem Orden die Kardinäle zu sehen gewesen, mit dem Papst in ihrer Mitte, der beweglich war und aus der Kardinalreihe fiel, wenn man sich den Orden umhängte.

Die Kostüme der Sitzung seien hingegen oft von aktuellen Karnevalshits inspiriert. Als die Höhner ihren Song „Prinzessin“ mit der Liedzeile Pass op… Dat Krokodil well dich fresse!“ veröffentlichten, seien überproportional viele Krokodile unterwegs gewesen. Da in diesem Jahr der Song die „Karnvalsmaus“ von Druckluft überall aus den Lautsprechern dudelt, erwartet man auf der Karnevalssitzung besonders viele Mäuse -  sowie den einen oder anderen Neuling, der bei der alteingesessenen Sitzung einmal „Mäuschen spielt“.


Die Krieler Dömchen Sitzung findet am Sonntag, 8. Februar, von 16 bis 21 Uhr im Brunosaal, Klettenberggürtel 65, statt. Kartenverkauf findet statt in der Kath. öffentlichen Bücherei (KÖB) St. Albertus Magnus, Suitbert-Heimbach-Platz 3, 50935 Köln; Öffnungszeiten: So. 9.45-12 Uhr, Mi. 16-18 Uhr, Sa. 17-18 Uhr, oder unter krielerdoemchensitzung@gmx.de