Während die Proteste gegen die Schließung der Lutherkirche weitergehen, hat sich die Kirchenleitung für einen Partner entschieden, der das Areal in der Südstadt als Pächter übernehmen soll.
Proteste halten anInitiativenhaus steigt in Verhandlungen um die Lutherkirche ein

Betsy de Torres und Jan Krauthäuser von der Initiative „Rettet die Lutherkirche“ vor dem Gespräch mit der Kirchenleitung: Sie übergaben den Verantwortlichen der Evangelischen Gemeinde Köln eine Petition mit 13.000 Unterschriften.
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Die Lutherkirche in der Südstadt soll zur Heimat für das „Kölner Initiativenhaus für Menschenrechte und Demokratie“ werden. Der Verein, der von mehreren Gruppen zur Demokratieförderung getragen wird, hat einen neuen Versuch gestartet, sein Großprojekt an einem zentralen Ort in der Stadt zu realisieren.
Das Initiativenhaus sucht seit 2018 nach einer Heimat in der Innenstadt. Vor zwei Jahren war die reizvolle Idee gescheitert, das baufällige Fort X im Agnesviertel umzubauen und als Zentrum für gemeinnützige Initiativen in der Stadt weiterzuentwickeln. Das Initiativenhaus hatte den Zuschlag in einem Bewerbungsverfahren der Stadt bekommen. Doch die Stadt hatte das weitere Vergabeverfahren selbst in den Sand gesetzt, weil sie bei ihrer Ausschreibung Vorgaben des Bebauungsplans und des Landschaftsschutzes nicht beachtet hatte.
Petition „Rettet die Lutherkirche“ erreicht 13.000 Unterschriften
Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ verhandelt der gemeinnützige Verein zusammen mit zwei privaten Investoren als Partner mit der Evangelischen Gemeinde Köln, die sich zurzeit heftiger Kritik ausgesetzt sieht. Die Initiative „Rettet die Lutherkirche“ fordert den Erhalt des „kulturellen Herzens der Kölner Südstadt“. Bei einem Treffen mit der Gemeindeleitung wurde in der Antoniterkirche eine Petition mit 13.000 Unterschriften überreicht. Beim Entwidmungsgottesdienst am Wochenende demonstrierten die Kritiker der Kirchenleitung vor dem Kirchenportal.
Mit der Schließung seien „zahlreiche kulturelle und soziale Projekte, die hier ihre Heimat gefunden haben“ bedroht, heißt es in der Petition. Die Lutherkirche hat sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Ort für die Kölner Weltmusikszene entwickelt. Im Kirchenraum fanden neben den Gottesdiensten zahlreiche Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Das alles gehe verloren. Die Evangelische Kirche verweist darauf, dass auch in anderen Kirchen Kultur geboten werde und vieles aus der Lutherkirche zum Beispiel in die Kartäuserkirche umziehen könne. Das sieht die Initiative „Rettet die Lutherkirche“ anders. „Etwas, das sich über lange Jahre an einem Ort verwurzelt hat, lässt sich nicht einfach an einen anderen Ort verpflanzen“, sagt Kulturmanager Jan Krauthäuser.

Nur der Turm der Lutherkirche könnte nach einem Umbau stehenbleiben. Der Kirchenraum steht nicht unter Denkmalschutz.
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Ungeachtet der Proteste hat sich die Kirche dafür entschieden, erst einmal nur mit dem Initiativenhaus beziehungsweise den privaten Investoren an dessen Seite zu verhandeln. „Wir freuen uns sehr, mit dem passenden Partner in die Entwicklung zu starten“, sagte Pfarrer Markus Herzberg, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Gemeinde Köln. Die Verhandlungen würden nun exklusiv geführt. „Die Richtung steht, und wir gehen in die Ausgestaltung eines Ortes, der nah an den Menschen lebendig und vielfältig bleibt.“ Sozialer Wohnungsbau soll sich mit „einem Ort der Begegnung“ verbinden, der dann vom Initiativenhaus gestaltet werden kann.
