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Dragqueen zu Besuch in Köln-WeidenGeorg-Büchner-Gymnasium veranstaltet „Tag der Vielfalt“

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Mehrere Lehrerinnen und Lehrer sitzen an Tischen. In der Mitte sitzt die Künstlerin Cassy Carrington.

Stellvertretender Schulleiter Michael Kowalski, Lehrerin Sabine Olbrich, Künstlerin Cassy Carrington, Lehrer René Duchène und Lehrerin Maria Hemker (v. l.) schufen mit Aufklärungsgesprächen und Workshops Raum für sexuelle Diversität am Tag der Vielfalt

Sexuelle Selbstbestimmung auf dem Stundenplan: Das Georg-Büchner-Gymnasium organisierte für Siebtklässler einen Tag der Vielfalt zum Thema Diversität.

Drag-Queen am Lehrerpult: Der Unterricht am „Tag der Vielfalt“ gestaltete sich für alle siebten Klassen am Georg-Büchner-Gymnasium ungewohnt. Anstatt Mathematik, Deutsch oder Erdkunde stellten die Pädagoginnen und Pädagogen zusammen mit Künstlern, Mitarbeitern der Aidshilfe, des Antidiskriminierungsprojekts Schlau e.V. sowie der Beratungs- und Begegnungsstätte Anyway das Thema „Sexuelle Diversität“ in den Fokus des Stundenplans. „Vielfalt ist nicht nur ein Wort, es gehört zum Teil des Schulprogramms, dem wir uns verpflichtet fühlen“, erklärt Mitinitiator René Duchène.

Dafür räumte der Lehrer gerne seinen Platz für die externen Gäste, darunter Entertainerin Cassy Carrington. „Ich habe mich gerne für diesen Tag zur Verfügung gestellt, um über meinen Werdegang zu berichten und bin erstaunt, wie easy die Jugendlichen hier mit der Thematik umgehen“, sagt die Schauspielerin, Musikerin und Moderatorin. Das Alter ihrer zwölfjährigen Zuhörer empfindet Carrington mehr als geeignet. Demnach steige mit dem Einsetzen der Pubertät auch die Verfestigung von Klischeebildern. „Es ist viel schwieriger, 15- oder 16-Jährige für Themen im Bereich der sexuellen Orientierung zu erreichen. Da ist man oftmals schon zu geprägt durch allgemeine und zumeist diskriminierende Typisierungen“, berichtet die Kölner Künstlerin von ihren Erfahrungen.

Intoleranz sei noch immer weit verbreitet, auch in Köln

„Niederschwellig und unaufgeregt“, so der stellvertretende Schulleiter Michael Kowalski, sei man die Gestaltung der Premierenveranstaltung angegangen, um die 210 Schüler auf das Thema einzustimmen. Kowalski macht keinen Hehl aus Problemen, die sich auch am Georg-Büchner-Gymnasium hinsichtlich unsensibler Handy-Videos ergeben, die ausgetauscht und kommentiert werden. Pädagogin Sabine Olbrich verweist zudem auf ein überstrapaziertes Stadtbild: „Die Leute denken, nur, weil wir hier in Köln sind, wären die Menschen offen für verschiedenste sexuelle Identitäten. Aber das stimmt nicht. Wir haben hier sehr wohl ein Problem mit der Intoleranz vieler Menschen. Dem wollen wir durch Aufklärung entgegenwirken“, sagt die Lehrerin.

Dem stimmt Cassy Carrington zu: „Dass sich Bildungseinrichtungen intensiver mit dem Themenfeld sexuelle Diversität auseinandersetzen, ist nicht selbstverständlich. Ein geplanter Vortrag mit mir im Rhein-Sieg-Kreis wurde beispielsweise aufgrund des Elternvetos abgelehnt. Dort sprach man sich zwar für eine Schule gegen Rassismus, jedoch nicht für eine Schule der Vielfalt aus.“ Ihren außergewöhnlichen Studientag scheinen die Schüler zur Weiterbildung auf nicht mehr so unbekanntem Terrain genutzt zu haben.

„Ich bin von zu Hause her schon recht aufgeklärt. Aber es war gut, zu erfahren, was genau welches Geschlecht eigentlich bedeutet und dass es so viele berühmte Leute gibt, die sich geoutet haben. Das hilft dann vielleicht anderen, sich ganz normal zu fühlen, auch wer sich als Junge die Fingernägel anmalt oder lange Haare hat“, findet Luke. In Bezug auf Gehässigkeiten oder Hetze gegenüber homosexuellen, lesbischen, bisexuellen oder queeren Personen vertritt der Zwölfjährige eine klare Haltung: „Es ist nicht cool, sich über jemanden lustig zu machen, nur weil er anders denkt oder fühlt.“

Mitschülerin Maja sieht das ebenso: „Wir haben doch alle ganz verschiedene Interessen. Wer das nicht akzeptiert, sollte sich fragen, wie es sich anfühlen würde, wenn man dafür ständig beschimpft wird“, meint die Gymnasiastin. Nach einer internen Auswertung des Projektes sind an dem Weidener  Gymnasium weitere Aktionen geplant, um auch offiziell als „Schule der Vielfalt“ ausgezeichnet zu werden.  


Das bundesweite Projekt „Schule der Vielfalt“ setzt sich seit der Gründung im Jahr 2008 für die Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt im Bildungsbereich ein. Das Programm bietet unter anderem Aus- und Fortbildungen für Lehrkräfte sowie die Vermittlung von Referenten. www.schule-der-vielfalt.de

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