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„Soziale Infrastruktur ist kein freiwilliger Luxus“Mahnende Worte beim Jahresempfang der Kölner Caritas

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19.06.2026 Köln. Jahresempfang von Caritas Köln, IN VIA Köln, KJA Köln, Malteser Köln, SkF Köln und SKM Köln. Foto: Alexander Schwaiger

Für die Caritas arbeiten und engagieren sich in Köln insgesamt fast 9000 Menschen.

Die Verbände der Kölner Caritas sprachen die verschiedenen sozialen Probleme in Köln an und warnten vor kurzsichtigen Kürzungen.

In Zeiten knapper öffentlicher Kassen dürfe nicht kurzsichtig an sozialen Leistungen gespart werden, hat Jens Röskens vom Vorstand des Sozialdiensts Katholischer Männer (SKM) angemahnt. Anlass war der Jahresempfang mit zahlreichen Gästen, den die Caritas Köln und ihre Fachverbände unter dem Motto „Zusammen geht was“ im Garten der Religionen gaben.

Er liegt auf dem Gelände von „In Via Köln“, das ebenso wie der SKM ein Verband der Kölner Caritas ist. Nach deren Angaben unterstützen die katholischen Wohlfahrtsverbände in der Stadt mit rund 5400 hauptamtlichen Mitarbeitenden und etwa 3300 ehrenamtlich Engagierten in über 400 Diensten und Einrichtungen mehr als 200.000 Menschen.

Es brauche „funktionierende Partnerschaften“

„Soziale Infrastruktur ist kein freiwilliger Luxus, sondern eine unverzichtbare Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Stabilität und gleiche Chancen für alle Menschen“, sagte Röskens und kritisierte: „Wir reden zu oft über Geld und zu selten über Menschen.“ Die Probleme seien vielfältig, vom großen Wohnungsmangel über fehlende Pflegeplätze und zunehmende psychische Belastungen junger Menschen bis hin zur wachsenden Einsamkeit.

„Soziale Infrastruktur lässt sich nicht im Krisenmodus steuern“, sagte Röskens weiter. „Sie braucht Planung, Kontinuität und einen klaren politischen Willen.“ Daher komme es auf „funktionierende Partnerschaften“ zwischen Politik, Verwaltung und Wohlfahrtspflege an. Er plädierte dafür, sich zusammen auf Ziel zu verständigen. Eine „gemeinsame Vision für Köln“ sei nötig, eine Vision, „wie sozialer Zusammenhalt auch unter schwierigen Bedingungen verlässlich organisiert wird“.

Suchthilfe bedeute auch, sich mit der Wohnungslosigkeit auseinanderzusetzen

Als Beispiel für die Notwendigkeit gemeinsamen Handels nannte er die aktuelle Debatte über die Suchthilfe in Köln. Der Bau des geplanten Suchthilfezentrums im Pantaleonsviertel sei ein wichtiger Schritt, doch „am Perlengraben ist das Ziel nicht erreicht“. Es brauche „weitere Einrichtungen und ein Konzept, damit aus mehreren Einzelmaßnahmen ein stimmige Ganzes“ wird. Dazu gehöre, die Wohnungslosigkeit vieler Drogensüchtiger, die in Köln ausgeprägter sei als in anderen Städten, stärker zu berücksichtigen.

Auch Stadtdechant Robert Kleine ging auf die zahlreichen Probleme in der Stadt ein, etwa den Mangel an bezahlbaren Wohnungen, der die Suche danach zur „existenziellen Belastung“ mache, und die wachsende Armut. Die katholische Sozialarbeit spiele eine „unverzichtbare Rolle“, für die Kirche und auch für Köln. Die Verbände seien „nicht nur Dienstleister sozialer Hilfen, sondern Anwälte der Menschen, die oft keine starke Stimme haben“. Worte des Gedenkens fand der Stadtdechant für Franz Decker, der den Caritasverband für die Stadt Köln von 2000 bis 2011 leitete und am 15. Juni gestorben ist. „Er war immer bereit, neue Wege zu gehen, wenn sie den Menschen dienten, und dabei auch schon mal anzuecken“, sage Kleine. Decker habe „mit Leidenschaft und auch Mut seine Überzeugungen vertreten“ und dabei immer den Dialog gesucht.

Bürgermeisterin Teresa de Bellis-Olinger dankte der Kölner Caritas für ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Sie sorgt jeden Tag dafür, dass aus dem Nebeneinander ein echtes Miteinander wird.“ Der Einsatz der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mache Köln „menschlicher, gerechter und lebenswerter“. Die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ zwischen Wohlfahrtverbänden, Kirchen, Politik und Verwaltung sei ein „wichtiger Baustein für eine starke soziale Infrastruktur in unserer Stadt“. Einer Stadt, in der jeder Mensch die Chance haben sollte, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.