Leo hilft Kindern in einer Kölner Grundschule beim Lesen. In Köln gibt es 15 dieser Lesehund-Teams, besser wären mehr. Doch es fehlt an Ehrenamtlichen und Geld.
„Beruhigt und gibt Motivation“Zwergpudel Leo hilft Schulkindern beim Lesenlernen

Lesehund Leo im Einsatz: Schüler Grishiv liest und der Hund hört zu.
Copyright: Charlotte Groß-Hohnacker
Leo dackelt zielstrebig auf den Klassenraum einer dritten Klasse in der Albert-Schweitzer-Grundschule in Köln-Weiden zu. Hier war der Zwergpudel schon einige Male. Im Sitzkreis möchte ein Kind Leo streicheln. Frauchen Babette Sieberth schüttelt den Kopf: „Der Leo sieht zwar aus wie ein Kuscheltier, ist aber keins. Und er möchte nicht von 21 Kindern angefasst werden.“ Ein Nicken geht durch den Stuhlkreis. Das verstehen die Kinder. Sie möchten schließlich auch nicht immer und von jedem in den Arm genommen werden. Wer aber Leo vorliest, der darf ihn auch mal streicheln. Denn das ist Leos Job: Er ist ein Lesehund.
Alle zwei Wochen kommt ein Team aus Hund und Halter in die Schule. Drei Kinder dürfen dann nacheinander dem Hund in der Bibliothek vorlesen. „Der Hund bewertet nicht, beruhigt die Kinder und gibt ihnen Motivation“, sagt Sieberth. Die Kinder freuen sich dann mehr auf das Lesen und machen Lesefortschritte.
Dieses Mal darf Grishiv Leo vorlesen. Er war in der zweiten Klasse der Erste, der Leo vorlesen durfte. Jetzt in der dritten Klasse kennt er das schon gut. Er hat sein eigenes Buch mitgebracht: „Pokémon“. Die mag er fast so gerne wie Hunde, aber die bleiben seine Lieblingstiere. In seinem Haus leben sieben davon, manche kommen ihn besuchen. Auch Leo scheint ihn zu mögen. Kaum sitzt Grishiv auf der roten Decke und hat sein Buch aufgeklappt, lässt Leo seinen Kopf auf die Füße des Grundschülers sinken. Die Augen fallen ihm zu. Gut 20 Minuten dauert das Vorlesen. Dann darf das nächste Kind kommen.

Babette Sieberth hat die Lesehunde mit der Kölner Johanniter Hilfsgemeinschaft nach Köln gebracht.
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„Leo will einfach nur guttun, motivieren und gefallen“, sagt Sieberth. Als sie ihn vor zwei Jahren bekommen haben, wusste die Sonderpädagogin einfach, dass er in die Schule gehört. Sobald die Kinder Leo sehen, werden sie ruhiger. Das Murmeln im Stuhlkreis stellen sie ein. Ihre Finger gehen hoch, wenn sie eine Frage haben. Einer nach dem anderen. Sie wissen, dass sie leise sein müssen, denn Leo hört alles viel lauter als sie. Das haben sie schon im vergangenen Jahr gelernt. Nur wenn es darum geht, wer mit Leo mitgehen darf, dann wird es ein wenig unruhig. Jeder möchte ihm vorlesen.
„Für manche Kinder ist das der Strohhalm, den sie brauchen“
„Stricheln“, kurze Pause, „Streicheln.“ Grishiv bleibt kurz bei dem Wort hängen. Er bleibt aber ruhig, versucht es halt noch einmal. Babette Sieberth scheint er gar nicht so richtig wahrzunehmen. Kurz geht sein Blick zum Hund auf seinen Füßen. Doch der döst. Leo nimmt den Kindern die Angst vor dem Lesen und den Frust, der dabei womöglich entsteht. Die Halter begleiten den Hund dabei.
Sieberth hat das Konzept Lesehunde vor anderthalb Jahren nach Köln geholt. „Ich bin davon überzeugt, dass ich niedrigschwellig so zusätzliche Förderung in die Schule bringen kann. Für manche Kinder ist das der Strohhalm, den sie brauchen.“ Eigentlich wollte sie, dass Leo Schulhund wird. Bei ihren Recherchen dazu ist sie aber auf die Lesehunde gestoßen. Die Ausbildung konnte man damals in der Nähe nur in Meerbusch machen, vor ihr war niemand in Köln ehrenamtlich aktiv.

Gut 1000 Euro kostet das Starterpaket für Lesehunde. Ein Bücherpaket und der Sitzsatz in Hundeform gehören unter anderem dazu.
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Mittlerweile finden die Ausbildungen auch in Köln statt. Im Gegensatz zur Schulhund-Ausbildung kann jeder diese mit seinem Hund machen, und sie ist kostenlos. An drei Terminen werden die zukünftigen Lesehunde und ihre Halter auf den Ablauf vorbereitet und getestet, ob Hund und Frauchen auch in die Schule passen. Träger des Projekts ist die Johanniter-Hilfsgemeinschaft in Köln. Jeder, der ein Lesehund-Team werden will, muss Mitglied für 20 Euro im Jahr werden.
Inzwischen gibt es in Köln 15 Lesehund-Teams. Am besten wären je drei Teams pro Schule. Aber sie bräuchten noch mehr, denn Anfragen gibt es viele. Doch es fehlt an Ehrenamtlichen und an den Geldern. Die Johanniter-Hilfsgemeinschaft sei eine kleine Hilfsgemeinschaft, mehr Schulen könne sie derzeit nicht ausstatten. Möchte eine neue Schule mitmachen, muss sie auch einen neuen Sponsor mitbringen.
Leo und sein Frauchen kommen nur noch selten in den Unterricht. Inzwischen kommt an die Albert-Schweitzer-Schule vor allem Lesehund Paula. Babette Sieberth fokussiert sich jetzt auf die Organisation der Leseteams. Fällt aber doch ein Team mal aus, springen sie und Leo ein. Beim Hinausgehen wedelt sein Schwanz von rechts nach links. Die quietschenden Kinder auf den Gängen scheinen ihn nicht zu beeindrucken.
Die nächste Lesehund-Ausbildung findet in Köln vom 16. bis zum 18. Oktober statt. Wer Interesse an dieser regelmäßigen ehrenamtlichen Tätigkeit mit Hund und Kindern hat, kann eine E-Mail an b.sieberth@jhg-koeln.de schreiben.