Bei dem vorausgegangenen Bieterverfahren sollen am Ende zwei ernsthafte Interessenten übrig geblieben sein. Neben dem Initiativenhaus und dessen privaten Partnern soll das dem Vernehmen nach der Kölner Immobilienentwickler Christoph Kahl gewesen sein. Er hat mit seiner Firma Jamestown alte Immobilien wie die New Yorker Markthalle Chelsea Market aufgewertet und dann gewinnbringend weiterverkauft. Er schien der Kirche nicht der Richtige für weitere Verhandlungen zu sein, auch weil er sich nicht auf einen Erbpachtvertrag einlassen wollte, wie es heißt.
Verhandlungen mit exklusivem Partner
Die Verhandlungen mit einem Initiativenhaus und dessen Unterstützern dürften in der aufgeheizten Stimmung in der Debatte um die Folgen kirchlicher Sparzwänge für neuen Zündstoff sorgen. Dass sich zwei Träger von gemeinnützigem, kulturellem und zivilgesellschaftlichem Engagement aus einem ähnlichen Milieu gegenseitig das Leben schwerer machen, lässt Beobachter nicht nur in der Südstadt staunen.
„Wir nehmen den Protest ernst“, sagt Andreas Müller vom Vorstand des Initiativenhauses und Geschäftsführer des Vereins „Democracy International“. Ob der Kirchenraum als großer Veranstaltungsort gerettet werden kann, ist offen. „Wenn man ihn erhalten kann, wäre das für uns eine spannende Lösung“, so Müller. Ob es gelingt, hänge vom Urteil durch Bauexperten und dem Kostenaufwand ab. Dazu könne man noch nichts sagen. Bis Oktober will man Klarheit haben. Matthias Kämper, Finanzkirchmeister der Evangelischen Gemeinde Köln, geht davon aus, dass „zumindest Teile des Kirchenschiffes“ erhalten werden können. So werde es weiterhin einen – wahrscheinlich kleineren – Ort für Veranstaltungen geben.
Es gibt finanzielle Schmerzgrenzen für den Demokratie-Verein, der seine Arbeit und das erhoffte Großprojekt durch Spendengelder, Stiftungen und Sponsoren finanziert. Das „Initiativenhaus für Menschenrechte und Demokratie“ stützt sich vorwiegend auf die „Europäische Demokratie Stiftung“, die Daniel Schily gegründet hat. Der Neffe des ehemaligen Bundesinnenministers Otto Schily ist Erbe einer reichen Unternehmerfamilie und Mitbesitzer des Technologiekonzerns Voith. Die 1867 gegründete Firma ist mit einem Jahresumsatz von fast fünf Milliarden Euro eines der großen Familienunternehmen Europas. Der gelernte Lehrer nutzt sein Vermögen als Mäzen zivilgesellschaftlicher Projekte. Er will Bürgerbeteiligung stärken und wirbt unter anderem für mehr direkte Demokratie durch Bürgerentscheide.
Die Initiative „Rettet die Lutherkirche“ will ungeachtet der aktuellen Entscheidungen der evangelischen Gemeindeleitung weitermachen. So plane man die Gründung einer Stiftung oder gemeinnützigen GmbH, um selbst als möglicher Verhandlungspartner auftreten zu können, sagt Krauthäuser. Er hat zusammen mit dem Verein „Südstadtleben“ in der Vergangenheit zahlreiche Konzerte, Festivals und andere Veranstaltungen in der Lutherkirche initiiert und organisiert. Falls die Verhandlungen der Kirche mit dem Initiativenhaus und dessen privaten Partner scheitern sollten und das Bieterverfahren um einen Erbpachtvertrag mit der Kirche neu eröffnet werde, wolle man sich selbst ins Spiel bringen. „Wir können nicht auf die Kirche oder den Staat zählen. Wir müssen das selber machen.“ Das Gespräch mit der Kirchenleitung in der vergangenen Woche sei „sehr gut“ gewesen, auch wenn das Ergebnis aus seiner Sicht „dürftig“ sei.